Sennheiser e 965 Test: Großmembran-Kondensatormikrofon für anspruchsvolle Live-Vocals
Dynamische Gesangsmikrofone sind auf Bühnen nach wie vor der Standard. Sie sind robust, unkompliziert und kommen häufig auch mit hohen Bühnenpegeln gut zurecht. Wer dagegen möglichst viele Details einer Stimme übertragen möchte, greift gerne zu einem Kondensatormikrofon. Genau hier setzt der Sennheiser e 965 Test an: Es soll die klangliche Feinzeichnung eines Studiomikrofons mit den Anforderungen eines professionellen Handmikrofons für die Bühne verbinden.
Das e 965 arbeitet mit einer extern polarisierten Doppelmembran-Kondensatorkapsel mit 25,4 Millimetern beziehungsweise einem Zoll Membrandurchmesser. Darüber hinaus lässt sich die Richtcharakteristik zwischen Niere und Superniere umschalten. Ein Low-Cut sowie eine Vordämpfung um 10 dB erweitern die Möglichkeiten zusätzlich. Sennheiser selbst bezeichnet das e 965 als Topmodell der evolution-900-Serie.
In meinem Sennheiser e 965 Test interessiert mich deshalb vor allem eine Frage: Ist der technische Aufwand für den typischen Live-Einsatz wirklich sinnvoll oder ist ein unkompliziertes dynamisches Gesangsmikrofon auf der Bühne am Ende doch die praktischere Lösung?
Sennheiser e 965: Kondensatortechnik im Bühnenmikrofon
Schon das technische Konzept unterscheidet das Sennheiser e 965 von vielen klassischen Gesangsmikrofonen. Statt einer dynamischen Tauchspulenkapsel kommt ein extern polarisiertes Doppelmembran-Kondensatormikrofon zum Einsatz. Die Membran misst 25,4 Millimeter beziehungsweise einen Zoll. Der Übertragungsbereich reicht von 40 Hz bis 20 kHz.
Damit verfolgt Sennheiser ganz bewusst einen Ansatz zwischen Bühne und Studio. Auch auf der aktuellen Produktseite wird das Mikrofon als Großmembranmodell beschrieben, das die Detailauflösung eines Studiomikrofons mit einer tourtauglichen Konstruktion verbinden soll. Sennheiser nennt unter anderem ein Metallgehäuse, eine elastische Kapsellagerung sowie eine hohe Unterdrückung von Griffgeräuschen.
Für mich ist genau diese Kombination der interessanteste Aspekt des e 965. Ein hochauflösendes Mikrofon bringt auf der Bühne nämlich nur dann einen Vorteil, wenn es gleichzeitig mit Griffgeräuschen, Monitoren, Nebengeräuschen und hohen Pegeln umgehen kann. Sennheiser versucht deshalb nicht, einfach ein Studiomikrofon in ein Handgehäuse zu stecken, sondern hat das Konzept konsequent auf Live-Vocals zugeschnitten.
Verarbeitung und Konstruktion
Mit einer Länge von 199 Millimetern, einem Durchmesser von 48 Millimetern und einem Gewicht von 396 Gramm gehört das e 965 nicht gerade zu den besonders leichten Gesangsmikrofonen.
Ich sehe das höhere Gewicht allerdings nicht automatisch als Nachteil. Gerade bei einem professionellen Bühnenmikrofon vermittelt eine solide Konstruktion durchaus Vertrauen. Gleichzeitig sollte man die knapp 400 Gramm berücksichtigen, wenn das Mikrofon einen kompletten Abend in der Hand gehalten wird.
Die Kondensatorkapsel ist elastisch gelagert. Dadurch sollen Körperschall und Griffgeräusche reduziert werden. Zusätzlich verfügt das Mikrofon über einen integrierten akustischen Pop- und Windschutz sowie einen Schutz vor Feuchtigkeit.
