Lewitt DTP 640 REX im Test: Zwei Kapseln für einen druckvollen Kickdrum-Sound
Wer eine Bassdrum professionell abnehmen möchte, arbeitet häufig mit zwei Mikrofonen. Ein dynamisches Mikrofon kümmert sich beispielsweise um den Attack des Beaters, während ein Kondensatormikrofon das tieffrequente Fundament und zusätzliche Klangdetails überträgt. Diese Methode liefert flexible Ergebnisse, verlangt jedoch auch nach zwei Mikrofonstativen, einer sorgfältigen Positionierung und einer gewissen Aufmerksamkeit für mögliche Phasenprobleme.
Genau an diesem Punkt setzt das Lewitt DTP 640 REX an. Das Bassdrum-Mikrofon kombiniert einen dynamischen und einen permanent polarisierten Kondensatorwandler in einem gemeinsamen Gehäuse. Beide Kapseln besitzen separate Ausgänge und lassen sich deshalb auf zwei Kanälen des Mischpults oder Audio-Interfaces unabhängig voneinander bearbeiten und mischen. Zusätzlich stehen drei schaltbare Klangabstimmungen zur Verfügung.
Für mich ist dieses Konzept besonders interessant, weil es die klangliche Flexibilität einer klassischen Zwei-Mikrofon-Lösung mit einem vergleichsweise kompakten Aufbau verbindet. Allerdings stellt sich im Lewitt DTP 640 REX Test auch die Frage, ob der zusätzliche technische Aufwand tatsächlich einen hörbaren beziehungsweise praxisrelevanten Mehrwert bietet.
Lewitt DTP 640 REX: Aufbau und Funktionsprinzip
Das DTP 640 REX gehört zur Kategorie der Dual-Element-Mikrofone. Hinter dem stabilen Schutzkorb befinden sich zwei unterschiedliche Wandler: eine dynamische Tauchspulenkapsel mit einem Durchmesser von 31,7 Millimetern sowie eine Kondensatorkapsel mit einem Durchmesser von 22,4 Millimetern. Beide arbeiten mit Nierencharakteristik.
Lewitt bezeichnet die beiden Elemente als phasenausgerichtet. Das soll die Kombination beider Signale vereinfachen und typische Probleme reduzieren, die bei zwei unterschiedlich positionierten Einzelmikrofonen auftreten können. Die dynamische Seite ist vor allem für eine präzise Wiedergabe des Anschlags vorgesehen, während die Kondensatorkapsel insbesondere das tieffrequente Fundament erfassen soll.
Ich halte diesen Ansatz für sinnvoll, weil beide Kapseln stets denselben Abstand zur Schallquelle besitzen. Dadurch bleibt das Klangverhältnis auch dann relativ konstant, wenn das Mikrofon während eines Umbaus oder einer Tour erneut positioniert werden muss. Zwei separat aufgestellte Mikrofone bieten zwar mehr Freiheit bei der Platzierung, verlangen jedoch wesentlich mehr Zeit und Erfahrung.
Die Produktübersicht und die Bediengrafiken in der Anleitung zeigen außerdem die beiden Kapseln, die versenkten Schalter, den 5-poligen Anschluss und die integrierte Halterung.
