Low Cut bei Gesang, Instrumenten und PA
Ein Hochpassfilter, häufig auch als Low Cut oder HPF bezeichnet, gehört zu den nützlichsten Werkzeugen beim Live-Mixing. Trotzdem wird er häufig entweder gar nicht eingesetzt oder nach dem Prinzip „einfach irgendwo einschalten“ verwendet. Dabei kann ein richtig eingestellter Hochpassfilter einen Mix hörbar aufräumen, störendes Rumpeln reduzieren und dafür sorgen, dass Bass und Kickdrum mehr Platz bekommen.
Doch welche Frequenz ist für Gesang sinnvoll? Braucht auch eine Bassgitarre einen Low Cut? Und was bedeuten Angaben wie 12 oder 24 dB pro Oktave? In diesem Tutorial zeigen wir, wie du einen Hochpassfilter richtig einstellen kannst und warum es dabei keine universelle Frequenz für alle Signale gibt.
Kurzinfo auf einen Blick
Ein Hochpassfilter (Low Cut/HPF) reduziert tiefe Frequenzen unterhalb einer eingestellten Grenzfrequenz und sorgt so für mehr Klarheit im Live-Mix. Wer den Hochpassfilter richtig einstellen möchte, sollte je nach Signal unterschiedlich vorgehen: Gesang verträgt meist höhere Cutoff-Werte als Bass oder Kick. Entscheidend ist immer der Klang im Gesamtmix.
Was ist ein Hochpassfilter?
Ein Hochpassfilter lässt – vereinfacht ausgedrückt – hohe Frequenzen passieren und dämpft Frequenzen unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz. Genau deshalb wird er auch als Low Cut, also Tiefenabsenkung, bezeichnet.
Stellst du beispielsweise einen Hochpassfilter auf 100 Hz, verschwinden nicht automatisch alle Frequenzen unterhalb von 100 Hz. Vielmehr setzt ab diesem Bereich eine zunehmend stärkere Absenkung ein. Wie stark diese ausfällt, hängt unter anderem von der Flankensteilheit des Filters ab. In einem Live-Mix ist das ausgesprochen nützlich. Ein Gesangsmikrofon muss beispielsweise in vielen Fällen keine Frequenzen bei 30 oder 40 Hz übertragen. Dort befinden sich meist weder wichtige Bestandteile der Stimme noch musikalisch relevante Informationen. Stattdessen können Trittschall, Bewegungen am Mikrofonständer, Windgeräusche oder Vibrationen von der Bühne übertragen werden.
Der Hochpassfilter räumt diesen Bereich auf, bevor unnötige Tieftonenergie weitere Bearbeitungsstufen, Endstufen und Lautsprecher erreicht.
Hochpassfilter, Low Cut und HPF – was ist der Unterschied?
In der Praxis beschreiben die drei Begriffe weitgehend dasselbe Werkzeug.
HPF steht für „High Pass Filter“, also Hochpassfilter. Low Cut beschreibt dieselbe Funktion aus der entgegengesetzten Perspektive: Die tiefen Frequenzen werden reduziert. Auf Mischpulten findest du deshalb unterschiedliche Bezeichnungen. Manche Hersteller schreiben „HPF“, andere „Low Cut“. Bei analogen Mischpulten gibt es häufig lediglich einen Schalter mit einer festgelegten Frequenz, beispielsweise 80 oder 100 Hz. Digitale Mischpulte bieten dagegen meistens eine frei einstellbare Grenzfrequenz.
Warum ist ein Low Cut beim Live-Mixing so wichtig?
Auf einer Bühne entstehen zahlreiche tieffrequente Signalanteile, die mit dem eigentlichen Instrument oder der Stimme wenig zu tun haben. Schritte auf einem Bühnenpodest können sich beispielsweise über Mikrofonständer übertragen. Ein Sänger berührt das Mikrofon, eine Bassbox versetzt die Bühne in Schwingung oder Wind trifft auf eine Mikrofonkapsel. Diese Signale liegen häufig im Bass- und Subbassbereich und werden im Gesamtmix kaum als eigenständiger Klang wahrgenommen. Trotzdem beanspruchen sie Energie und Headroom.
Ein Low Cut kann deshalb mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen: Der Mix wird transparenter, Tieftöner werden weniger mit unnötigen Signalen belastet und andere Instrumente erhalten mehr Raum im Bassbereich. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Hochpassfilter automatisch jeden Mix verbessert. Wird die Grenzfrequenz zu hoch angesetzt, verliert ein Signal Körper, Wärme und Druck.
Hochpassfilter richtig einstellen: Hören statt Tabellenwerte übernehmen
Für die Einstellung eines Hochpassfilters existieren Richtwerte. Diese solltest du allerdings nur als Ausgangspunkt betrachten.
