Digitale Stageboxen gehören inzwischen bei vielen Live-Produktionen zur Standardausstattung. Statt dutzende analoge Audiokanäle über ein schweres Multicore zwischen Bühne und FOH zu übertragen, werden die Signale direkt auf oder neben der Bühne digitalisiert und anschließend über eine digitale Verbindung zum Mischpult geschickt.
Das reduziert den Verkabelungsaufwand erheblich. Gleichzeitig entsteht jedoch eine neue Fehlerquelle: Bei einer digitalen Stagebox reicht es nicht mehr aus, einfach Eingang 1 mit Kanal 1 zu verbinden. Routing, Clock, Preamp-Steuerung und Ausgangszuweisung müssen ebenfalls stimmen.
Wer eine digitale Stagebox einrichten möchte, sollte deshalb systematisch vorgehen. In diesem Tutorial zeigen wir Schritt für Schritt, worauf es bei AES50, StageConnect, Dante und vergleichbaren Systemen ankommt und welche typischen Fehler sich im Live-Betrieb vermeiden lassen. (Beitragsbild: KI)
Kurzinfo auf einen Blick
Eine digitale Stagebox ersetzt nicht einfach nur das analoge Multicore. Damit sie zuverlässig arbeitet, müssen vier Dinge stimmen: kompatibles Übertragungsformat, sauberes Clocking, korrektes Ein- und Ausgangsrouting sowie eine durchdachte Pegelstruktur. Wer diese Reihenfolge einhält, findet Fehler schneller und vermeidet Stille, Knackser, Clipping und falsche Monitorwege.
Was ist eine digitale Stagebox?
Eine klassische analoge Stagebox ist im Grunde eine Anschlussleiste. Mikrofone, DI-Boxen und andere Signalquellen werden auf der Bühne angeschlossen und über ein Multicore zum Mischpult geführt.
Bei einer digitalen Stagebox passiert deutlich mehr. Je nach Modell befinden sich darin Mikrofonvorverstärker, A/D-Wandler und D/A-Wandler sowie eine digitale Schnittstelle. Das analoge Mikrofonsignal wird also bereits auf der Bühne verstärkt und digitalisiert.
Die eigentliche Übertragung zum Mischpult erfolgt anschließend digital.
Dadurch können über eine einzige Verbindung zahlreiche Ein- und Ausgangskanäle transportiert werden. Bei AES50 beispielsweise werden neben den Audiosignalen auch Informationen zur Synchronisation übertragen. Behringer nennt für seine AES50/SuperMAC-Implementierung bis zu 48 bidirektionale Audiokanäle bei 48 kHz über CAT5e.
Auch das Gain des Mikrofonvorverstärkers lässt sich bei vielen Systemen vom Mischpult aus fernsteuern. Genau dieser Punkt wird später noch wichtig.
Eine Stagebox ist nicht automatisch mit jedem Digitalpult kompatibel
Dass zwei Geräte digitale Anschlüsse besitzen, bedeutet noch lange nicht, dass sie miteinander kommunizieren können.
AES50, Dante, AVB, MADI und StageConnect sind unterschiedliche Technologien beziehungsweise Übertragungsstandards. Selbst ein identischer Steckverbinder sagt nichts darüber aus, ob zwei Geräte kompatibel sind.
Besonders deutlich wird das bei RJ45-Anschlüssen. AES50 nutzt beispielsweise CAT-Verkabelung und die physikalische Ethernet-Ebene, ist deshalb aber nicht automatisch mit einem gewöhnlichen IP-Netzwerk gleichzusetzen. Ein vorhandener Netzwerkanschluss sollte daher niemals allein aufgrund seiner Bauform mit einem Switch oder einer Stagebox verbunden werden.
Ähnliches gilt für StageConnect. Hier wird sogar eine dreipolige XLR-Verbindung verwendet. Trotzdem handelt es sich natürlich nicht um ein analoges Audiosignal. StageConnect kann laut Behringer bis zu 32 Kanäle mit 24 Bit bei 44,1 oder 48 kHz übertragen. Für längere Verbindungen empfiehlt der Hersteller geeignetes 110-Ohm-DMX-Kabel, während für kurze Verbindungen auch normale Mikrofonleitungen eingesetzt werden können.
Wer sich genauer mit diesem Format beschäftigen möchte, findet die Grundlagen in unserem Tutorial Was ist StageConnect? Digitales Audio über ein XLR-Kabel erklärt.