Technische Daten des Lewitt DTP 640 REX
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Mikrofontyp | Dynamische Tauchspule und permanent polarisierter Kondensator |
| Wandlerprinzip | Druckgradientenempfänger |
| Richtcharakteristik | Niere |
| Dynamische Kapsel | 31,7 mm |
| Kondensatorkapsel | 22,4 mm |
| Ausgänge | Separat für beide Kapseln |
| Anschluss am Mikrofon | 5-poliger XLR-Anschluss |
| Anschlusskabel | 5-Pin-XLR auf zwei 3-Pin-XLR-Stecker |
| Klangabstimmungen | FFR, Dynamic EFR und Dual EFR |
| Vordämpfung | 0 dB, −10 dB und −20 dB |
| Maximaler Schalldruckpegel | 150 dB SPL bei 0 dB Vordämpfung |
| Dynamikumfang der Kondensatorkapsel | 122 dB |
| Eigenrauschen der Kondensatorkapsel | 28 dB(A) |
| Versorgungsspannung | 48 V ± 4 V |
| Stromaufnahme | 2 mA |
| Nennimpedanz dynamisch | 500 Ohm |
| Nennimpedanz Kondensator | 200 Ohm |
| Abmessungen | 71 × 158 mm |
| Gewicht | 755 g |
| Lieferumfang | Y-Kabel und Transporttasche |
Das mitgelieferte, doppelt geschirmte Y-Kabel ist 1,5 Meter lang und führt den 5-poligen Mikrofonanschluss auf zwei gewöhnliche 3-polige XLR-Stecker. Dadurch werden die beiden Kapselsignale auf zwei getrennte Mischpult- oder Interface-Kanäle verteilt.
Verarbeitung und Bühnentauglichkeit
Das Lewitt DTP 640 REX besitzt ein massives Metalldruckgussgehäuse. Der Mikrofonkorb besteht nach Herstellerangaben aus einem gehärteten, hexagonalen und rutheniumbeschichteten Stahlgitter. Außerdem sind die Bedienelemente versenkt angebracht, sodass sich die Einstellungen im hektischen Bühnenalltag nicht so leicht versehentlich verändern lassen.
Auf mich macht diese Konstruktion einen professionellen Eindruck. Gerade ein Bassdrum-Mikrofon muss Erschütterungen, häufige Umbauten und den Transport im Case verkraften. Ein dünnes Gehäuse oder frei hervorstehende Schalter wären an dieser Stelle problematisch.
Mit 755 Gramm gehört das Mikrofon allerdings nicht zu den Leichtgewichten. Ich würde deshalb auf eine stabile Befestigung achten. Eine schwergängige Halterung und ein standsicheres, niedriges Mikrofonstativ sind insbesondere dann wichtig, wenn das DTP 640 REX weit in die Bassdrum hineinragt.
Der integrierte Windschutz kann laut Quickstart Guide bei Bedarf mit Seifenwasser gereinigt werden. Das ist vor allem bei häufigem Tourbetrieb praktisch, da sich im Inneren einer Bassdrum mit der Zeit Staub ansammeln kann.
Anschluss: Zwei Mikrofonkanäle sind erforderlich
Das DTP 640 REX wird über den 5-poligen XLR-Anschluss mit dem mitgelieferten Y-Kabel verbunden. Die beiden 3-poligen XLR-Stecker führen anschließend jeweils das Signal einer Kapsel.
Damit das Konzept vollständig genutzt werden kann, werden am Mischpult, Stagebox oder Audio-Interface zwei Mikrofoneingänge benötigt. Für die Kondensatorkapsel muss zudem eine 48-Volt-Phantomspeisung aktiviert werden. Wird ausschließlich das dynamische Element verwendet, ist keine Phantomspeisung erforderlich.

Ich würde beide Kanäle direkt eindeutig benennen, beispielsweise als „Kick Dynamic“ und „Kick Condenser“. Das verhindert Verwechslungen beim Soundcheck und erleichtert die Arbeit an digitalen Mischpulten, insbesondere wenn Szenen oder Presets gespeichert werden.
Das spezielle Y-Kabel beachten
Das Y-Kabel ist ein zentraler Bestandteil des Systems. Ohne ein passendes Kabel lassen sich die beiden Kapseln nicht wie vorgesehen anschließen. Für einen professionellen Tourbetrieb würde ich deshalb über ein Ersatzkabel nachdenken. Bei zwei gewöhnlichen Einzelmikrofonen könnte ein defektes XLR-Kabel unkompliziert ersetzt werden. Das spezielle 5-Pin-auf-2-x-3-Pin-Kabel ist dagegen nicht in jedem Kabelkoffer vorhanden.