Eine praktikable Vorgehensweise besteht darin, den Hochpassfilter zunächst relativ tief einzustellen und seine Grenzfrequenz langsam anzuheben. Sobald das Signal hörbar dünner wird oder wichtige Grundtonanteile verliert, gehst du wieder etwas zurück. Dadurch passt du den Filter an das tatsächliche Instrument, die Stimme, das Mikrofon und die jeweilige Situation an.
Diese Vorgehensweise ähnelt generell einer sauberen EQ-Arbeit. Mehr dazu findest du auch in unserem Tutorial EQ für Live-Sound: Problemfrequenzen erkennen.
Welche Low-Cut-Frequenz eignet sich für welches Signal?
Die folgende Tabelle liefert sinnvolle Ausgangspunkte. Die Werte sind keine festen Regeln.
| Signal | Möglicher Ausgangspunkt |
|---|---|
| Sprache | ca. 80–120 Hz |
| Gesang | ca. 70–120 Hz |
| Akustikgitarre | ca. 70–120 Hz |
| E-Gitarre | ca. 70–100 Hz |
| Snare | ca. 70–120 Hz |
| Toms | ca. 40–80 Hz |
| Overheads | ca. 80–150 Hz |
| Bassgitarre | ca. 30–50 Hz |
| Kickdrum | ca. 25–40 Hz |
Entscheidend ist nicht die Zahl auf dem Display des Mischpults, sondern das Ergebnis. Eine tiefe Männerstimme benötigt unter Umständen eine niedrigere Grenzfrequenz als eine helle Frauenstimme. Ebenso kann eine große Kickdrum mehr relevante Subbassanteile enthalten als eine kleine Kick mit starkem Attack-Schwerpunkt.
Low Cut bei Gesang richtig einstellen
Gerade bei Gesang ist der Hochpassfilter ausgesprochen hilfreich. Die tiefsten Frequenzen eines Gesangsmikrofons enthalten im Live-Betrieb häufig mehr Störgeräusche als musikalisch verwertbare Information.
Ein Ausgangspunkt zwischen etwa 70 und 120 Hz ist deshalb bei vielen Stimmen sinnvoll. Allerdings solltest du auch hier nach Gehör arbeiten. Hebst du die Grenzfrequenz zu weit an, verliert die Stimme Volumen und klingt dünn. Bei einem tiefen Bariton kann beispielsweise schon eine Einstellung problematisch sein, die bei einer hohen Stimme völlig unauffällig funktioniert.
Darüber hinaus spielen Mikrofon und Besprechungsabstand eine Rolle. Richtmikrofone können bei sehr geringem Abstand durch den Nahbesprechungseffekt (Partnerlink – Was ist der Nahbesprechungseffekt) zusätzliche Bassanteile erzeugen. Ein Hochpassfilter kann diese teilweise kontrollieren. Beim kompletten Vocal-Mix solltest du Low Cut, EQ und Kompression deshalb immer im Zusammenhang betrachten. Weitere Grundlagen findest du in unserem Beitrag Vocals live abmischen: Lead- und Backing-Vocals im Band-Mix.
Hochpassfilter bei Sprache
Bei Moderationen, Präsentationen und Sprachbeschallung kann ein Hochpassfilter oftmals etwas höher angesetzt werden als bei Gesang. Hier geht es weniger um einen möglichst vollen musikalischen Klang und stärker um eine klare Sprachverständlichkeit. Je nach Stimme und Mikrofon können etwa 80 bis 120 Hz ein sinnvoller Startbereich sein. Bei sehr tiefen Stimmen sollte man allerdings vorsichtig vorgehen. Gerade auf kleinen Bühnen hilft der Filter zusätzlich dabei, Trittschall oder tieffrequente Geräusche vom Mikrofonständer zu reduzieren.
Hochpassfilter bei Akustikgitarre
Eine Akustikgitarre produziert deutlich mehr Tieftonanteile, als sie im Bandkontext häufig benötigt. Besonders über einen Piezo-Tonabnehmer kann der untere Frequenzbereich schnell mächtig wirken.
Im Zusammenspiel mit Bass und Kickdrum kann ein Hochpassfilter deshalb Platz schaffen. Ein Startpunkt zwischen ungefähr 70 und 120 Hz funktioniert häufig gut. Solo gespielt darf die Gitarre dagegen mehr Tiefen behalten. Deshalb kann eine Einstellung, die im Bandmix hervorragend funktioniert, bei einem Solokonzert bereits zu dünn wirken. Das verdeutlicht einen wichtigen Grundsatz beim Live-Mixing: Ein Instrument sollte nicht ausschließlich solo beurteilt werden, sondern im Kontext des gesamten Mixes.
Braucht eine E-Gitarre einen Low Cut?