Digitale Stagebox einrichten: Die richtige Reihenfolge
Viele Probleme entstehen dadurch, dass gleichzeitig an Routing, Gain, Bussen und Ausgängen gearbeitet wird. Kommt anschließend kein Signal an, ist kaum noch nachvollziehbar, an welcher Stelle der Fehler liegt. Deshalb lohnt sich eine feste Reihenfolge.
Schritt 1: Kompatibilität und Verbindung prüfen
Bevor das Mischpult eingeschaltet und das Routing verändert wird, sollte zunächst klar sein, welches Übertragungsformat verwendet wird. Bei einem AES50-System muss beispielsweise sichergestellt sein, dass beide Geräte denselben Standard beziehungsweise die kompatible Implementierung unterstützen. Gleiches gilt für StageConnect, Dante und andere digitale Audiosysteme.
Anschließend sollte die Verkabelung kontrolliert werden. Dabei lohnt sich ein Blick in die Vorgaben des Herstellers. Kabeltyp, maximale Leitungslänge und Topologie können je nach System erheblich voneinander abweichen. Gerade im Live-Betrieb sollte außerdem nicht irgendein vorhandenes Netzwerkkabel verwendet werden. Mechanische Belastbarkeit, Steckverbinder und Abschirmung spielen bei langen Leitungswegen über Bühnen und durch Kabelbrücken eine wichtige Rolle.
Schritt 2: Clock und Samplerate kontrollieren
Bei analogen Audiosignalen muss sich niemand Gedanken darüber machen, welches Gerät den Takt vorgibt. Bei digitalen Audiosystemen sieht das anders aus.
Digitale Geräte müssen sich darüber einig sein, wann ein Sample beginnt und endet. Dafür benötigen sie eine gemeinsame Clock. Innerhalb des Systems übernimmt deshalb normalerweise ein Gerät die Funktion der Clock-Quelle beziehungsweise des Clock-Leaders. Die übrigen Geräte synchronisieren sich darauf. Bei AES50 wird die Sample-Clock zusammen mit den Audiodaten über die Verbindung transportiert. Bei Dante erfolgt die Synchronisation dagegen über das Precision Time Protocol. Dabei wird innerhalb des Netzwerks ein Leader bestimmt, an dessen Takt sich die anderen Geräte orientieren.
In vielen modernen Systemen läuft dieser Vorgang weitgehend automatisch. Trotzdem sollte der Clock-Status kontrolliert werden. Typische Anzeichen für Clock-Probleme sind Knackser, kurze Aussetzer, digitales Knistern oder vollständig fehlendes Audio. Außerdem müssen die verwendeten Sampleraten miteinander kompatibel sein. Arbeitet ein Teil des Systems beispielsweise mit 48 kHz und ein anderer mit einer nicht unterstützten Samplerate, kann die Verbindung zwar physisch vorhanden sein, trotzdem aber kein korrektes Audiosignal übertragen werden.
Schritt 3: Die Eingänge der Stagebox routen
Jetzt folgt einer der wichtigsten Schritte beim Einrichten einer digitalen Stagebox: das Eingangs-Routing. Bei einem analogen Mischpult ist der Zusammenhang meistens offensichtlich:
Mikrofon → Eingang 1 → Kanal 1.
Bei digitalen Mischpulten muss das nicht mehr so sein. Der physische Eingang 1 der Stagebox wird zunächst als digitales Signal übertragen. Erst anschließend wird dieses Signal einem Eingangskanal des Mischpults zugeordnet. Dadurch kann beispielsweise Stagebox-Eingang 1 problemlos auf Mischpultkanal 17 liegen. Diese Flexibilität ist praktisch, führt aber häufig zu Verwirrung. Kommt kein Signal an einem Kanal an, sollte deshalb nicht sofort das Mikrofon oder das Kabel verdächtigt werden. Zuerst sollte überprüft werden, welche digitale Quelle dem betreffenden Kanal tatsächlich zugewiesen wurde.
Eine gute Beschriftung hilft enorm. Statt nur „Input 1“ zu verwenden, sind eindeutige Bezeichnungen wie „Kick“, „Snare“, „Bass DI“ oder „Lead Vocal“ wesentlich hilfreicher.
Gain zuerst einstellen – nicht mit dem Fader korrigieren
Sobald das richtige Eingangssignal am Mischpult angekommen ist, folgt das Einpegeln.