Für mich ist dies kein grundsätzliches Problem, wohl aber ein organisatorischer Punkt, den Veranstaltungstechniker und Verleiher berücksichtigen sollten.
Drei Klangabstimmungen durch Enhanced Frequency Response
Ein wesentliches Merkmal des Lewitt DTP 640 REX ist die sogenannte Enhanced Frequency Response, kurz EFR. Über einen versenkten Schalter stehen drei verschiedene Betriebsarten zur Verfügung.
FFR: Beide Kapseln mit neutraler Abstimmung
In der Position „= /// =“ arbeiten beide Elemente mit ihrer neutralen Frequenzabstimmung. Lewitt bezeichnet diesen Modus als Flat Frequency Response beziehungsweise FFR.
Ich würde den neutralen Modus zunächst als Ausgangspunkt für den Soundcheck wählen. Er bietet die größte Freiheit für die spätere Bearbeitung mit Equalizer, Kompressor oder Transient Designer. Außerdem lässt sich so besser einschätzen, welchen Eigenklang die Bassdrum tatsächlich besitzt.
Gerade bei Jazz, akustischem Pop oder natürlich produzierten Studioaufnahmen dürfte diese Stellung interessant sein. Allerdings kann ein neutraleres Signal im dichten Rock- oder Metal-Mix mehr Nachbearbeitung erfordern.
Dynamic EFR: Mehr Attack aus der dynamischen Kapsel
In der Stellung „+ /// =“ wird die dynamische Kapsel im oberen Mittenbereich angehoben, während die Kondensatorkapsel neutral bleibt. Dadurch soll der Anschlag des Beaters deutlicher hervortreten.
Für Rock, Metal oder moderne Pop-Produktionen halte ich diese Einstellung für besonders praxisgerecht. Eine Bassdrum muss sich dort nicht nur über ihren Tiefbass, sondern auch über den definierten Kick beziehungsweise Klick im Mix durchsetzen. Mit Dynamic EFR lässt sich dieser Charakter bereits am Mikrofon vorbereiten, sodass am Mischpult weniger drastisch eingegriffen werden muss.
Dual EFR: Mehr Attack und zusätzliches Tieftonfundament
In der Stellung „+ /// +“ werden beide Elemente klanglich geformt. Die dynamische Kapsel betont den Attack-Bereich, während die Kondensatorseite das tieffrequente Fundament hervorhebt. Das Ergebnis ist eine stärker vorgeformte, moderne Bassdrum-Abstimmung.
Ich sehe diesen Modus als schnelle Lösung für druckvolle Live-Mischungen. Wenn wenig Zeit für einen ausführlichen Soundcheck bleibt, kann Dual EFR ein wirkungsvolles Ausgangssignal liefern. In kleinen Räumen oder bei stark resonierenden Bassdrums würde ich den Tieftonanteil allerdings vorsichtig dosieren. Ein bereits am Mikrofon angehobener Bassbereich kann zusammen mit Raumresonanzen und PA-Subwoofern schnell zu dominant werden.
Unterschiedliche Frequenzangaben in den Unterlagen
Die bereitgestellten Unterlagen und die aktuelle Produktseite nennen leicht unterschiedliche Frequenzbereiche. Der Quickstart Guide beschreibt beim dynamischen Element eine Betonung zwischen 4 und 6 kHz sowie bei der Kondensatorkapsel eine Betonung um 60 Hz.
Die aktuelle Produktseite nennt dagegen 3 bis 5 kHz für die dynamische Seite und 70 bis 150 Hz für die Kondensatorseite.
Für die praktische Bewertung ist vor allem die grundsätzliche Funktion entscheidend: Das dynamische Element erhält mehr Attack, während die Kondensatorkapsel im Dual-EFR-Modus den Bassbereich verstärkt. Wer exakte Mess- oder EQ-Vorgaben benötigt, sollte jedoch die Dokumentation der jeweiligen Produktionsversion berücksichtigen.
