Bei größeren Live-Veranstaltungen arbeiten häufig mehrere Mischpulte gleichzeitig. Während der FOH-Techniker den Sound für das Publikum mischt, kümmert sich ein separater Monitortechniker um die Bühnenmonitore und In-Ear-Systeme. Zusätzlich sollen die einzelnen Instrumente und Gesangsstimmen vielleicht noch für eine spätere Live-Aufnahme aufgezeichnet werden. Doch wie gelangt das Signal eines einzigen Mikrofons gleichzeitig an mehrere Mischpulte? Hier kommt der Mikrofonsplitter ins Spiel.
Mikrofonsplitter ermöglichen es, ein Eingangssignal auf mehrere unabhängige Signalwege zu verteilen. Dabei stehen sowohl analoge Lösungen mit Übertragern als auch digitale Systeme zur Verfügung. Allerdings unterscheiden sich diese Konzepte erheblich, insbesondere bei der Phantomspeisung, der Vorverstärkung und der galvanischen Trennung. In diesem Tutorial erklären wir, wie analoge und digitale Mikrofonsplitter funktionieren, worauf es beim Gain-Sharing ankommt und wie sich ein zuverlässiges Setup für FOH, Monitoring und Recording einrichten lässt.
Kurzinfo auf einen Blick
Ein Mikrofonsplitter verteilt ein Mikrofonsignal gleichzeitig an FOH, Monitorpult und Recording. Bei analogen Splittern verhindert ein Übertrager am isolierten Ausgang Brummschleifen; Phantomspeisung läuft bei üblichen Modellen über den Direct Out. Digitales Splitting spart Kabel, teilt aber oft denselben Vorverstärker. Klare Gain-Zuständigkeiten und korrektes Routing sind entscheidend.
Was ist ein Mikrofonsplitter?
Ein Mikrofonsplitter ist ein Gerät zur Verteilung eines einzelnen Mikrofonsignals auf zwei oder mehr Ausgänge. Die angeschlossenen Mischpulte erhalten dadurch jeweils ein eigenes Signal, aus dem sie unabhängig voneinander ihre Mischungen erstellen können.
Das ist besonders im professionellen Live-Betrieb wichtig, weil FOH und Monitoring unterschiedliche Anforderungen stellen. Während das Publikum einen möglichst ausgewogenen Gesamtmix hören soll, benötigen Musiker individuelle Monitormischungen. Der Sänger möchte beispielsweise seine Stimme deutlich im Vordergrund hören, während der Schlagzeuger vor allem Bass, Gesang und gegebenenfalls einen Klick benötigt.
Für diese Aufgaben ist es sinnvoll, zwei vollständig getrennte Mischungen zu erstellen. Welche Aufgaben der Mischplatz im Zuschauerraum übernimmt, erklären wir ausführlich in unserem Grundlagenartikel Was bedeutet FOH? Front of House erklärt.
Ohne Splitter müsste man die Mikrofone entweder mehrfach abnehmen oder Signale aus einem Mischpult an das andere weiterleiten. Letzteres ist zwar grundsätzlich möglich, schafft aber je nach Konfiguration Abhängigkeiten zwischen den beiden Arbeitsplätzen. Ein eigenständiger Mikrofonsplit ermöglicht dagegen eine direkte Verteilung der Eingangssignale.
Wann brauche ich einen Mikrofonsplitter?
Ein klassisches Einsatzgebiet sind Konzerte mit getrenntem FOH- und Monitorpult. Die Mikrofone werden zunächst auf der Bühne angeschlossen und anschließend über den Splitter an beide Mischpulte verteilt. Jedes Pult kann daraus seine eigene Mischung erstellen.
Ein weiterer Anwendungsfall ist das Recording. Soll ein Konzert als Mehrspuraufnahme aufgezeichnet werden, lässt sich das Mikrofonsignal zusätzlich an ein Aufnahmegerät beziehungsweise ein Recording-Interface mit geeigneten Mikrofoneingängen weiterleiten.
Auch bei Festivals werden Mikrofonsplitter eingesetzt. Beispielsweise kann eine Band ihre eigene Monitoring-Konsole verwenden, während die Beschallung des Publikums über das Mischpult des Veranstalters erfolgt. Beide Systeme greifen dann auf dieselben Mikrofone zu, ohne dass ihre Mischungen voneinander abhängig sein müssen.
Allerdings ist nicht jeder Mikrofonsplitter für sämtliche Anwendungen geeignet. Entscheidend ist unter anderem, ob die Ausgangssignale elektrisch voneinander getrennt sind und wie die Stromversorgung angeschlossener Mikrofone erfolgt.
Analoge Mikrofonsplitter: Wie funktioniert die Signalaufteilung?
Bei einem analogen Mikrofonsplitter wird das ursprüngliche Audiosignal noch vor der Digitalisierung auf mehrere Signalwege verteilt. Beide Mischpulte erhalten dadurch ein analoges Mikrofonsignal, das sie jeweils über ihre eigenen Vorverstärker bearbeiten können. Der wesentliche Vorteil liegt in der Unabhängigkeit der Vorverstärkung. Der FOH-Techniker kann sein Preamp-Gain einstellen, ohne damit direkt die Gain-Regelung des Monitorpults zu verändern. Beide Mischpulte arbeiten mit eigenen Eingangsstufen.
Allerdings ist die analoge Signalverteilung nicht ganz trivial. Werden mehrere Mikrofoneingänge einfach parallel miteinander verbunden, können sich deren Eingangsimpedanzen gegenseitig beeinflussen. Zusätzlich können Masseverbindungen zwischen verschiedenen Geräten Störgeräusche verursachen. Genau deshalb besitzen professionelle Mikrofonsplitter häufig Übertrager zur galvanischen Trennung.