Das Gain des Mikrofonvorverstärkers bestimmt, wie stark das analoge Signal verstärkt wird, bevor beziehungsweise während es digitalisiert wird. Der Kanal-Fader hat eine völlig andere Aufgabe: Er bestimmt den Pegel des bereits eingepegelten Signals innerhalb der Mischung. Ein zu niedrig eingestelltes Gain sollte deshalb nicht einfach mit einem weit hochgezogenen Fader kompensiert werden. Umgekehrt kann ein zu hoch eingestelltes Preamp-Gain bereits die Eingangsstufe beziehungsweise den A/D-Wandler übersteuern. Ein heruntergezogener Kanal-Fader kann diese Verzerrung anschließend nicht mehr beseitigen.
Mehr zu diesem grundsätzlichen Zusammenhang erklären wir ausführlich im Tutorial Was versteht man unter Gain-Staging?.
Auch unser Beitrag Was bedeutet Clipping? Ursachen, Folgen und Schutz für PA-Anlagen zeigt, weshalb ausreichender Headroom innerhalb der gesamten Signalkette wichtig ist.
Preamp-Gain und digitaler Trim sind nicht dasselbe
Bei Digitalmischpulten sollte zusätzlich zwischen Preamp-Gain und digitalem Trim unterschieden werden.
Das Preamp-Gain verändert die Verstärkung des analogen Signals vor der Digitalisierung. Der digitale Trim verändert dagegen ein Signal, das bereits digital vorliegt. Das wird vor allem dann relevant, wenn mehrere Mischpulte dieselbe Stagebox verwenden. Ein typisches Beispiel ist eine größere Produktion mit einem FOH-Pult und einem separaten Monitorpult. Beide Mischpulte greifen auf dieselben Mikrofonvorverstärker der Stagebox zu.
Verändert der FOH-Techniker nun das analoge Preamp-Gain, kann sich dadurch auch der Pegel am Monitorpult verändern. Professionelle Workflows legen deshalb fest, welches Pult die Vorverstärker kontrolliert. Das zweite Pult arbeitet anschließend beispielsweise mit digitalem Trim oder einer vom jeweiligen System bereitgestellten Gain-Sharing-Lösung. Eine klare Zuständigkeit verhindert unangenehme Überraschungen während der Show.
Phantomspannung ebenfalls im Blick behalten
Auch die 48-Volt-Phantomspeisung kann häufig über das Mischpult ferngesteuert werden. Das ist komfortabel, bedeutet aber ebenfalls, dass Änderungen am Pult direkte Auswirkungen auf die Bühne haben. Vor dem Aktivieren der Phantomspeisung sollte deshalb immer geprüft werden, welches Gerät tatsächlich am entsprechenden Stagebox-Eingang angeschlossen ist. Besonders bei gemeinsam genutzten Stageboxen sollte klar geregelt sein, welches Mischpult die Preamp- und Phantomsteuerung übernimmt.
Ausgangs-Routing: Der häufig unterschätzte zweite Signalweg
Nachdem die Eingangskanäle funktionieren, ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Digitale Stageboxen besitzen häufig auch analoge Ausgänge. Darüber können beispielsweise Bühnenmonitore, In-Ear-Systeme, Endstufen oder andere Geräte versorgt werden. Hier läuft das Routing praktisch in umgekehrter Richtung:
Mischpult-Bus → digitaler Ausgang → Übertragungsstrecke → physischer Stagebox-Ausgang.
Genau hier passieren viele Fehler.
Ein Monitorbus kann beispielsweise korrekt gemischt sein und am Mischpult bereits Pegel anzeigen. Trotzdem bleibt der Bühnenmonitor stumm, wenn der Bus nicht dem richtigen digitalen Ausgang und dieser anschließend nicht dem richtigen physischen XLR-Ausgang der Stagebox zugewiesen wurde. Deshalb sollte der Signalweg immer vollständig verfolgt werden.
Wie ein Monitorweg anschließend sinnvoll aufgebaut und eingepegelt wird, erklären wir ausführlich in Bühnenmonitor richtig einstellen: So gelingt der Monitormix.
Routing gedanklich in Ebenen aufteilen
Gerade komplexere Digitalpulte besitzen mehrere Routing-Ebenen. Hilfreich ist deshalb, den Signalweg nicht als einen großen Routing-Bildschirm zu betrachten, sondern als mehrere aufeinanderfolgende Abschnitte. Auf der Eingangsseite lautet die entscheidende Frage:
Welcher physische Eingang der Stagebox landet auf welchem Mischpultkanal?
