Mikrofonvergleich: Shure SM57 vs. beyerdynamic M 201

Das Shure SM57 und beyerdynamic M 201 gehören zu jener Kategorie dynamischer Mikrofone, die auf den ersten Blick einen sehr ähnlichen Job erledigen können. Beide benötigen keine Phantomspeisung, vertragen hohe Pegel und werden bevorzugt dort eingesetzt, wo ein Instrument direkt, kontrolliert und ohne unnötige Nebengeräusche eingefangen werden soll. In der Praxis unterscheiden sie sich allerdings deutlicher, als es das grundsätzliche Konzept vermuten lässt.

Das gilt auch für den Preis. Das Shure SM57 liegt aktuell bei rund 109 Euro, während für das beyerdynamic M 201 TG etwa 249 Euro aufgerufen werden. Damit kostet das M 201 mehr als doppelt so viel. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welches Mikrofon grundsätzlich „besser“ klingt, sondern ob die präzisere Arbeitsweise des M 201 den erheblichen Aufpreis rechtfertigt. Gerade auf kleinen Bühnen und im Proberaum zeigt sich schnell, dass beide Mikrofone unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein gutes Arbeitsmikrofon ausmacht.

Zwei dynamische Mikrofone mit unterschiedlichem Ansatz

Technisch arbeiten beide Mikrofone nach dem dynamischen Tauchspulenprinzip. Der Schalldruck bewegt eine Membran und die damit verbundene Spule innerhalb eines Magnetfeldes. Die entstehende elektrische Spannung wird unmittelbar an den Mikrofonausgang weitergegeben. Eine aktive Elektronik ist nicht notwendig. Das macht beide Mikrofone unkompliziert in der Signalkette: Mikrofon, Kabel, Vorverstärker – mehr braucht es zunächst nicht.

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Das SM57 arbeitet mit Nierencharakteristik und besitzt den charakteristischen, relativ kompakten Mikrofonkorb. Seine Konstruktion ist seit Jahrzehnten nahezu ein Synonym für unkomplizierte Instrumentenabnahme. Das M 201 setzt dagegen auf eine Hypernierencharakteristik. Dadurch nimmt es seitlich eintreffenden Schall stärker zurück, besitzt dafür aber eine ausgeprägtere rückwärtige Empfindlichkeit.

Das ist in der Praxis relevant. Die Hyperniere des M 201 kann auf einer engen Bühne eine sehr gute Trennung ermöglichen, verlangt aber eine bewusstere Positionierung. Ein Monitor oder eine laute Schallquelle hinter dem Mikrofon sollte nicht einfach dort stehen, wo sie bei einer klassischen Niere stehen würde. Das SM57 ist in dieser Hinsicht etwas unkomplizierter. Beim M 201 lohnt es sich stärker, die Richtcharakteristik als Bestandteil des gesamten Bühnenaufbaus zu betrachten.

SM57: Klang mit eigener Handschrift

Das SM57 ist kein neutrales Messinstrument. Seine Stärke liegt gerade darin, dass es einem Signal eine gewisse Kontur mitgibt. Der Grundcharakter wirkt in den unteren Mitten kompakt, während der Präsenzbereich dafür sorgt, dass sich Transienten und Anschlagsgeräusche gut durchsetzen können. (zum Testbericht des Shure SM57 Mikrofon)

An einer Snare ist genau das häufig erwünscht. Der Stockanschlag erhält Kontur, während der eigentliche Trommelkörper ausreichend Gewicht behält. Gleichzeitig kann das SM57 bei ungünstiger Positionierung durchaus hart werden. Zeigt die Kapsel zu stark auf einen Bereich des Fells, in dem ohnehin viel Attack entsteht, kann sich der Präsenzcharakter unangenehm bemerkbar machen.