Gerade den Feuchtigkeitsschutz halte ich bei einem Kondensatormikrofon für sinnvoll. Ein Vocal-Mikrofon befindet sich schließlich unmittelbar vor dem Mund und muss während eines Konzerts mit Atemluft, Schweiß und wechselnden klimatischen Bedingungen zurechtkommen.
Schalter sitzen geschützt unter dem Mikrofonkorb
Eine Besonderheit wird erst sichtbar, wenn der Einsprachekorb abgeschraubt wird. Darunter befinden sich drei Schalter: für die Richtcharakteristik, die Vordämpfung und den Tiefenfilter. Dadurch können die Einstellungen während einer Performance nicht versehentlich verändert werden.
Ich halte diese Lösung für ausgesprochen sinnvoll. Niere, Superniere, Pad und Low-Cut sind Einstellungen, die normalerweise während des Soundchecks vorgenommen und anschließend nicht mehr verändert werden müssen.
Allerdings bedeutet die geschützte Position auch, dass ein spontaner Wechsel während eines Konzerts nicht besonders komfortabel ist. Für mich ist das jedoch ein sinnvoller Kompromiss zugunsten der Betriebssicherheit.
Technische Daten des Sennheiser e 965
Die wichtigsten Daten im Überblick:
- Mikrofontyp: extern polarisiertes Doppelmembran-Kondensatormikrofon
- Membrandurchmesser: 25,4 mm / 1″
- Richtcharakteristik: Niere oder Superniere, umschaltbar
- Übertragungsbereich: 40 Hz – 20.000 Hz
- Empfindlichkeit: 7 mV/Pa
- Empfindlichkeit mit Vordämpfung: 2,3 mV/Pa
- Grenzschalldruckpegel: 142 dB SPL
- Grenzschalldruckpegel mit Vordämpfung: 152 dB SPL
- Vordämpfung: -10 dB, schaltbar
- Low-Cut/Tiefenfilter: schaltbar
- Ersatzgeräuschpegel: 21 dB(A)
- Nennimpedanz: ca. 50 Ohm
- Minimale Abschlussimpedanz: 1 kOhm
- Phantomspeisung: 48 V / 3,5 mA
- Anschluss: XLR-3
- Abmessungen: 48 × 199 mm
- Gewicht: 396 g
- Betriebstemperatur: 0 bis +40 °C
Die technischen Daten stammen aus der aktuellen Sennheiser-Dokumentation.
48-Volt-Phantomspeisung ist Pflicht
Anders als ein klassisches dynamisches Gesangsmikrofon benötigt das Sennheiser e 965 eine Stromversorgung. Vorgesehen sind 48 Volt Phantomspeisung bei einer Stromaufnahme von 3,5 mA.
Für eine professionelle PA-Anlage ist das normalerweise kein Problem, weil praktisch jedes entsprechende Mischpult P48 bereitstellt. Trotzdem ist dieser Punkt wichtig. An einem simplen Eingang ohne Phantomspeisung lässt sich das e 965 nicht einfach wie ein dynamisches Mikrofon betreiben.
Für mich ist das keine wirkliche Schwäche, sondern schlicht eine Konsequenz der Kondensatortechnik. Wer das Mikrofon beispielsweise mit kleinen Audiomischern, älteren Geräten oder ungewöhnlichen mobilen Setups verwenden möchte, sollte die vorhandene Phantomspeisung vorher überprüfen.
Sennheiser e 965 Test: Niere und Superniere machen den Unterschied
Eines der stärksten Argumente für das e 965 ist meiner Meinung nach die umschaltbare Richtcharakteristik. Der Anwender muss sich nicht bereits beim Kauf zwischen Niere und Superniere entscheiden.
Niere für etwas mehr Bewegungsfreiheit
In der Nierenstellung wird seitlich eintreffender Schall stärker aufgenommen als bei der Superniere. Sennheiser nennt diese Einstellung unter anderem für Situationen, in denen mehrere Sänger gleichzeitig aufgenommen werden sollen.