Direct Out: Der direkte Ausgang
Viele analoge Mikrofonsplitter besitzen einen Ausgang mit der Bezeichnung Direct Out oder Direct. Dieser Ausgang ist normalerweise direkt mit dem Mikrofoneingang des Splitters verbunden. Er erhält somit das ursprüngliche Mikrofonsignal, ohne dass ein Trennübertrager im Signalweg liegt. Bei entsprechend konstruierten Splittern kann außerdem die 48-Volt-Phantomspeisung vom angeschlossenen Mischpult über den Direct Out zum Mikrofon gelangen.
In einem typischen Live-Setup wird der Direct Out deshalb mit demjenigen Mischpult verbunden, das für die Phantomspeisung verantwortlich sein soll. Das kann beispielsweise das FOH-Pult sein.
Transformer Split: Galvanisch getrennte Ausgänge
Ein zweiter Ausgang trägt häufig die Bezeichnung Isolated Out, ISO Out oder Transformer Out. Hier gelangt das Mikrofonsignal nicht über eine direkte elektrische Verbindung zum Ausgang, sondern über einen Audioübertrager. Ein Übertrager besteht vereinfacht aus zwei magnetisch gekoppelten Wicklungen. Das wechselnde Audiosignal wird über das Magnetfeld übertragen, während zwischen Primär- und Sekundärwicklung keine direkte leitende Verbindung besteht.
Diese galvanische Trennung verhindert, dass über den isolierten Signalweg unerwünschte Ausgleichsströme zwischen den angeschlossenen Geräten fließen. Gerade bei weit voneinander entfernten Mischpulten oder komplexen Stromverteilungen kann das störendes Brummen deutlich reduzieren.
Zudem blockiert der Übertrager die Gleichspannung der Phantomspeisung. Ein an den isolierten Ausgang angeschlossenes Mischpult kann deshalb bei üblichen trafogetrennten Splittern keine 48-Volt-Spannung zum Mikrofon übertragen.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Das FOH-Pult übernimmt beispielsweise die Phantomspeisung über den Direct Out, während das Monitorpult über einen galvanisch getrennten Ausgang sein eigenes Audiosignal erhält.
Warum nicht einfach ein XLR-Y-Kabel verwenden?
Technisch lassen sich symmetrische Mikrofonsignale auch über geeignete passive Parallelverbindungen auf zwei Eingänge aufteilen. Für einfache, überschaubare Anwendungen kann eine solche Lösung unter kontrollierten Bedingungen funktionieren.
Allerdings entstehen dadurch mehrere mögliche Probleme. Die Eingangsimpedanzen beider angeschlossenen Mischpulte belasten das Mikrofon gemeinsam. Bei ungünstigen Kombinationen kann dies Auswirkungen auf Pegel und Klang haben. Außerdem werden die Masseverbindungen der Geräte miteinander verbunden, wodurch Brummschleifen entstehen können.
Besonders problematisch kann es werden, wenn beide Mischpulte gleichzeitig Phantomspeisung bereitstellen. Dann sind die Phantomversorgungen miteinander verbunden, was je nach Ausgangsschaltung und Verkabelung zu unerwünschten Effekten führen kann.
Für ein professionelles Live-Setup mit mehreren Mischpulten ist deshalb ein dafür vorgesehener Mikrofonsplitter mit galvanischer Trennung die zuverlässigere Lösung.
Passive und aktive Mikrofonsplitter: Was ist der Unterschied?
Bei analogen Mikrofonsplittern unterscheidet man grundsätzlich zwischen passiven und aktiven Lösungen.
Ein passiver Splitter benötigt keine eigene Stromversorgung für die Signalverteilung. Er arbeitet mit einer direkten Signalverbindung und gegebenenfalls Übertragern für die isolierten Ausgänge. Das macht solche Systeme besonders unkompliziert. Ein passiver Splitter mit einem Direct Out und einem trafogetrennten Ausgang ist deshalb ein verbreitetes Konzept im Live-Betrieb.
Ein aktiver Mikrofonsplitter verwendet dagegen elektronische Schaltungen zur Signalverteilung. Dazu gehören je nach Konstruktion Pufferverstärker, Mikrofonvorverstärker oder aktive Ausgangsstufen. Durch diese Technik können die angeschlossenen Geräte besser voneinander entkoppelt werden. Allerdings benötigt der Splitter eine Stromversorgung, und die Eingangsstufe muss ausreichend Headroom für die angeschlossenen Signalquellen bereitstellen.
Passive Splitter sind besonders interessant, wenn zwei Mischpulte jeweils über eigene hochwertige Mikrofonvorverstärker verfügen. Bei aktiven Lösungen hängt die Unabhängigkeit der beiden Signalwege dagegen von der internen Architektur ab.
Entscheidend ist also nicht allein die Frage, ob ein Splitter aktiv oder passiv arbeitet. Vielmehr muss seine Konstruktion zum gewünschten Einsatz passen.
Phantomspeisung beim Mikrofonsplitter: Wer liefert die 48 Volt?
Die Phantomspeisung gehört zu den wichtigsten Punkten beim analogen Mikrofonsplitting. Viele Kondensatormikrofone und aktive DI-Boxen benötigen eine Versorgungsspannung, die normalerweise vom Mikrofonvorverstärker bereitgestellt wird.
Bei einem typischen passiven Mikrofonsplitter mit Direct Out und isoliertem Ausgang gelangt die Phantomspeisung ausschließlich über den dafür vorgesehenen direkten Signalweg zum Mikrofon. Der isolierte Ausgang überträgt dagegen lediglich das Audiosignal.
Daraus ergibt sich eine einfache Praxisregel: Bei einem herkömmlichen passiven Splitter sollte eindeutig festgelegt werden, welches Mischpult die Phantomspeisung übernimmt.