Ähnliches gilt für Gitarrenlautsprecher. Das Mikrofon formt das Signal bereits bei der Aufnahme. Kleine Veränderungen zwischen Kalotte und Rand des Lautsprechers wirken sich deutlich aus, gleichzeitig bleibt die grundlegende Handschrift des SM57 erhalten. Dadurch besitzt es fast Eigenschaften eines klangformenden Werkzeugs. Man setzt es nicht ausschließlich ein, um eine Quelle möglichst unverändert abzubilden, sondern häufig gerade deshalb, weil seine Interpretation der Quelle funktioniert.


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Shure SM57-LCE

M 201: Mehr Information, weniger Eigenwillen

Das beyerdynamic M 201 verfolgt klanglich einen anderen Ansatz. Es wirkt über weite Bereiche ausgeglichener und bildet Transienten ausgesprochen sauber ab. Gerade bei perkussiven Signalen entsteht dadurch ein präziser Eindruck, ohne dass der obere Frequenzbereich künstlich in den Vordergrund rückt. (zum Testbericht des Beyerdynamic M201)

An der Snare bedeutet das, dass mehr vom tatsächlichen Verhältnis aus Fell, Teppich, Kessel und Anschlag erhalten bleibt. Das kann im Mix zunächst unspektakulärer erscheinen, eröffnet aber mehr Möglichkeiten bei der späteren Bearbeitung. Wo das SM57 bereits eine klangliche Richtung vorgibt, liefert das M 201 eher das Material, aus dem diese Richtung anschließend entwickelt werden kann.

Diese Eigenschaft macht sich auch bei Gitarrenverstärkern bemerkbar. Unterschiede zwischen Lautsprecherpositionen werden sehr deutlich übertragen. Das ist ein Vorteil, erhöht aber gleichzeitig die Verantwortung beim Aufstellen. Ein Mikrofon, das genauer zeigt, was vor ihm passiert, zeigt eben auch genauer, wenn die Position nicht stimmt.

Das M 201 ist deshalb nicht automatisch leichter zu kontrollieren. Klanglich reagiert es nachvollziehbar, räumlich verlangt die Hyperniere jedoch etwas mehr Aufmerksamkeit. Hat man Position und Winkel gefunden, ist das Ergebnis ausgesprochen stabil.


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beyerdynamic M 201 Dynamisches Mikrofon

Snare und Schlagzeug in der Praxis

Auf kleinen Bühnen entscheidet bei der Snare nicht nur der Klang der Trommel. Hi-Hat, Becken, Monitorwege und andere Instrumente treffen ebenfalls auf das Mikrofon. Genau hier unterscheiden sich die beiden Konzepte besonders deutlich.

Das SM57 verhält sich gutmütig. Es lässt sich schnell platzieren und liefert bereits mit einer vernünftigen Standardposition ein brauchbares Signal. In einem hektischen Aufbau ist das ein erheblicher Vorteil. Selbst wenn die Position nicht millimetergenau gewählt wurde, bleibt das Ergebnis meistens gut verwertbar.

Das M 201 belohnt dagegen eine sorgfältigere Ausrichtung. Durch seine Hyperniere lässt sich beispielsweise die Hi-Hat gezielter aus dem Aufnahmebereich herausdrehen. Bei dicht aufgebauten Drumsets kann diese zusätzliche Trennung im Mix wertvoller sein als ein spektakulärer Einzelklang.

Dafür muss die Position stimmen. Wird das Mikrofon nur nach optischen Gesichtspunkten an den Snare-Rand gesetzt, nutzt man einen wesentlichen Teil seines Potenzials nicht. Das M 201 ist damit eher ein Werkzeug für bewusstes Mikrofonieren, während das SM57 auch dann funktioniert, wenn beim Umbau zwischen zwei Bands nur wenige Minuten bleiben.

Gitarrenverstärker und laute Quellen

Vor einem Gitarrenlautsprecher zeigen beide Mikrofone ihre hohe Pegelfestigkeit. In der Praxis ist nicht der Schalldruck die Herausforderung, sondern die Frage, wie stark das Mikrofon selbst in den Klang eingreifen soll.