Klanggestaltung mit zwei Mischpultkanälen
Der größte Vorteil des Lewitt DTP 640 REX liegt für mich nicht allein in den drei EFR-Schaltungen. Wesentlich interessanter ist die Möglichkeit, beide Kapseln unabhängig voneinander zu mischen.
Ich würde zunächst den dynamischen Kanal öffnen und damit einen klaren, stabilen Grundsound einstellen. Anschließend kann das Signal der Kondensatorkapsel langsam hinzugemischt werden, bis die Bassdrum ausreichend Tiefe und Volumen besitzt. Auf diese Weise lässt sich das Verhältnis von Anschlag und Fundament unmittelbar an den Raum, die PA und das Musikgenre anpassen.
Dynamische Kapsel als klangliches Fundament
Die dynamische Kapsel bietet sich als Ausgangspunkt an, wenn ein direkter und definierter Bassdrum-Sound benötigt wird. Sie kann den für die Durchsetzung wichtigen Beater-Anteil liefern und dürfte aufgrund ihrer geringen Empfindlichkeit vergleichsweise unkritisch gegenüber hohen Pegeln sein.
Da ihre Empfindlichkeit im neutralen Modus mit 0,4 mV/Pa relativ niedrig ausfällt, benötigt sie allerdings eine entsprechend kräftige Vorverstärkung. Moderne Digitalmischpulte und professionelle Audio-Interfaces sollten damit normalerweise zurechtkommen. Bei einfachen oder stark rauschenden Vorverstärkern kann ein höherer Gain-Wert erforderlich sein.
Kondensatorkapsel für Tiefe und zusätzliche Details
Die Kondensatorkapsel ist mit 2 mV/Pa im neutralen Modus deutlich empfindlicher. Sie soll vor allem das tieffrequente Fundament und weitere Klangdetails ergänzen.
Ich würde diesen Kanal nicht automatisch genauso laut mischen wie das dynamische Signal. Vielmehr sehe ich die Kondensatorkapsel als stufenlos dosierbare Ergänzung. Schon eine moderate Beimischung kann ausreichen, um dem Klang mehr Größe zu verleihen.
Da beide Signale getrennt ausgegeben werden, lassen sie sich auch unterschiedlich bearbeiten. Beispielsweise kann der dynamische Kanal stärker komprimiert und im Attack-Bereich betont werden, während der Kondensatorkanal vor allem für das Tiefbassfundament zuständig ist.
Phasenlage und Polarität kontrollieren
Lewitt beschreibt die beiden Kapseln als phasenausgerichtet. Das ist ein deutlicher Vorteil gegenüber zwei separat positionierten Mikrofonen. Dennoch würde ich beim Soundcheck grundsätzlich auch die Polaritätsumkehr eines Kanals ausprobieren.
Unterschiedliche Vorverstärker, digitale Bearbeitungswege, Plug-ins oder Kanalverzögerungen können das Summensignal beeinflussen. Wenn der Tiefton beim Hinzumischen der zweiten Kapsel plötzlich dünner wird, sollte zunächst die Polarität kontrolliert werden. In einem Digitalmischpult kann außerdem eine sehr feine Kanalverzögerung helfen, beide Signale noch genauer aufeinander abzustimmen.
Diese Kontrolle ist keine Besonderheit des DTP 640 REX, sondern gehört für mich generell zu einer sorgfältigen Mehrkanalabnahme.
Hohe Pegelfestigkeit für Kickdrum und Bassverstärker
Die Kondensatorkapsel ist laut Hersteller für einen maximalen Schalldruckpegel von 150 dB SPL bei deaktivierter Vordämpfung ausgelegt. Zusätzlich stehen Pad-Einstellungen mit −10 und −20 dB zur Verfügung.