Wird beispielsweise das FOH-Pult mit dem Direct Out verbunden, erfolgt die Versorgung des Mikrofons von diesem Pult aus. Das Monitorpult erhält sein Signal über den isolierten Ausgang und sollte für diesen Kanal keine Phantomspannung aktivieren. Allerdings kann es einen organisatorischen Nachteil geben. Wird das FOH-Pult ausgeschaltet oder die Phantomspeisung deaktiviert, verliert das angeschlossene Mikrofon seine Versorgung. Dadurch kann das Signal auch auf dem Monitorpult ausfallen. Bei größeren Produktionen übernimmt deshalb teilweise das Monitorpult oder eine zentrale, dafür geeignete Phantomstromversorgung diese Aufgabe. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vom Aufbau des Systems und den verwendeten Splittern ab. Eine Ausnahme bilden spezielle Splitter mit integrierter oder externer Phantomstromversorgung. Hier muss das Gerät nicht zwingend über einen Mischpultausgang versorgt werden. Maßgeblich sind immer die technischen Vorgaben des Herstellers.
Die grundsätzliche Funktionsweise erklären wir ausführlich in unserem Tutorial 48 Volt Phantomspeisung erklärt: Wann brauche ich Phantom Power?.
Was passiert bei falsch eingestellter Phantomspannung?
Wird an einem isolierten Ausgang versehentlich Phantomspeisung aktiviert, gelangt diese bei einem ordnungsgemäß konstruierten trafogetrennten Splitter nicht bis zum Mikrofon. Trotzdem sollte die Phantomspannung an diesem Eingang deaktiviert bleiben, sofern der Hersteller keine andere Konfiguration vorsieht. Bei einfachen parallelen Splits sieht die Situation anders aus. Hier können die Phantomversorgungen beider Mischpulte miteinander verbunden sein. Deshalb ist diese Betriebsart besonders sorgfältig zu planen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit verdienen passive Bändchenmikrofone und ungewöhnliche Anschluss- oder Patchkonfigurationen. Für empfindliche Mikrofone sollte grundsätzlich nur die ausdrücklich vorgesehene Versorgung verwendet werden.
Mikrofonsplitter und DI-Box: Wo liegt der Unterschied?
Mikrofonsplitter und DI-Boxen werden häufig im gleichen Zusammenhang genannt, übernehmen aber unterschiedliche Aufgaben.
Eine DI-Box dient in erster Linie dazu, ein Instrumenten- oder Line-Signal an einen symmetrischen Mikrofoneingang anzupassen. Viele Modelle wandeln außerdem ein unsymmetrisches Signal in ein symmetrisches Signal um und können eine galvanische Trennung bereitstellen. Ein Mikrofonsplitter verteilt dagegen ein bereits vorhandenes Mikrofonsignal auf mehrere Ausgänge. Zwar besitzen viele DI-Boxen einen Thru-Ausgang, über den das ursprüngliche Instrumentensignal beispielsweise an einen Verstärker weitergeleitet werden kann. Dieser Anschluss ist jedoch nicht mit einem professionellen Mikrofonsplit für mehrere Mischpulte gleichzusetzen.
In der Praxis werden beide Geräte häufig kombiniert. Das Signal eines E-Basses gelangt zunächst in eine DI-Box. Deren symmetrischer Ausgang wird anschließend mit dem Mikrofonsplitter verbunden, der das Signal an FOH und Monitoring verteilt.
Mehr über die Funktionen und die Auswahl geeigneter Modelle erklären wir im Beitrag Wofür brauche ich eine DI-Box?.
Digitales Mikrofonsplitting: Eine Stagebox für mehrere Mischpulte
Neben analogen Mikrofonsplittern haben sich in der modernen Veranstaltungstechnik digitale Lösungen etabliert. Hier werden die Mikrofonsignale zunächst in einer digitalen Stagebox vorverstärkt und digitalisiert. Anschließend können die digitalen Audiodaten an mehrere kompatible Empfänger verteilt werden.
Der Unterschied zum analogen Splitting ist erheblich: Bei einem digitalen Split wird ein Signal normalerweise erst nach dem gemeinsamen Mikrofonvorverstärker und dem A/D-Wandler aufgeteilt. Dadurch erhalten zwar beide Mischpulte dieselben Audiodaten, sie besitzen aber nicht zwangsläufig eine voneinander unabhängige analoge Vorverstärkung. Verändert ein Techniker das analoge Gain der Stagebox, kann sich deshalb der Eingangspegel an beiden Mischpulten ändern.
Das digitale Mikrofonsplitting hat dennoch erhebliche Vorteile. Anstelle eines umfangreichen analogen Multicores können je nach System geeignete digitale Verbindungen genutzt werden. Außerdem lassen sich viele Signale flexibel verteilen, ohne zusätzliche analoge Splitter für sämtliche Eingangskanäle einsetzen zu müssen.
Wie digitale Stageboxen grundsätzlich eingerichtet werden und welche Rolle Clock, Routing und Ausgangszuweisungen spielen, erklären wir in unserem Tutorial Digitale Stagebox einrichten: Routing, Clock, Gain und typische Fehler.
Digitales Splitting mit AES50
AES50 beziehungsweise darauf basierende Übertragungssysteme sind unter anderem bei verschiedenen Digitalmischpulten von Behringer und Midas verbreitet. Abhängig von den verwendeten Geräten können digitale Stageboxen und Mischpulte so miteinander verbunden werden, dass mehrere Konsolen auf dieselben Eingangssignale zugreifen. Allerdings muss die konkrete Hardware diese Betriebsart unterstützen. Nicht jede Stagebox mit zwei Netzwerkbuchsen erlaubt automatisch den parallelen Anschluss zweier unabhängiger Mischpulte. Auch identische RJ45-Anschlüsse bedeuten nicht zwangsläufig Kompatibilität.