Das SM57 verdichtet den Eindruck eines Gitarrenlautsprechers auf eine sehr vertraute Weise. Der Präsenzbereich unterstützt die Durchsetzungsfähigkeit und kann gerade bei stark verzerrten Sounds helfen, Konturen zu erhalten. Gleichzeitig können aggressive Verstärkersounds dadurch zusätzlich an Schärfe gewinnen. Die Positionierung bleibt deshalb ein wichtiger Teil der Klanggestaltung.

Beim M 201 fällt die Beurteilung des Lautsprechers leichter. Veränderungen der Mikrofonposition sind klar nachvollziehbar. Wandert die Kapsel von der Mitte nach außen, lässt sich die Veränderung von Präsenz und Wärme sehr kontrolliert verfolgen. Das Mikrofon selbst tritt dabei stärker in den Hintergrund.

Im Studio ist das ein erheblicher Vorteil, wenn der Klang bereits am Verstärker festgelegt wurde und möglichst präzise aufgenommen werden soll. Live kann dagegen die unmittelbar verwertbare Klangformung des SM57 attraktiv sein. Weniger Neutralität muss im praktischen Einsatz keineswegs ein Nachteil sein.

Übersprechen und kleine Bühnen

Gerade auf kleinen Bühnen entscheidet die Richtcharakteristik häufig stärker über die Qualität eines Mikrofons als der isolierte Frequenzgang. Gitarrenverstärker stehen nahe am Schlagzeug, Monitore befinden sich unmittelbar neben Mikrofonen und die akustische Trennung zwischen einzelnen Quellen ist begrenzt.

Das SM57 reagiert hier vorhersehbar. Seine Niere lässt sich schnell in den Bühnenaufbau integrieren und stellt keine ungewöhnlichen Anforderungen an die Positionierung. Das macht die Arbeit unkompliziert.

Das M 201 kann mit seiner Hyperniere eine stärkere seitliche Isolation erreichen. Richtig eingesetzt lässt sich dadurch ein saubereres Einzelsignal erzielen. Allerdings darf man die rückwärtige Empfindlichkeit nicht ignorieren. Die Position eines Monitors oder Gitarrenverstärkers hinter dem Mikrofon kann darüber entscheiden, ob die stärkere Richtwirkung tatsächlich einen Vorteil bringt.

Damit ist das M 201 kontrollierter, aber nicht zwingend einfacher zu kontrollieren. Das SM57 verzeiht mehr. Das M 201 bietet mehr Möglichkeiten, verlangt dafür aber ein genaueres Verständnis der Umgebung.

Vorverstärker und Gain

Beide Mikrofone liefern als passive dynamische Konstruktionen vergleichsweise geringe Ausgangspegel. Bei Snare, Gitarrenverstärker oder anderen lauten Instrumenten ist das kaum relevant. Der Vorverstärker muss hier keine extremen Verstärkungsreserven bereitstellen.

Anders sieht es bei leiseren Quellen aus. Dann wird die Qualität des Preamps wichtiger, weil mehr Gain benötigt wird und damit auch dessen Eigenrauschen stärker ins Gewicht fällt. Das ist keine Besonderheit dieser beiden Modelle, sondern eine grundsätzliche Eigenschaft passiver dynamischer Mikrofone.

In typischen Live-Anwendungen arbeiten sowohl SM57 als auch M 201 problemlos mit den Mikrofonvorverstärkern moderner Mischpulte und Audio-Interfaces zusammen. Der wesentliche Unterschied entsteht weniger in der elektrischen Signalkette als vor der Kapsel: Position, Winkel und akustische Umgebung entscheiden stärker über das Ergebnis als zusätzliche Technik hinter dem Mikrofon.

Werkzeug oder Spezialist?