Für einen einzelnen Sänger bietet die Niere außerdem einen etwas großzügigeren nutzbaren Bereich vor dem Mikrofon. Wer sich beim Singen stark bewegt und seine Position vor der Kapsel nicht immer exakt hält, dürfte davon profitieren.
Superniere für laute Bühnen
Wird auf Superniere umgeschaltet, konzentriert sich die Aufnahme stärker auf die Schallquelle vor dem Mikrofon. Seitlich eintreffender Schall wird stärker reduziert. Sennheiser empfiehlt diese Einstellung deshalb insbesondere für laute Umgebungen und zur Verringerung des Übersprechens anderer Instrumente.
Genau hier sehe ich einen wesentlichen Praxisvorteil. Stehen Schlagzeug, Gitarrenverstärker oder Sidefills relativ nah am Sänger, kann die Superniere helfen, das Gesangssignal stärker von der Bühne zu isolieren.
Allerdings verlangt die engere Richtwirkung auch eine sauberere Mikrofontechnik. Wer ständig seitlich am Mikrofon vorbeisingt, kann stärkere Pegel- und Klangschwankungen verursachen.
Achtung bei Bühnenmonitoren: Niere und Superniere unterscheiden sich deutlich
Die umschaltbare Richtcharakteristik betrifft nicht nur das Übersprechen, sondern auch die Positionierung der Monitorlautsprecher.
Bei Nierencharakteristik nennt Sennheiser den Bereich um 180 Grad hinter dem Mikrofon als stärkste Auslöschung. Ein einzelner Monitor kann deshalb klassisch hinter dem Mikrofon beziehungsweise vor dem Sänger stehen.
Bei Superniere liegt der empfohlene Winkel dagegen bei ungefähr 135 Grad.
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte des gesamten Sennheiser e 965 Tests. Wer einfach von Niere auf Superniere umschaltet, aber die Bühnenmonitore unverändert stehen lässt, nutzt die Vorteile der Richtcharakteristik möglicherweise nicht aus. Eine Superniere besitzt konstruktionsbedingt eine andere rückwärtige Empfindlichkeit, weshalb die Monitorposition entsprechend angepasst werden muss.
Bei einer professionellen Produktion gehört die Wahl der Richtcharakteristik deshalb für mich immer zum gesamten Monitoring-Konzept.
Sennheiser e 965 Test – Nahbesprechungseffekt gezielt einsetzen
Auch der Abstand zwischen Sänger und Mikrofon beeinflusst den Klang deutlich. Die Sennheiser-Anleitung beschreibt drei typische Situationen.
Bei sehr geringem Abstand ist das Übersprechen anderer Schallquellen gering, gleichzeitig nimmt der Nahbesprechungseffekt zu. Das Ergebnis wird bassreicher, direkter und druckvoller. Bei ungefähr fünf bis zehn Zentimetern Abstand nimmt der Nahbesprechungseffekt ab und der Klang wird natürlicher. Bei mehr als zehn Zentimetern steigt dagegen der Raumanteil deutlich an.
Genau deshalb würde ich beim e 965 nicht automatisch versuchen, möglichst nah am Korb zu singen. Die große Kondensatorkapsel bietet genügend Empfindlichkeit, sodass sich der Abstand bewusst als klanggestalterisches Mittel einsetzen lässt.
Bei einer eher dünnen Stimme kann ein geringerer Abstand zusätzlichen Grundton erzeugen. Bei einer sehr kräftigen oder ohnehin bassreichen Stimme dürfte etwas mehr Abstand dagegen häufig die ausgewogenere Lösung sein.
Zischlaute lassen sich laut Bedienungsanleitung zusätzlich reduzieren, indem das Mikrofon leicht seitlich auf den Mund ausgerichtet wird.