Vor dem Aufbau sollte deshalb geprüft werden, welche Verbindungstopologie der Hersteller vorsieht, welches Gerät die Vorverstärker kontrolliert und wie sich die digitalen Signale auf beide Mischpulte verteilen lassen.
Digitales Splitting mit Dante
Bei Dante erfolgt die Übertragung digitaler Audiodaten über eine kompatible Audio-over-IP-Netzwerkinfrastruktur. Eine Dante-fähige Stagebox kann ihre Eingangskanäle als digitale Audiosignale im Netzwerk bereitstellen.
Anschließend können mehrere kompatible Empfangsgeräte diese Signale abonnieren. Beispielsweise erhält das FOH-Pult die 16 Mikrofonkanäle einer Band, während das Monitorpult dieselben Kanäle verwendet. Zusätzlich kann ein Recording-System auf die Signale zugreifen. Die Verteilung erfolgt über entsprechende Routing- beziehungsweise Subscription-Einstellungen. Bei Dante lassen sich dafür Unicast- und Multicast-Verbindungen nutzen. Welche Variante geeignet ist, hängt von der Anzahl der Empfänger, den unterstützten Audio-Flows und der Netzwerkkonfiguration ab.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass ein solches System eine gemeinsame digitale Infrastruktur verwendet. Clock-Synchronisation, Netzwerkstabilität und Routing müssen deshalb zuverlässig funktionieren.
Geteilte Mikrofonvorverstärker bleiben ein Thema
Ob AES50, Dante oder eine andere digitale Übertragungstechnologie verwendet wird: Die eigentliche Herausforderung liegt häufig in der gemeinsamen Nutzung der analogen Mikrofonvorverstärker. Zwei digital angebundene Mischpulte besitzen nicht automatisch die vollständige Unabhängigkeit eines analogen Splits mit getrennten Vorverstärkern. Genau an dieser Stelle kommen Gain-Sharing, digitaler Trim und Gain-Compensation ins Spiel.
Gain-Sharing erklärt: Wenn sich zwei Mischpulte einen Vorverstärker teilen
Beim Gain-Sharing greifen mehrere Mischpulte auf denselben analogen Mikrofonvorverstärker zu. Dieser befindet sich beispielsweise in einer gemeinsam genutzten digitalen Stagebox.
Das spart zusätzliche Hardware, führt aber zu einer wichtigen Einschränkung: Das analoge Gain ist eine gemeinsame Ressource. Nehmen wir an, der FOH-Techniker betreut eine Sängerin, deren Mikrofon über die Stagebox mit beiden Mischpulten verbunden ist. Der Monitortechniker hat bereits einen passenden In-Ear-Mix eingerichtet. Jetzt erhöht der FOH-Techniker das analoge Preamp-Gain um 6 dB. Ohne zusätzliche Kompensation steigt der Pegel des digitalisierten Mikrofonsignals entsprechend an beiden Mischpulten. Der Sänger könnte dadurch plötzlich deutlich lauter auf dem In-Ear-System zu hören sein, obwohl der Monitortechniker keinen Fader bewegt hat.
Das ist während einer laufenden Veranstaltung natürlich unerwünscht.
Preamp-Gain und digitaler Trim unterscheiden
Die wichtigste Grundlage für ein stabiles Gain-Sharing ist die Unterscheidung zwischen analogem Preamp-Gain und digitalem Trim.
Das Preamp-Gain verändert die Verstärkung des Mikrofonsignals vor der Digitalisierung. Wird diese Einstellung verändert, beeinflusst sie den Signalpegel am A/D-Wandler und damit den von mehreren Konsolen gemeinsam verwendeten digitalen Signalstrom. Der digitale Trim arbeitet dagegen nach der Digitalisierung. Er verändert den Pegel ausschließlich innerhalb des jeweiligen digitalen Signalwegs beziehungsweise an der dafür vorgesehenen Stelle im System. Der Monitortechniker kann somit seinen Eingangspegel mit digitalem Trim anpassen, ohne unmittelbar die analoge Vorverstärkung für das FOH-Pult zu verändern.
Wichtig ist allerdings, dass ein digitaler Trim keine bereits vorhandenen Verzerrungen am Mikrofonvorverstärker oder A/D-Wandler beseitigen kann. Ein übersteuerter analoger Eingang bleibt auch dann verzerrt, wenn das digitalisierte Signal anschließend abgesenkt wird.
Die Grundlagen für eine saubere Pegelstruktur erklären wir ausführlich in unserem Artikel Was versteht man unter Gain-Staging?.
Wer sollte das analoge Gain kontrollieren?
Bei gemeinsam genutzten Stageboxen sollte vor der Veranstaltung eindeutig festgelegt werden, welches Mischpult die analoge Vorverstärkung kontrolliert.
Eine mögliche Lösung besteht darin, dem Monitorpult die Preamp-Steuerung zuzuweisen. Das kann sinnvoll sein, weil stabile Eingangspegel für das Monitoring besonders wichtig sind. Das FOH-Pult arbeitet anschließend mit digitalem Trim. Allerdings ist auch die umgekehrte Konfiguration möglich. Entscheidend ist nicht, welches Mischpult grundsätzlich Vorrang erhält, sondern dass alle Beteiligten dieselbe Zuständigkeit vereinbaren. In professionellen Systemen lassen sich die Zugriffsrechte auf die Vorverstärker teilweise entsprechend konfigurieren. Dadurch wird verhindert, dass versehentliche Gain-Änderungen am zweiten Mischpult vorgenommen werden.