Auf der Ausgangsseite lautet sie:
Welcher Bus oder welche Matrix des Mischpults landet auf welchem physischen Ausgang der Stagebox?
Diese beiden Fragen lösen bereits einen großen Teil typischer Routingprobleme. Erst danach sollten zusätzliche Funktionen wie Direct Outs, Inserts, Subgruppen, Matrizen oder Recording-Splits eingerichtet werden.
StageConnect, AES50 und Dante: gleiche Aufgabe, unterschiedlicher Ansatz
Digitale Stageboxen können technisch sehr unterschiedlich angebunden werden.
AES50
AES50 beziehungsweise SuperMAC ist beispielsweise bei zahlreichen Behringer- und Midas-Systemen verbreitet. Ein Vorteil liegt in der vergleichsweise direkten Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Geräten.
Bei entsprechenden Behringer-Systemen können über eine AES50-Verbindung 48 bidirektionale Kanäle bei 48 kHz sowie die Sample-Clock übertragen werden.
Das macht AES50 für klassische Live-Setups mit Mischpult und Stagebox besonders übersichtlich.
StageConnect
StageConnect verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Das System transportiert Audio und Steuerinformationen über eine dreipolige XLR-Verbindung. Bei kompatiblen Geräten können mehrere StageConnect-Komponenten außerdem miteinander kombiniert werden.
Behringers WING-Plattform unterstützt beispielsweise StageConnect zusätzlich zu AES50 und weiteren digitalen Schnittstellen. StageConnect eignet sich damit unter anderem für kompakte I/O-Erweiterungen, Side-Racks und zusätzliche Anschlussmodule. Wichtig ist allerdings: StageConnect und AES50 sind trotz ähnlicher Aufgaben nicht dasselbe Format und nicht direkt miteinander austauschbar.
Dante
Dante geht stärker in Richtung klassisches Audio-over-IP-Netzwerk. Hier können zahlreiche Geräte innerhalb einer Netzwerkinfrastruktur miteinander verbunden und Audiosignale flexibel zwischen Sendern und Empfängern verteilt werden. Die Clock-Synchronisation der Geräte erfolgt über PTP. Dadurch lassen sich sehr komplexe Strukturen realisieren. Gleichzeitig kommen zusätzliche Faktoren hinzu: Netzwerk-Switches, Adressierung, Clock-Konfiguration und gegebenenfalls Redundanz müssen korrekt geplant werden. Für eine einfache Stagebox-zu-Pult-Verbindung kann ein Punkt-zu-Punkt-System deshalb zunächst unkomplizierter wirken. Bei großen Installationen bietet Audio over IP dagegen deutlich umfangreichere Routingmöglichkeiten.
Der Line-Check zeigt, ob die Stagebox wirklich richtig eingerichtet ist
Nach dem Routing sollte nicht sofort mit dem eigentlichen Soundcheck begonnen werden. Zuerst kommt der Line-Check. Dabei wird jeder Eingang einzeln überprüft:
Mikrofon oder Instrument liefert Signal, die Stagebox empfängt es, der richtige Mischpultkanal zeigt Pegel und der erwartete Ausgang beziehungsweise Monitorweg funktioniert. Erst wenn die technische Signalkette stimmt, sollten EQ, Kompressor, Effekte und musikalische Pegelverhältnisse eingestellt werden. Gerade am FOH – Front of House spart diese Vorgehensweise viel Zeit. Während eines Soundchecks sollte schließlich nicht mehr darüber gerätselt werden müssen, warum die Snare plötzlich auf dem Keyboard-Kanal erscheint oder der Monitorbus am falschen Stagebox-Ausgang anliegt.
Typische Fehler beim Einrichten einer digitalen Stagebox
Clock nicht synchron
Die Verbindung steht scheinbar, trotzdem treten Knackser oder Aussetzer auf. In diesem Fall sollte der Clock-Status zu den ersten Kontrollpunkten gehören.
Eingang auf den falschen Kanal gepatcht
Das Mikrofon funktioniert und die Stagebox zeigt möglicherweise sogar Signal, aber am erwarteten Mischpultkanal passiert nichts. Häufig ist schlicht die falsche digitale Quelle ausgewählt.