Klang: detailreich statt typisch dynamisch
Sennheiser beschreibt den Charakter des e 965 mit detaillierten beziehungsweise seidigen Höhen sowie warmen und definierten unteren Mitten.
Aus technischer Sicht passt diese Positionierung zum Konzept des Mikrofons. Die Echtkondensatorkapsel und der Übertragungsbereich bis 20 kHz sind auf eine feinere Abbildung ausgelegt als bei vielen klassischen dynamischen Bühnenmikrofonen.
Gerade hier sehe ich die eigentliche Zielgruppe des e 965. Wer lediglich ein möglichst unkompliziertes Mikrofon für einen Proberaum benötigt, schöpft das Konzept vermutlich nicht aus. Interessant wird das Mikrofon dagegen dann, wenn die Qualität der Gesangsübertragung einen hohen Stellenwert hat.

Akustische Produktionen, Pop, Soul, Jazz oder detailreicher Rockgesang sind für mich typische Szenarien, in denen diese Art von Mikrofon besonders interessant sein kann. Gleichzeitig bedeutet höhere Detailauflösung aber auch, dass Atemgeräusche, Artikulation und Veränderungen des Mikrofonabstands deutlicher übertragen werden können. Das e 965 verlangt deshalb tendenziell mehr Kontrolle vom Sänger als ein weniger sensibles dynamisches Mikrofon.
Low-Cut gegen Trittschall und tieffrequente Störungen
Unter dem Mikrofonkorb befindet sich außerdem ein schaltbarer Tiefenfilter. In der linearen Stellung bleibt der Frequenzgang unbeeinflusst. Wird das Filter aktiviert, dient es laut Sennheiser dazu, tieffrequente Störungen wie Trittschall sowie Pop- und Windgeräusche zu reduzieren.
Auf einer Bühne halte ich dieses Feature für ausgesprochen nützlich. Gerade bei Gesang wird der tiefste Frequenzbereich häufig ohnehin nicht benötigt. Gleichzeitig können Trittschall, Bühnenvibrationen oder Bewegungen am Mikrofonständer unnötig Headroom beanspruchen.
Ich würde den Low-Cut deshalb bereits beim Soundcheck ausprobieren, bevor später am Mischpult drastisch gefiltert wird. Ob das interne Filter tatsächlich benötigt wird, hängt jedoch von Stimme, Mikrofonabstand und PA-System ab.
-10-dB-Pad für extreme Pegelreserven
Zusätzlich besitzt das e 965 eine umschaltbare Vordämpfung um 10 dB. Bei aktivierter Vordämpfung sinkt die Empfindlichkeit von 7 auf 2,3 mV/Pa. Gleichzeitig steigt der spezifizierte maximale Schalldruckpegel von 142 auf beeindruckende 152 dB SPL.
Sennheiser beschreibt den Schalter entsprechend als Möglichkeit, die Empfindlichkeit der Mikrofonkapsel zu reduzieren und den möglichen Schalldruckpegel zu erhöhen.
Für normalen Gesang dürfte die 0-dB-Stellung in den meisten Fällen ausreichend sein. Trotzdem gefällt mir die zusätzliche Reserve. Gerade bei extrem lauten Stimmen oder sehr geringem Abstand zur Kapsel lässt sich damit das Mikrofon an außergewöhnlich hohe Pegel anpassen.
Hoher Grenzschalldruck: Kondensator heißt nicht empfindlich gegen Lautstärke
Mit maximal 142 dB SPL ohne Pad und 152 dB SPL mit eingeschalteter Vordämpfung zeigt das e 965, dass Kondensatortechnik keineswegs automatisch geringe Pegelfestigkeit bedeutet.
Für mich ist diese hohe Reserve ein wichtiger Bestandteil des Bühnenkonzepts. Ein Gesangsmikrofon darf schließlich auch dann nicht an seine Grenzen geraten, wenn der Sänger bei wenigen Zentimetern Abstand sehr hohe Pegel erzeugt.