Gain-Compensation: Wie funktioniert die automatische Pegelkorrektur?
Einige professionelle Digitalmischpulte verfügen über Funktionen wie Gain-Compensation oder Gain-Tracking. Die genaue Bezeichnung und Arbeitsweise unterscheiden sich zwischen den Herstellern.
Das Ziel besteht darin, Pegeländerungen des gemeinsam verwendeten analogen Vorverstärkers digital auszugleichen. Wird beispielsweise das analoge Gain um 6 dB erhöht, kann das System an einer geeigneten digitalen Stelle eine entsprechende Pegelreduzierung vornehmen. Dadurch bleibt der Pegel für nachgeschaltete Signalwege möglichst konstant. Solche Funktionen sind beispielsweise aus verschiedenen digitalen Mischpultsystemen von Yamaha und Allen & Heath bekannt. Allerdings sind sie nicht bei jedem Gerät verfügbar und funktionieren nicht automatisch zwischen beliebigen Mischpulten unterschiedlicher Hersteller.
Warum Gain-Compensation nicht jedes Problem löst
Die automatische Kompensation kann Pegelsprünge in den digital verteilten Signalen reduzieren oder vermeiden. Allerdings ersetzt sie kein korrekt eingestelltes Preamp-Gain.
Wird der analoge Vorverstärker übersteuert, kann die nachfolgende digitale Gain-Compensation diese Verzerrung nicht rückgängig machen. Ebenso kann eine starke Absenkung des analogen Gains den Signal-Rausch-Abstand verschlechtern, selbst wenn das Signal digital wieder angehoben wird. Hinzu kommt, dass bestimmte Gain-Kompensationsverfahren nur dann zuverlässig arbeiten, wenn die Geräte entsprechend konfiguriert sind. Deshalb sollte vor einer Veranstaltung geprüft werden, ob die Funktion tatsächlich aktiv ist und auf welche Signalwege sie wirkt.
Für den Live-Betrieb lautet die wichtigste Regel weiterhin: Analoge Vorverstärker sorgfältig einpegeln, ausreichend Headroom vorsehen und während der Show möglichst keine unnötigen Gain-Änderungen vornehmen.
Praxisbeispiel: Mikrofonsplitter für eine 16-Kanal-Live-Band einrichten
Betrachten wir ein typisches Live-Setup mit zwei Mischpulten. Auf der Bühne steht eine Band mit Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren, Keyboard und mehreren Gesangsmikrofonen. Insgesamt werden 16 Eingangskanäle verwendet. Am FOH-Platz steht ein digitales Mischpult für die Publikumsbeschallung. Zusätzlich gibt es ein separates Monitorpult auf der Bühne, über das die individuellen Monitor- und In-Ear-Mischungen erstellt werden.
Wir betrachten zunächst eine analoge und anschließend eine digitale Lösung.
Variante 1: Analoger Mikrofonsplitter mit galvanischer Trennung
Für dieses Setup verwenden wir zwei analoge Achtkanal-Mikrofonsplitter, die jeweils einen Direct Out und einen galvanisch getrennten Ausgang pro Eingang bereitstellen. Die 16 Mikrofon- und DI-Signale werden zunächst an den Splittern angeschlossen. Ihre Direct Outs führen zum FOH-Pult, während die isolierten Ausgänge mit dem Monitorpult verbunden werden.
Der prinzipielle Signalweg sieht folgendermaßen aus:
Mikrofon → Mikrofonsplitter → Direct Out zum FOH-Pult / Isolated Out zum Monitorpult
Das FOH-Pult übernimmt in diesem Beispiel die Phantomspeisung für die benötigten Mikrofone. Das Monitorpult erhält seine Audiosignale ausschließlich über die trafogetrennten Ausgänge. Die Phantomspeisung bleibt dort deaktiviert. Anschließend werden die Eingangskanäle an beiden Mischpulten separat eingepegelt. Weil beide Konsolen über eigene Mikrofonvorverstärker verfügen, können FOH- und Monitortechniker ihre Gain-Einstellungen weitgehend unabhängig voneinander vornehmen.
Der Monitortechniker erstellt nun seine Bühnenmischungen, während am FOH-Pult der Publikumsmix eingerichtet wird. Wie man dafür geeignete Monitorwege aufbaut und einen übersichtlichen Bühnensound erreicht, zeigen wir in unserem Tutorial Bühnenmonitor richtig einstellen: So gelingt der Monitormix.
Besonders wichtig ist, dass die Phantomspeisung und die tatsächliche Kanalbelegung vor dem Soundcheck kontrolliert werden. Wird beispielsweise später ein Kondensatormikrofon umgesteckt, muss überprüft werden, über welchen Splitterausgang die Versorgung erfolgt.
Variante 2: Digitaler Split mit gemeinsamer Stagebox
Bei der digitalen Variante werden sämtliche Mikrofone an eine digitale Stagebox angeschlossen. Diese besitzt die erforderlichen Mikrofonvorverstärker und A/D-Wandler. Die 16 Eingangssignale werden anschließend über ein kompatibles digitales System an das FOH- und Monitorpult verteilt. Voraussetzung ist, dass die verwendete Hardware eine solche gemeinsame Nutzung unterstützt.
Der prinzipielle Signalweg lautet:
Mikrofon → Stagebox-Preamp → A/D-Wandler → digitale Signalverteilung → FOH- und Monitorpult
Anders als beim analogen Split verwenden beide Mischpulte nun dieselben analogen Vorverstärker. Deshalb wird vor dem Soundcheck zunächst festgelegt, welches Pult die Preamp-Steuerung übernimmt. In unserem Beispiel ist dies das Monitorpult. Dort werden die Eingangssignale mit ausreichend Headroom eingepegelt. Das FOH-Pult arbeitet dagegen mit den digitalen Trim-Funktionen seiner Eingangskanäle. Unterstützt das System Gain-Tracking beziehungsweise Gain-Compensation, werden die entsprechenden Funktionen nach Herstellervorgabe eingerichtet und überprüft.