Damit bietet das Mikrofon auf dem Papier reichlich Reserven für laute Bassdrums, Bassverstärker und andere pegelfeste Anwendungen. Ich würde die Vordämpfung zunächst auf 0 dB belassen und nur dann aktivieren, wenn der Eingang trotz geringer Vorverstärkung übersteuert oder deutliche Verzerrungen auftreten.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer Übersteuerung der Mikrofonkapsel und einem übersteuerten Mischpulteingang. Das Pad am Mikrofon reduziert den Pegel vor dem Vorverstärker und kann deshalb helfen, wenn der Preamp selbst bei niedrigem Gain zu viel Signal erhält.
Lewitt DTP 640 REX im Live-Einsatz
Auf der Bühne kann das Doppelkapselprinzip seine Vorteile besonders deutlich ausspielen. Der FOH-Techniker erhält zwei Signale, deren Verhältnis während des Konzerts angepasst werden kann. Verändert sich beispielsweise die Wirkung des Tieftons durch ein voll besetztes Publikum, lässt sich der Kondensatoranteil reduzieren, ohne den definierten Attack der Bassdrum zu verlieren.
Die Nierencharakteristik unterstützt dabei die Trennung von benachbarten Instrumenten. Eine vollständige Isolation von Snare, Toms oder Bühnenmonitoren ist natürlich nicht zu erwarten, dennoch ist die gerichtete Aufnahme für den Live-Betrieb sinnvoll. Das Mikrofon wurde ausdrücklich für Kickdrum, Toms, Perkussion und Bassinstrumente konzipiert.
Für mich überwiegt im Live-Betrieb die Flexibilität. Dem stehen allerdings ein zusätzlicher Mischpultkanal und der etwas höhere Verkabelungsaufwand gegenüber. Bei kleinen Analogpulten mit wenigen Eingängen kann dies entscheidend sein. An einem modernen Digitalpult mit ausreichend Kanälen fällt dieser Nachteil dagegen kaum ins Gewicht.
Einsatz im Recording-Studio
Im Studio würde ich beide Kapseln grundsätzlich auf getrennten Spuren aufnehmen. Selbst wenn während der Aufnahme bereits ein überzeugendes Mischungsverhältnis gefunden wurde, bleibt dadurch die Möglichkeit erhalten, den Charakter der Bassdrum später an das Arrangement anzupassen.
In einer ruhigen Strophe kann beispielsweise mehr Kondensatoranteil für Volumen sorgen, während in einem dichten Refrain die dynamische Kapsel stärker in den Vordergrund rückt. Automationen lassen sich mit zwei getrennten Spuren wesentlich präziser realisieren als mit einem bereits zusammengemischten Monosignal.
Das Eigenrauschen der Kondensatorkapsel liegt laut Datenblatt bei 28 dB(A). Für eine laute Bassdrum oder einen Bassverstärker ist dieser Wert für mich wenig kritisch. Für sehr leise akustische Instrumente oder dezente Raumaufnahmen wäre das DTP 640 REX jedoch nicht meine erste Wahl. Das Mikrofon ist klar auf laute, bassbetonte Schallquellen spezialisiert.
Weitere Einsatzmöglichkeiten
Obwohl die Bassdrum das wichtigste Einsatzgebiet ist, lässt sich das Lewitt DTP 640 REX auch für andere tieffrequente Quellen verwenden.
Bassverstärker
Vor einem Basslautsprecher kann die dynamische Kapsel für Kontur und Impuls sorgen, während die Kondensatorseite das tiefe Fundament ergänzt. Ich würde das Mikrofon zunächst leicht außerhalb der Lautsprechermitte platzieren, da eine direkte Position vor der Staubschutzkalotte je nach Box sehr aggressiv klingen kann.
Stand- und tiefe Tom
Auch an einer großen Standtom kann das Doppelkapselprinzip interessant sein. Allerdings ist das Mikrofon relativ groß und schwer. Deshalb muss geprüft werden, ob ausreichend Platz zwischen Trommeln, Becken und Stativen vorhanden ist.