Gleichzeitig sollte man zwischen dem maximal zulässigen Schalldruck am Mikrofon und dem Pegel am Mischpulteingang unterscheiden. Ein empfindliches Kondensatormikrofon liefert grundsätzlich ein kräftigeres Ausgangssignal als viele dynamische Modelle. Der Gain muss am Mischpult daher entsprechend angepasst werden.
Sennheiser e 965 Test – Griffgeräusche und Mikrofonhaltung
Bei einem Handmikrofon ist die Entkopplung der Kapsel fast ebenso wichtig wie der Frequenzgang. Sennheiser setzt beim e 965 deshalb auf eine elastische Kapsellagerung. Laut Hersteller stabilisiert diese die Kapsel und reduziert Griffgeräusche.
Die Bedienungsanleitung weist außerdem ausdrücklich darauf hin, das Mikrofon nur am Griff zu halten. Wird die Kapsel beziehungsweise der Mikrofonkorb mit der Hand abgedeckt, verändert sich die Richtcharakteristik und damit auch der Klang.
Das halte ich für einen wichtigen Praxishinweis. Das bekannte „Cupping“, bei dem Sänger den Korb mit der Hand umschließen, ist bei einem Richtmikrofon grundsätzlich problematisch. Beim e 965 würde man damit gerade einen wesentlichen Vorteil – die kontrollierte Niere beziehungsweise Superniere – teilweise zunichtemachen.
Rückkopplungssicherheit: kein Freifahrtschein
Sennheiser bewirbt das e 965 ausdrücklich mit hoher Rückkopplungssicherheit und verweist auf die flexible Wahl zwischen Niere und Superniere.
Ich würde daraus allerdings keinen automatischen Vorteil unter allen Bedingungen ableiten. Rückkopplungssicherheit ist immer vom gesamten System abhängig: Mikrofonposition, Monitore, FOH-PA, Bühnenlautstärke, EQ und Raumakustik spielen zusammen.
Gerade deshalb gefällt mir die Umschaltung der Richtcharakteristik. Statt nur mit EQ gegen Feedback vorzugehen, kann bereits die geometrische Anordnung optimiert werden. Auf einer lauten Bühne würde ich zuerst die Superniere ausprobieren und die Monitore entsprechend im Bereich um 135 Grad positionieren. Bei einer ruhigeren Bühne könnte dagegen die Niere aufgrund ihres toleranteren Aufnahmebereichs angenehmer sein.
Sennheiser e 965 Test – Bedienung im Live-Alltag
Grundsätzlich bleibt das e 965 trotz seiner zusätzlichen Funktionen erstaunlich unkompliziert. XLR-Kabel anschließen, 48-Volt-Phantomspeisung aktivieren, Gain einstellen – und das Mikrofon ist einsatzbereit. Die mitgelieferte MZQ-800-Halterung erlaubt außerdem den klassischen Einsatz auf einem Mikrofonstativ. Zum Lieferumfang gehören darüber hinaus eine Tasche, eine Kurzanleitung und Sicherheitshinweise.
Eine Besonderheit sind allerdings die internen Schalter. Um Richtcharakteristik, Pad oder Tiefenfilter zu verändern, muss zunächst der Einsprachekorb abgeschraubt werden. Sennheiser weist ausdrücklich darauf hin, die Schalter ausschließlich mit den Fingern und nicht mit Werkzeug zu bedienen.
Ich würde die Konfiguration deshalb immer während des Soundchecks festlegen. Für häufig wechselnde Einstellungen während einer Veranstaltung ist dieses Konzept nicht gedacht.
Für wen eignet sich das Sennheiser e 965?
Das e 965 richtet sich meiner Einschätzung nach vor allem an Sängerinnen und Sänger, die bei Live-Auftritten einen möglichst detaillierten Vocal-Sound wünschen und gleichzeitig nicht auf die Robustheit eines klassischen Handmikrofons verzichten möchten.