Anschließend werden die digitalen Ausgangssignale der beiden Mischpulte ihren jeweiligen Lautsprecher- und Monitorwegen zugewiesen. Besonders bei digitalen Stageboxen muss dabei das Ausgangs-Routing berücksichtigt werden.
Analoger oder digitaler Mikrofonsplitter: Welche Lösung ist besser?
Beide Konzepte besitzen ihre Berechtigung. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede:
| Eigenschaft | Analoger Splitter mit Übertragern | Digitaler Split über Stagebox |
|---|---|---|
| Signalaufteilung | Vor dem Mikrofonvorverstärker | Normalerweise nach Preamp und A/D-Wandler |
| Gain-Einstellung | Separate Vorverstärker an den Pulten | Häufig gemeinsames analoges Gain |
| Phantomspeisung | Über vorgesehenen Direct-Pfad oder separate Versorgung | Über die Stagebox beziehungsweise deren Steuerung |
| Galvanische Trennung | Über Trennübertrager möglich | Hängt von der digitalen Schnittstelle und Hardware ab |
| Verkabelung | Mehrere analoge Leitungen | Digitale Audioverbindungen |
| Netzwerk und Clock | Keine Netzwerk-Clock erforderlich | Digitale Synchronisation und kompatibles Routing erforderlich |
| Recording | Weiterer Split-Ausgang oder separates Routing erforderlich | Weitere digitale Empfänger bei geeigneter Infrastruktur möglich |
Für Bands, die regelmäßig mit verschiedenen Veranstaltern zusammenarbeiten, kann ein eigenes analoges Splitter-Rack besonders interessant sein. Die Band behält dadurch ihre gewohnte Monitorverkabelung und kann dem örtlichen FOH-Techniker direkte Mikrofonsignale zur Verfügung stellen.
Digitale Lösungen bieten dagegen Vorteile bei komplexen Produktionen, bei denen viele Signale flexibel verteilt werden müssen. Sie setzen jedoch eine kompatible Systemarchitektur und eine zuverlässige digitale Infrastruktur voraus.
Live-Recording mit Mikrofonsplittern: Worauf muss ich achten?
Neben FOH und Monitoring kann ein Mikrofonsplitter auch für Mehrspuraufnahmen eingesetzt werden. Dafür muss das Signal jedoch an einen geeigneten dritten Empfänger gelangen.
Bei einer analogen Lösung wird beispielsweise ein Splitter mit drei entsprechend ausgelegten Ausgängen pro Kanal benötigt. Das können je nach Modell ein direkter und zwei isolierte Ausgänge sein. Alternativ ist ein separates Recording-Routing möglich. Beim digitalen Splitting können die Signale ebenfalls an ein zusätzliches Recording-System verteilt werden, sofern die Hardware und das Übertragungsformat dies unterstützen.
Hier ist allerdings wichtig, an welcher Stelle das Signal abgegriffen wird. Erfolgt das Recording über einen Direct Out eines Mischpultkanals, kann die Aufnahme je nach gewähltem Abgriffpunkt bereits durch Gain, EQ oder Dynamikbearbeitung beeinflusst sein. Auch Pre-Fader bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Signal vollständig unbearbeitet bleibt.
Wer später einen eigenständigen Mix aus den Live-Aufnahmen erstellen möchte, sollte deshalb möglichst geeignete, unbearbeitete Einzelsignale aufnehmen und den tatsächlichen Recording-Signalweg vorher überprüfen. Darüber hinaus sollte ein eigenständiges Recording-System nicht unnötig von Veränderungen am FOH-Mischpult abhängig sein. Besonders bei Konzertaufnahmen, die später professionell gemischt werden sollen, ist eine sauber dokumentierte Signalverteilung wichtig.
Typische Fehler beim Mikrofonsplitting vermeiden
Brummschleifen zwischen FOH und Monitorpult
Treten nach dem Anschließen eines zweiten Mischpults störende Brummgeräusche auf, kann eine unerwünschte Masseverbindung die Ursache sein. Bei analogen Systemen sollte deshalb überprüft werden, ob die betreffenden Signalwege tatsächlich galvanisch getrennt sind. Hochwertige Mikrofonsplitter besitzen dafür spezielle Übertrager und häufig schaltbare Ground-Lift-Funktionen. Wichtig ist dabei, dass Ground Lift am Audiosignalweg nicht mit dem Entfernen des Schutzleiters einer Netzverbindung verwechselt werden darf. Schutzleiter dürfen niemals zur Beseitigung von Brummgeräuschen abgeklemmt werden.
Phantomspeisung am falschen Ausgang aktiviert
Wenn ein Kondensatormikrofon plötzlich kein Signal mehr liefert, sollte die Phantomversorgung kontrolliert werden. Bei einem typischen passiven Splitter kann die Spannung nicht über den isolierten Ausgang zum Mikrofon gelangen. Deshalb muss dasjenige Gerät, das über den geeigneten Direct-Pfad angeschlossen ist, die erforderliche Phantomspeisung bereitstellen. Auch ein ausgeschaltetes Mischpult kann hier zur Fehlerquelle werden, wenn es bisher die Mikrofone versorgt hat.
Gemeinsames Gain ohne Absprache verändert
Bei digitalen Splits gehört die unkoordinierte Veränderung des analogen Preamp-Gains zu den häufigsten Problemen. Erhöht ein Techniker die Vorverstärkung, können sich die Pegel in allen angeschlossenen Mischpulten verändern. Deshalb muss vor der Veranstaltung feststehen, wer die Preamp-Steuerung übernimmt und welche Konsolen ausschließlich mit digitalem Trim arbeiten.