Gain und Trim verwechselt
Wird ein digitaler Trim verändert, bedeutet das nicht automatisch, dass sich der analoge Mikrofonvorverstärker verändert. Umgekehrt kann eine Änderung des Preamp-Gains bei geteilten Stageboxen Auswirkungen auf mehrere Mischpulte haben.
Bus funktioniert, Stagebox-Ausgang bleibt stumm
Zeigt der Monitorbus Pegel, der Lautsprecher auf der Bühne bleibt aber still, sollte das Output-Patching kontrolliert werden. Der Bus muss nicht nur existieren, sondern auch dem richtigen digitalen und anschließend physischen Ausgang zugeordnet sein.
Falsches Kabel oder falsche Verbindung
RJ45 bedeutet nicht automatisch Ethernet, und XLR bedeutet nicht automatisch analoges Audio. Das verwendete Kabel und die erlaubte Topologie müssen zum jeweiligen Übertragungsformat passen.
Routing nach einem Szenenwechsel verändert
Bei Digitalmischpulten können je nach Konfiguration nicht nur Fader und EQ-Einstellungen, sondern auch Routingparameter in Szenen oder Snapshots gespeichert werden. Nach einem Szenenwechsel kann deshalb plötzlich ein anderes Eingangsrouting aktiv sein.
Gerade vor wichtigen Shows sollte geprüft werden, welche Parameter beim Laden einer Szene tatsächlich verändert werden. Veränderungen am Routing während einer laufenden Veranstaltung gehören außerdem zu den Eingriffen, die besonders sorgfältig vorgenommen werden sollten, wie wir auch in unserem Tutorial 5 Fehler am FOH-Mischplatz, die du vermeiden solltest erläutern.
Fehlersuche: Immer dem Signal folgen
Wenn eine digitale Stagebox plötzlich kein Signal liefert, sollte nicht wahllos durch sämtliche Routing-Menüs geklickt werden.
Besser ist es, dem Signalweg systematisch zu folgen:
Signalquelle → Stagebox-Eingang → Preamp → digitale Verbindung → Mischpulteingang → Kanal → Bus → digitaler Ausgang → Stagebox-Ausgang → Lautsprecher oder Monitor.
An jeder dieser Stellen kann überprüft werden, ob noch Pegel vorhanden ist. Zeigt bereits der Stagebox-Eingang kein Signal, liegt das Problem wahrscheinlich vor der digitalen Übertragung. Kommt das Signal an der Stagebox an, erscheint aber nicht am Mischpult, sind Verbindung, Clock und Input-Routing die nächsten Kandidaten. Zeigt der Mischpultkanal Pegel, aber der Bühnenmonitor bleibt stumm, sollte dagegen auf der Ausgangsseite weitergesucht werden.
Dieses Vorgehen ist wesentlich schneller als das gleichzeitige Verändern mehrerer Einstellungen.
Beschriftung ist bei digitalen Systemen wichtiger als früher
Je flexibler das Routing wird, desto wichtiger wird eine eindeutige Dokumentation. Bei einem kleinen analogen Mischpult war Kanal 1 häufig automatisch mit Eingang 1 verbunden. In digitalen Systemen können dagegen physische Anschlüsse, digitale Quellen, Mischpultkanäle und Ausgänge völlig unabhängig voneinander angeordnet sein. Deshalb sollten Inputs, Busse und Outputs eindeutig benannt werden.
„Vocal Tom“, „Git Max“, „IEM Lisa“ oder „Stage Left Wedge“ sind im hektischen Live-Betrieb wesentlich hilfreicher als Bezeichnungen wie „Input 17“, „Bus 6“ oder „Output 3“.
Bei größeren Produktionen lohnt es sich zusätzlich, Patchlisten und Routingpläne zu dokumentieren.
Digitale Stagebox einrichten: Eine feste Routine spart Zeit
Digitale Stageboxen machen moderne Live-Setups erheblich flexibler. Gleichzeitig verlagern sie einen Teil der Arbeit vom Kabel zur Software. Deshalb hilft eine feste Reihenfolge:
Verbindung prüfen → Clock prüfen → Inputs routen → Gain einstellen → Outputs routen → Line-Check durchführen.
Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit am Mix. Wer diese Reihenfolge konsequent einhält, kann selbst komplexe Systeme wesentlich schneller konfigurieren und auftretende Fehler gezielt eingrenzen.
Fazit: Routing und Clock sind genauso wichtig wie das Kabel
Eine digitale Stagebox richtig einzurichten bedeutet mehr, als lediglich ein Kabel zwischen Bühne und Mischpult zu stecken. Übertragungsformat, Clock, Eingangs-Routing, Preamp-Gain und Ausgangszuweisungen bilden gemeinsam die digitale Signalkette.