Besonders interessant finde ich es für professionelle Bands, hochwertige Club-Produktionen, Theater, Galas, akustische Konzerte oder Tourneen, bei denen die Lead-Stimme eine zentrale Rolle spielt.
Die umschaltbare Richtcharakteristik macht das Mikrofon darüber hinaus flexibel genug für sehr unterschiedliche Bühnen. Bei geringer Bühnenlautstärke lässt sich mit Niere arbeiten, während bei stärkerem Übersprechen die Superniere eine Alternative bietet.
Weniger interessant sehe ich das e 965 dagegen für Anwender, die bewusst ein maximal unkompliziertes Mikrofon ohne Phantomspeisung suchen oder deren Gesang ohnehin auf extrem lauten, chaotischen Bühnen stattfindet und bei denen maximale Fehlertoleranz wichtiger als Detailauflösung ist. Hier kann ein hochwertiges dynamisches Bühnenmikrofon die pragmatischere Wahl sein.
Die größten Stärken des e 965
Mich überzeugt vor allem, wie konsequent Sennheiser Studiotechnik und Bühnenanforderungen miteinander kombiniert. Die Doppelmembran-Kondensatorkapsel allein wäre noch kein Grund für ein interessantes Live-Mikrofon. Erst die Kombination mit Niere und Superniere, Low-Cut, -10-dB-Pad, hoher Pegelfestigkeit, elastischer Kapsellagerung sowie integriertem Pop- und Windschutz ergibt ein schlüssiges Gesamtpaket.
Besonders die umschaltbare Richtcharakteristik sehe ich als echten Praxisvorteil. Sie erlaubt es, das gleiche Mikrofon sowohl auf einer überschaubaren Bühne als auch in einem deutlich lauteren Setup einzusetzen.
Darüber hinaus gefällt mir die hohe maximale Pegelfestigkeit. 142 beziehungsweise 152 dB SPL mit aktiviertem Pad schaffen enorme Reserven.
Wo liegen die Nachteile?
Vollkommen ohne Kompromisse kommt auch das Sennheiser e 965 nicht aus.
Zunächst benötigt es zwingend 48-Volt-Phantomspeisung. Außerdem ist ein Kondensatormikrofon aufgrund seiner hohen Detailauflösung nicht automatisch für jeden Sänger die beste Wahl. Eine sehr unruhige Mikrofontechnik, starke Veränderungen des Abstands oder eine extrem laute Bühne können ein unkomplizierteres dynamisches Modell attraktiver machen.
Mit 396 Gramm ist das e 965 außerdem vergleichsweise massiv. Wer sein Mikrofon über mehrere Stunden permanent in der Hand hält, sollte das Gewicht zumindest berücksichtigen.
Und schließlich befinden sich die drei Konfigurationsschalter unter dem abgeschraubten Mikrofonkorb. Ich finde diese Lösung aus Sicherheitsgründen sinnvoll, besonders schnell erreichbar sind die Einstellungen dadurch jedoch nicht.
Fazit zum Sennheiser e 965 Test
Das Sennheiser e 965 ist kein gewöhnliches Gesangsmikrofon, sondern ein technisch aufwendiges Live-Kondensatormikrofon für Anwender, die möglichst viel Detail aus einer Stimme herausholen möchten.
Besonders überzeugend finde ich die Kombination aus großformatiger Doppelmembran-Kondensatorkapsel und umschaltbarer Richtcharakteristik. Dadurch lässt sich das Mikrofon wesentlich besser an unterschiedliche Bühnensituationen anpassen als ein Modell mit fest vorgegebener Charakteristik.
Auch Low-Cut und -10-dB-Pad sind keine bloßen Extras. Der Tiefenfilter kann störende tieffrequente Signale reduzieren, während die Vordämpfung den maximalen Schalldruck von bereits hohen 142 auf 152 dB SPL erweitert. Hinzu kommen die elastische Lagerung der Kapsel sowie der integrierte Pop- und Windschutz.