Falsche digitale Signalzuweisung
Bei digitalen Systemen kann eine Verbindung technisch funktionieren, obwohl die erwarteten Signale am Mischpult fehlen. Häufig liegt das Problem dann an einer fehlerhaften Zuordnung der Stagebox-Eingänge, an nicht eingerichteten Audio-Subscriptions oder an einer ungeeigneten Routing-Konfiguration. Die Fehlersuche sollte deshalb systematisch vom Mikrofoneingang über die Stagebox bis zum betreffenden Mischpultkanal erfolgen.
Line-Signale an einen ungeeigneten Mikrofonsplitter angeschlossen
Viele passive Mikrofonsplitter sind für relativ niedrige Mikrofonpegel ausgelegt. Wird stattdessen ein starkes Line-Signal eingespeist, kann der Übertrager übersteuert werden. Einige Modelle verfügen deshalb über schaltbare Pads zur Pegelabsenkung. Bei anderen Geräten muss ein geeigneter Line-Splitter oder eine zusätzliche Anpassungsstufe verwendet werden. Bei Keyboards, DJ-Mixern und anderen elektronischen Instrumenten sollte daher geprüft werden, ob der verwendete Splitter die entsprechenden Eingangspegel verarbeiten kann.
Zu wenig Zeit für den gemeinsamen Line-Check
Auch bei korrekt verkabelten Anlagen können falsch zugeordnete Signale Probleme verursachen. Deshalb sollten sämtliche Mikrofonkanäle vor dem Soundcheck einzeln überprüft werden. FOH und Monitoring sollten dabei gemeinsam kontrollieren, ob die erwarteten Signale an den richtigen Kanälen anliegen. Zusätzlich muss überprüft werden, ob die Phantomspeisung korrekt funktioniert und beide Mischpulte ihre Signale störungsfrei erhalten.
Ein sauberer Line-Check spart viel Zeit und verhindert, dass Routingprobleme erst während der Show auffallen. Weitere organisatorische Hinweise finden sich in unserem Beitrag 5 Fehler am FOH-Mischplatz, die du vermeiden solltest.
Worauf sollte man beim Kauf eines Mikrofonsplitters achten?
Vor der Auswahl eines analogen Mikrofonsplitters sollte zunächst feststehen, wie viele Eingangskanäle tatsächlich benötigt werden und an wie viele unabhängige Systeme die Signale verteilt werden sollen. Ein einfacher Zweifach-Split reicht für FOH und Monitoring aus. Soll zusätzlich ein separates Recording-System versorgt werden, wird entweder ein weiterer geeigneter Split-Ausgang oder eine alternative Signalverteilung benötigt. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die technische Ausstattung. Nicht jeder Ausgang ist automatisch galvanisch getrennt. Manche Modelle besitzen beispielsweise zwei direkte Ausgänge und nur einen isolierten Ausgang. Bei anderen Geräten sind sämtliche zusätzlichen Ausgänge mit eigenen Übertragern ausgestattet.
Auch die Audioübertrager selbst spielen eine wichtige Rolle. Frequenzgang, zulässiger Eingangspegel, Verzerrungen und Einfügedämpfung können sich zwischen verschiedenen Konstruktionen unterscheiden. Für den mobilen Einsatz sind außerdem eine robuste Bauweise, zuverlässige XLR-Anschlüsse und eine übersichtliche Kanalbeschriftung sinnvoll. Bei größeren Bands bietet sich ein rackfähiger Mehrkanalsplitter an, während für einzelne Mikrofone auch kompakte Splitterlösungen infrage kommen.
Bei digitalen Systemen verschiebt sich der Schwerpunkt stärker auf die Kompatibilität der verwendeten Stageboxen und Mischpulte. Hier sollte bereits vor dem Kauf geklärt werden, ob mehrere Konsolen gleichzeitig auf die Eingänge zugreifen können, wie die Preamp-Steuerung organisiert wird und welche Gain-Kompensationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Fazit: Mikrofonsplitter machen komplexe Live-Setups beherrschbar
Mikrofonsplitter gehören zu den wichtigen Werkzeugen der professionellen Veranstaltungstechnik, sobald mehrere Mischpulte dieselben Eingangssignale verwenden sollen. Sie ermöglichen unabhängige Mischungen für FOH und Monitoring und können gleichzeitig die Grundlage für eine separate Mehrspuraufnahme bilden.
Analoge Mikrofonsplitter mit Übertragern bieten dabei einen entscheidenden Vorteil: Sie verteilen die ursprünglichen Mikrofonsignale vor der Vorverstärkung und ermöglichen dadurch eine weitgehend unabhängige Gain-Einstellung an den angeschlossenen Konsolen. Gleichzeitig reduzieren galvanisch getrennte Ausgänge das Risiko von Brummschleifen. Digitale Splits ermöglichen eine flexible Signalverteilung und können den Verkabelungsaufwand deutlich reduzieren. Allerdings teilen sich mehrere Mischpulte dabei häufig dieselben analogen Mikrofonvorverstärker. Eine klare Zuständigkeit für das Gain und gegebenenfalls korrekt konfiguriertes Gain-Tracking sind deshalb besonders wichtig.
Für kleinere und mittlere Live-Produktionen mit wechselnden Mischpulten ist ein gut aufgebautes analoges Splitter-Rack häufig eine unkomplizierte Lösung. Bei größeren digitalen Produktionsumgebungen können gemeinsam genutzte Stageboxen und digitale Audionetzwerke dagegen ihre Stärken ausspielen.