Das SM57 ist eindeutig ein Werkzeug. Seine Stärke besteht darin, unter sehr unterschiedlichen Bedingungen schnell ein funktionierendes Signal zu liefern. Es ist mechanisch robust, klanglich berechenbar und benötigt wenig Aufmerksamkeit im laufenden Betrieb. Gleichzeitig besitzt es genügend Eigencharakter, um den aufgenommenen Klang bereits in eine bestimmte Richtung zu formen.

Das M 201 bewegt sich zwischen Werkzeug und Spezialist. Es ist keineswegs auf wenige Anwendungen beschränkt, verlangt aber einen bewussteren Umgang mit Positionierung und Richtwirkung. Dafür erhält man ein differenzierteres Signal und kann Übersprechen gezielter kontrollieren.

Im Studio gewinnt diese Eigenschaft zusätzlich an Bedeutung. Dort steht meist mehr Zeit für die Positionierung zur Verfügung, und eine möglichst saubere Ausgangsbasis ist häufig wichtiger als ein Mikrofon, das bereits eine bestimmte Klangästhetik vorgibt. Auf einer kleinen Bühne kann dagegen gerade die unkomplizierte Berechenbarkeit des SM57 den entscheidenden praktischen Vorteil darstellen.

Fazit: Shure SM57 oder beyerdynamic M 201?

Der Vergleich zwischen Shure SM57 und beyerdynamic M 201 endet nicht mit einem eindeutigen Sieger. Dafür unterscheiden sich ihre Arbeitsweisen zu deutlich. Das SM57 kostet rund 109 Euro und ist vor allem ein extrem pragmatisches Werkzeug. Es lässt sich schnell positionieren, verhält sich auf engen Bühnen berechenbar und liefert einen charaktervollen Klang, der bei Snare und Gitarrenverstärkern häufig bereits ohne große Nachbearbeitung funktioniert.

Das beyerdynamic M 201 kostet etwa 249 Euro und muss seinen erheblichen Aufpreis mit mehr Präzision rechtfertigen. Genau das gelingt ihm. Es zeichnet differenzierter, reagiert sehr nachvollziehbar auf Positionsänderungen und bietet mit seiner Hyperniere zusätzliche Möglichkeiten zur akustischen Trennung. Diese Vorteile bekommt man allerdings nicht kostenlos: Die Aufstellung verlangt mehr Aufmerksamkeit, insbesondere im Verhältnis zu Monitoren und anderen Schallquellen.

Wer ein Mikrofon benötigt, das im Proberaum, auf der Bühne und im Studio ohne langes Nachdenken funktioniert, findet im SM57 ein ausgesprochen effizientes Werkzeug. Wer Mikrofonpositionen bewusst als Teil der Klanggestaltung nutzt und größeren Wert auf Auflösung, kontrolliertes Übersprechen und eine weniger ausgeprägte klangliche Eigenfärbung legt, bekommt mit dem M 201 ein präziseres Arbeitsmittel.

Der Preisunterschied von rund 140 Euro ist deshalb nicht einfach als Aufpreis für „besseren Klang“ zu verstehen. Beim M 201 bezahlt man vor allem für mehr Kontrolle und Differenzierung. Das SM57 punktet dagegen mit Geschwindigkeit, Robustheit und einer klanglichen Handschrift, die in vielen Produktionen gerade deshalb funktioniert, weil sie nicht vollkommen neutral ist.

Pro

Shure SM57

  • unkomplizierte und schnelle Positionierung
  • charaktervoller, durchsetzungsfähiger Klang
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

beyerdynamic M 201

  • präzise, differenzierte Abbildung
  • sehr gute Kontrolle von seitlichem Übersprechen
  • hervorragend nachvollziehbare Reaktion auf Positionsänderungen

Contra

Shure SM57

  • Präsenzbereich kann bei ungünstiger Positionierung hart wirken
  • weniger differenzierte Abbildung komplexer Transienten

beyerdynamic M 201

  • deutlich höherer Preis
  • Hyperniere verlangt sorgfältigere Positionierung

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