Perkussionsinstrumente
Tiefe Perkussionsinstrumente können von der Kombination aus Attack und Bassanteil profitieren. Für filigrane, leise Perkussion würde ich dagegen ein leichteres und empfindlicheres Kleinmembran-Kondensatormikrofon bevorzugen.
Doppelkapselmikrofon oder zwei einzelne Mikrofone?
Gegenüber zwei separat aufgestellten Mikrofonen bietet das DTP 640 REX einen reproduzierbareren Aufbau. Die Abstände der Kapseln bleiben konstant, es wird nur ein Stativ benötigt und beide Wandler lassen sich gemeinsam positionieren.
Zwei Einzelmikrofone ermöglichen dagegen eine unabhängigere Platzierung. Ein Mikrofon kann tief in der Bassdrum nahe am Beater stehen, während das zweite vor dem Resonanzfell positioniert wird. Damit lassen sich sehr unterschiedliche Klanganteile erfassen, allerdings steigt auch die Gefahr von Laufzeit- und Phasenproblemen.
Ich sehe das Lewitt deshalb als guten Mittelweg. Es liefert mehr Flexibilität als ein klassisches Einkapselmikrofon, bleibt jedoch kompakter und leichter reproduzierbar als ein vollständig getrenntes Zwei-Mikrofon-Setup.
Stärken des Lewitt DTP 640 REX
Mich überzeugt vor allem die konsequente Umsetzung des Doppelkapselkonzepts. Beide Signale stehen separat zur Verfügung und können individuell verstärkt, gefiltert, komprimiert und gemischt werden. Die EFR-Schaltungen erleichtern zudem den schnellen Wechsel zwischen einer neutraleren und einer stärker vorgeformten Bassdrum-Abstimmung.
Auch das robuste Metallgehäuse, die versenkten Schalter und die hohe Pegelfestigkeit passen zum professionellen Live-Einsatz. Besonders an digitalen Mischpulten mit ausreichend Eingängen kann das Mikrofon seine Flexibilität vollständig ausspielen.
Schwächen und mögliche Einschränkungen
Der größte Nachteil ist der Bedarf an zwei Mikrofonkanälen. Wer nur einen Eingang zur Verfügung hat, kann zwar eine einzelne Kapsel verwenden, schöpft das Konzept dann jedoch nicht aus.
Hinzu kommen das hohe Gewicht und die Abhängigkeit vom speziellen Y-Kabel. Außerdem lässt sich die Position der beiden Kapseln nicht unabhängig voneinander verändern. Anwender, die bewusst ein Mikrofon am Beater und ein zweites weit vor dem Resonanzfell einsetzen möchten, bleiben mit zwei Einzelmikrofonen flexibler.
Ich sehe das DTP 640 REX daher nicht als einfache Lösung für jedes Setup. Es richtet sich eher an Anwender, die den zusätzlichen Kanalaufwand bewusst in Kauf nehmen und die beiden Signale aktiv gestalten möchten.
Für wen eignet sich das Lewitt DTP 640 REX?
Das Mikrofon eignet sich besonders für FOH-Techniker, Tonstudios, anspruchsvolle Bands und Verleiher, die einen reproduzierbaren und dennoch flexibel formbaren Bassdrum-Sound benötigen.
Auch für Produktionen mit häufig wechselnden Musikstilen ist das Konzept interessant. Der Sound kann über das Verhältnis der beiden Kapseln und die drei EFR-Einstellungen vergleichsweise schnell zwischen natürlich, attackreich und stark druckbetont angepasst werden.
Für sehr kleine Mischpulte, einfache Homerecording-Interfaces mit nur einem Mikrofoneingang oder Anwender, die möglichst wenig Verkabelung wünschen, ist ein gewöhnliches Einkapsel-Bassdrummikrofon möglicherweise die praktischere Wahl.