Unabhängig vom verwendeten System gilt: Wer Phantomspeisung, Gain-Struktur und Signalwege im Voraus sauber plant, reduziert Fehlerquellen und sorgt für einen deutlich entspannteren Soundcheck.
Externer Link: PA-Equipment bei MUSIC STORE professional kaufen
FAQ: Häufige Fragen zu Mikrofonsplittern
Was macht ein Mikrofonsplitter?
Ein Mikrofonsplitter verteilt das Signal eines Mikrofons auf mehrere Ausgänge. Dadurch können beispielsweise FOH- und Monitorpult dasselbe Mikrofon verwenden und unabhängig voneinander unterschiedliche Mischungen erstellen.
Kann ich ein Mikrofon an zwei Mischpulte anschließen?
Ja. Dafür eignet sich ein professioneller Mikrofonsplitter. Bei analogen Systemen sind Modelle mit einem direkten und einem galvanisch getrennten Ausgang besonders verbreitet. Alternativ können kompatible digitale Mischpulte die Signale einer gemeinsamen Stagebox nutzen.
Braucht ein Mikrofonsplitter eine Stromversorgung?
Passive Mikrofonsplitter benötigen normalerweise keine eigene Stromversorgung. Aktive Modelle verwenden elektronische Schaltungen und sind deshalb auf eine geeignete Stromversorgung angewiesen. Die Phantomspeisung angeschlossener Mikrofone ist davon getrennt zu betrachten.
Welches Mischpult liefert beim Splitten die Phantomspeisung?
Bei einem typischen passiven Mikrofonsplitter mit Direct Out und isoliertem Ausgang liefert das am Direct Out angeschlossene Mischpult die Phantomspeisung. Andere Splitterkonzepte können eine abweichende Versorgung vorsehen. Maßgeblich sind die Angaben des Herstellers.
Was ist der Unterschied zwischen Direct Out und Isolated Out?
Der Direct Out besitzt bei klassischen passiven Mikrofonsplittern eine direkte elektrische Verbindung zum Eingang und kann die Phantomspeisung weiterleiten. Ein Isolated Out überträgt das Audiosignal dagegen über einen Trennübertrager und verhindert dadurch eine direkte elektrische Verbindung zum angeschlossenen Gerät.
Kann ich statt eines Mikrofonsplitters ein Y-Kabel verwenden?
Ein Y-Kabel kann unter geeigneten Bedingungen ein Mikrofonsignal auf zwei Eingänge verteilen. Allerdings sind dabei mögliche Probleme durch Impedanzbelastung, Masseverbindungen und Phantomspeisung zu berücksichtigen. Für den professionellen Einsatz ist ein geeigneter Splitter mit galvanischer Trennung meist die zuverlässigere Lösung.
Was bedeutet Gain-Sharing?
Beim Gain-Sharing verwenden mehrere digitale Mischpulte denselben analogen Mikrofonvorverstärker, beispielsweise in einer gemeinsam genutzten Stagebox. Veränderungen am analogen Preamp-Gain können deshalb die Signalpegel aller angeschlossenen Konsolen beeinflussen.
Was ist Gain-Compensation?
Gain-Compensation bezeichnet eine digitale Pegelkorrektur, die Veränderungen des analogen Preamp-Gains ausgleichen soll. Dadurch können die Signalpegel bei gemeinsam genutzten Vorverstärkern möglichst konstant gehalten werden. Die Funktion ist allerdings vom jeweiligen Mischpultsystem abhängig und kann eine analoge Übersteuerung nicht beheben.
Ist digitales Splitting besser als analoges Splitting?
Nicht grundsätzlich. Analoge Splitter ermöglichen bei geeigneter Ausführung unabhängige Vorverstärker und eine galvanische Trennung der Signalwege. Digitale Splits bieten dagegen eine flexible Audioverteilung und können den Verkabelungsaufwand reduzieren. Welche Lösung besser geeignet ist, hängt von den eingesetzten Mischpulten, der Produktionsgröße und den technischen Anforderungen ab.
Kann ich mit einem Mikrofonsplitter gleichzeitig live aufnehmen?
Ja. Bei analogen Splittern wird dafür ein zusätzlicher geeigneter Ausgang benötigt. In digitalen Systemen können die Signale bei entsprechender Ausstattung auch an ein Recording-System verteilt werden. Für spätere Mehrspurmischungen sollten die Signale möglichst an einem geeigneten, weitgehend unbearbeiteten Punkt abgegriffen werden.
Können FOH und Monitorpult mit unterschiedlichen Marken betrieben werden?
Bei einem analogen Mikrofonsplitter ist das normalerweise problemlos möglich, sofern die Geräte passende symmetrische Ein- und Ausgänge besitzen. Beim digitalen Splitting müssen dagegen die verwendeten Übertragungsprotokolle, Routingfunktionen und gegebenenfalls die Steuerung der Mikrofonvorverstärker kompatibel sein.


Unsere neuesten Beiträge
Mikrofonsplitter richtig einsetzen: FOH, Monitoring und Gain-Sharing erklärt
Bei größeren Live-Veranstaltungen arbeiten häufig mehrere Mischpulte gleichzeitig. Während der FOH-Techniker den Sound für das [...]
> WEITERLESENMackie EM-89D Test: Günstiges Gesangsmikrofon für die Bühne?
Ein gutes Gesangsmikrofon muss auf der Bühne einiges aushalten. Schließlich zählen neben einem überzeugenden Klang [...]
> WEITERLESENBehringer SC-ADAT: Neue 32-Kanal-Bridge verbindet StageConnect mit ADAT
Mit dem Behringer SC-ADAT erweitert der Hersteller sein StageConnect-Ökosystem um eine praktische Schnittstelle für digitale [...]
> WEITERLESEN