Besonders wichtig ist die klare Trennung zwischen physischem Stagebox-Eingang, digitalem Routing und Mischpultkanal. Gleiches gilt auf der Ausgangsseite für Busse, digitale Ausgänge und die tatsächlichen XLR-Buchsen der Stagebox. Systeme wie AES50, StageConnect oder Dante lösen diese Aufgaben technisch unterschiedlich. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich: Erst muss die digitale Infrastruktur stabil funktionieren, danach kann gemischt werden.
Wer beim Aufbau systematisch von der Signalquelle bis zum Lautsprecher arbeitet, vermeidet die meisten typischen Stagebox-Probleme bereits vor dem Soundcheck.
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FAQ: Digitale Stagebox einrichten
Was ist eine digitale Stagebox?
Eine digitale Stagebox nimmt analoge Mikrofon-, Line- oder Instrumentensignale auf der Bühne entgegen, verstärkt und digitalisiert sie und überträgt sie über eine digitale Verbindung zum Mischpult. Viele Modelle besitzen zusätzlich analoge Ausgänge für Monitorwege, Endstufen oder andere Geräte.
Warum kommt trotz verbundener Stagebox kein Signal am Mischpult an?
Häufig liegt das Problem beim Routing. Der physische Eingang der Stagebox muss der richtigen digitalen Quelle und anschließend einem Mischpultkanal zugeordnet werden. Zusätzlich sollten Verbindung und Clock-Status überprüft werden.
Was bedeutet Clock bei einer digitalen Stagebox?
Digitale Audiogeräte benötigen eine gemeinsame zeitliche Referenz für die Verarbeitung der einzelnen Samples. Innerhalb eines Systems gibt deshalb normalerweise ein Gerät beziehungsweise eine automatisch bestimmte Clock-Quelle den Takt vor, während sich die anderen Geräte synchronisieren.
Was passiert bei einer falschen Clock-Einstellung?
Mögliche Folgen sind Knackser, digitale Störgeräusche, Aussetzer oder vollständig fehlendes Audio. Deshalb gehört der Clock-Status zu den ersten Punkten bei der Fehlersuche.
Was ist der Unterschied zwischen Gain und Trim?
Das Gain eines Stagebox-Preamps beeinflusst das analoge Signal vor der Digitalisierung. Ein digitaler Trim verändert dagegen ein bereits digitalisiertes Signal. Dieser Unterschied ist besonders wichtig, wenn FOH- und Monitorpult dieselbe Stagebox verwenden.
Können FOH und Monitorpult dieselbe Stagebox nutzen?
Bei geeigneten Systemen ist das möglich. Dabei muss jedoch geregelt sein, welches Pult die analogen Vorverstärker kontrolliert. Änderungen am Preamp-Gain können sonst die Pegel beider Mischpulte beeinflussen.
Ist AES50 dasselbe wie Dante?
Nein. AES50 und Dante übertragen digitales Mehrkanal-Audio, verfolgen technisch aber unterschiedliche Ansätze. AES50 wird häufig für direkte Verbindungen zwischen Mischpulten und Stageboxen verwendet. Dante basiert auf einer Audio-over-IP-Netzwerkinfrastruktur.
Kann ich AES50 einfach über einen normalen Netzwerk-Switch führen?
Nicht allein deshalb, weil AES50 RJ45- und CAT-Verkabelung verwendet. Der Steckverbinder macht die Verbindung nicht automatisch zu einem gewöhnlichen IP-Netzwerk. Die vom Hersteller vorgegebene Topologie sollte deshalb unbedingt eingehalten werden.
Kann ich für StageConnect ein normales XLR-Kabel verwenden?
Für kurze Verbindungen nennt Behringer auch normale XLR-Mikrofonkabel als mögliche Verbindung. Für längere Leitungswege empfiehlt der Hersteller geeignetes 110-Ohm-DMX-Kabel.
Wie finde ich einen Routingfehler am schnellsten?
Am zuverlässigsten ist es, dem kompletten Signalweg zu folgen: Signalquelle, Stagebox-Eingang, digitale Verbindung, Mischpultkanal, Bus, digitaler Ausgang und physischer Stagebox-Ausgang. So lässt sich schnell feststellen, an welcher Stelle das Signal verloren geht.


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