Fazit zum Lewitt DTP 640 REX Test
Das Lewitt DTP 640 REX ist kein gewöhnliches Kickdrum-Mikrofon. Die Kombination aus dynamischer und Kondensatorkapsel ermöglicht eine flexible Klanggestaltung, ohne zwei separate Mikrofone positionieren zu müssen. Beide Signale werden getrennt ausgegeben und können deshalb am Mischpult oder in der DAW individuell bearbeitet werden.
In meiner Bewertung ist genau diese Mischung aus kompakter Bauweise und klanglicher Kontrolle die größte Stärke. Der neutrale FFR-Modus bietet eine gute Grundlage für eine individuelle Bearbeitung, während Dynamic EFR und Dual EFR schnell zu einem stärker vorgeformten, modernen Bassdrum-Sound führen.
Der zusätzliche Kanalbedarf, das hohe Gewicht und das spezielle Anschlusskabel sollten jedoch berücksichtigt werden. Wer lediglich einen unkomplizierten Kickdrum-Kanal benötigt, wird das Potenzial des Mikrofons möglicherweise nicht vollständig nutzen. Wer dagegen gern mit Attack, Tiefbass und unterschiedlichen Signalanteilen arbeitet, erhält ein ungewöhnlich vielseitiges Werkzeug für Bühne und Studio.
Damit fällt das Ergebnis des Lewitt DTP 640 REX Tests klar positiv aus: Das Mikrofon ist eine durchdachte Speziallösung für professionelle Bassdrum-, Bass- und Perkussionsabnahmen, bei denen Flexibilität wichtiger ist als ein möglichst minimalistischer Aufbau.
Herstellerlink: https://www.lewitt-audio.com/de/mikrofone/dtp-percussion/dtp-640-rex
FAQ zum Lewitt DTP 640 REX
Was ist das Besondere am Lewitt DTP 640 REX?
Das Mikrofon besitzt zwei Kapseln in einem Gehäuse. Eine dynamische Kapsel und eine Kondensatorkapsel liefern getrennte Signale, die auf zwei Mischpult- oder Interface-Kanälen individuell bearbeitet und gemischt werden können.
Benötigt das Lewitt DTP 640 REX zwei Mikrofonkanäle?
Für die vollständige Nutzung beider Kapseln werden zwei Mikrofoneingänge benötigt. Über das mitgelieferte Y-Kabel wird das 5-polige Ausgangssignal des Mikrofons auf zwei gewöhnliche 3-polige XLR-Stecker verteilt.
Braucht das DTP 640 REX Phantomspeisung?
Die Kondensatorkapsel benötigt eine 48-Volt-Phantomspeisung. Die dynamische Kapsel kann ohne Phantomspeisung betrieben werden.
Was bewirken die drei EFR-Einstellungen?
Im FFR-Modus arbeiten beide Kapseln neutral. Dynamic EFR hebt den Attack-Bereich der dynamischen Kapsel hervor. Dual EFR betont zusätzlich den Bassbereich der Kondensatorkapsel.
Kann das Mikrofon auch live verwendet werden?
Ja. Das robuste Gehäuse, die Nierencharakteristik, die versenkten Schalter und die hohe Pegelfestigkeit sind auf den Bühnenbetrieb ausgelegt. Allerdings werden für beide Kapseln zwei Mischpultkanäle benötigt.
Eignet sich das Lewitt DTP 640 REX auch für Bassverstärker?
Ja. Lewitt nennt neben Kickdrum, Toms und Perkussion auch Bassinstrumente als vorgesehenen Anwendungsbereich. Durch das Mischungsverhältnis der beiden Kapseln lassen sich Kontur und Tieftonfundament getrennt dosieren.
Muss beim Mischen der Kapseln auf die Phase geachtet werden?
Die Kapseln sind laut Hersteller phasenausgerichtet. Trotzdem ist es sinnvoll, beim Soundcheck die Polarität zu kontrollieren, besonders wenn beide Kanäle unterschiedlich bearbeitet oder über verschiedene Signalwege geführt werden.




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