Gleichzeitig verlangt das e 965 etwas mehr Aufmerksamkeit als ein typisches dynamisches Bühnenmikfon. Die passende Richtcharakteristik, die korrekte Position der Bühnenmonitore und eine kontrollierte Mikrofontechnik sind entscheidend, wenn das Potenzial des Mikrofons tatsächlich ausgeschöpft werden soll.
Für mich liegt genau darin aber der Reiz des e 965: Es versucht nicht, das simpelste Mikrofon auf der Bühne zu sein. Stattdessen bietet es umfangreiche Möglichkeiten, eine hochwertige Gesangsabnahme gezielt an Sänger, Bühne und Monitoring anzupassen. Wer diesen Anspruch verfolgt, findet im e 965 ein außergewöhnlich vielseitiges Konzept innerhalb der evolution-Serie.
Herstellerlink: https://www.sennheiser.com/de-de/catalog/products/mikrofon/e-965/e-965-500881

FAQ zum Sennheiser e 965
Ist das Sennheiser e 965 ein dynamisches oder ein Kondensatormikrofon?
Das Sennheiser e 965 ist ein extern polarisiertes Doppelmembran-Kondensatormikrofon. Der Membrandurchmesser beträgt 25,4 Millimeter beziehungsweise einen Zoll.
Benötigt das Sennheiser e 965 Phantomspeisung?
Ja. Das e 965 benötigt eine 48-Volt-Phantomspeisung (P48). Die Stromaufnahme wird mit 3,5 mA angegeben.
Hat das Sennheiser e 965 Niere oder Superniere?
Beides. Die Richtcharakteristik kann zwischen Niere und Superniere umgeschaltet werden. Dafür muss der Einsprachekorb abgeschraubt und der darunterliegende Schalter entsprechend eingestellt werden.
Wann sollte ich beim e 965 die Superniere verwenden?
Die Superniere bietet eine stärkere seitliche Unterdrückung und eignet sich deshalb besonders für laute Bühnen oder Situationen mit starkem Übersprechen anderer Instrumente. Die Bühnenmonitore sollten dabei im Bereich der stärksten Auslöschung bei ungefähr 135 Grad positioniert werden.
Wozu dient der -10-dB-Schalter?
Das Pad reduziert die Empfindlichkeit des Mikrofons. Dadurch steigt der mögliche Grenzschalldruckpegel von 142 auf 152 dB SPL.
Hat das Sennheiser e 965 einen Low-Cut?
Ja. Das Mikrofon besitzt einen schaltbaren Tiefenfilter. Laut Bedienungsanleitung kann dieser unter anderem Trittschall sowie tieffrequente Pop- und Windgeräusche reduzieren.
Wie groß sollte der Abstand zum e 965 sein?
Ein sehr geringer Abstand erzeugt einen stärkeren Nahbesprechungseffekt mit mehr Bass und Grundton. Bei ungefähr fünf bis zehn Zentimetern wird die Wiedergabe natürlicher und ausgewogener. Bei mehr als zehn Zentimetern steigt der Raumanteil deutlich.
Kann man das Sennheiser e 965 auch auf sehr lauten Bühnen einsetzen?
Grundsätzlich ja. Dafür sprechen die Supernierencharakteristik und der hohe maximale Schalldruckpegel. Entscheidend sind allerdings eine korrekte Monitorpositionierung, eine kontrollierte Mikrofontechnik und eine sinnvoll eingestellte PA. Die Superniere allein verhindert Rückkopplungen nicht automatisch.
Was gehört zum Lieferumfang des Sennheiser e 965?
Zum Lieferumfang gehören das e 965, eine MZQ-800-Mikrofonhalterung, eine Tasche, eine Kurzanleitung und Sicherheitshinweise.



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