Auch bei der E-Gitarre kann ein Hochpassfilter sinnvoll sein. Viele Gitarrenboxen erzeugen zwar ohnehin keinen ausgeprägten Subbass, dennoch können tieffrequente Bühnenvibrationen oder Resonanzen über das Mikrofon aufgenommen werden. Ein moderater Low Cut kann deshalb den unteren Frequenzbereich aufräumen und Platz für Bass und Kick schaffen.
Besonders bei mehreren Gitarren wird ein Mix dadurch oftmals definierter. Allerdings gilt auch hier: Wird zu hoch gefiltert, kann das Gitarrensignal an Druck verlieren.
Hochpassfilter bei Kickdrum – widerspricht sich das nicht?
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich, ausgerechnet bei einer Kickdrum tiefe Frequenzen abzuschneiden. Tatsächlich gibt es jedoch einen Bereich unterhalb des musikalisch relevanten Tiefbassanteils, der für den Mix kaum Nutzen bringt.
Je nach Kickdrum, Mikrofonierung und Musikstil kann deshalb ein sehr tief angesetzter Hochpassfilter beispielsweise zwischen etwa 25 und 40 Hz sinnvoll sein. Dadurch können extrem tiefe Signalanteile reduziert werden, ohne dass der eigentliche Druck der Kick verloren geht. Wie EQ, Kompressor und weitere Bearbeitungsschritte zusammenspielen, erklären wir ausführlicher in unserem Tutorial Kickdrum live mischen: EQ, Kompressor und Effekte am Mischpult.
Braucht auch der Bass einen Hochpassfilter?
Ja – auch eine Bassgitarre kann von einem Hochpassfilter profitieren.
Ein E-Bass muss nicht zwingend bis in den tiefsten Subbassbereich übertragen werden. Extrem tiefe Frequenzen können Endstufen und Lautsprecher stark beanspruchen, obwohl sie musikalisch kaum zur Definition des Basssounds beitragen. Ein sehr tief gesetzter HPF kann diese Anteile reduzieren. Werte um etwa 30 bis 50 Hz können als Ausgangspunkt dienen, sollten jedoch immer an Instrument, Stimmung, Spielweise und PA-System angepasst werden. Gerade bei einem fünfsaitigen Bass ist Vorsicht erforderlich, weil dessen tiefe H-Saite einen Grundton um 31 Hz erzeugt. Ein zu hoch angesetzter Hochpassfilter kann deshalb den Charakter des Instruments deutlich verändern.
Weitere Tipps findest du in unserem Tutorial Bass live abmischen: So sitzt die Bassgitarre im Live-Mix.
Overheads mit Hochpassfilter bearbeiten
Bei Drum-Overheads hängt die richtige Einstellung stark davon ab, welche Aufgabe die Mikrofone übernehmen.
Sollen die Overheads hauptsächlich Becken übertragen, kann ein relativ hoher Hochpassfilter sinnvoll sein. Soll dagegen das gesamte Schlagzeug einschließlich eines natürlichen Raum- und Kesselanteils über die Overheads abgebildet werden, sollte der Filter tiefer angesetzt werden. Aus diesem Grund können Werte von etwa 80 bis 150 Hz gleichermaßen sinnvoll sein.
Auch hier entscheidet der musikalische Kontext.
Flankensteilheit: Was bedeuten 6, 12, 18 oder 24 dB pro Oktave?
Neben der Grenzfrequenz bestimmt die Flankensteilheit, wie stark ein Hochpassfilter tiefe Frequenzen reduziert. Eine Angabe von beispielsweise 12 dB/Oktave bedeutet, dass das Signal eine Oktave unterhalb der Filterfrequenz theoretisch um weitere 12 dB abgeschwächt wird. Ein Filter mit 24 dB/Oktave greift entsprechend deutlich steiler ein als ein Filter mit 6 dB/Oktave.
6 dB/Oktave
Ein relativ sanfter Filter. Der Übergang erfolgt allmählich und kann deshalb klanglich sehr unauffällig wirken.
12 dB/Oktave
Eine häufig anzutreffende Charakteristik, die bereits deutlich aufräumt, ohne extrem steil einzugreifen.
18 oder 24 dB/Oktave
Diese Filter wirken wesentlich konsequenter. Sie werden beispielsweise eingesetzt, wenn Frequenzbereiche klarer voneinander getrennt werden sollen. Je steiler ein Filter arbeitet, desto deutlicher können allerdings auch Auswirkungen im Bereich seiner Grenzfrequenz werden. Deshalb sollte nicht automatisch die größtmögliche Flankensteilheit gewählt werden.
Hochpassfilter und Frequenzweiche – wo liegt der Unterschied?
Ein Hochpassfilter ist grundsätzlich ein Filtertyp und kann auch Bestandteil einer Frequenzweiche sein. Trotzdem erfüllen beide Anwendungen in einer PA unterschiedliche Aufgaben. Der Hochpassfilter eines Mischpultkanals soll meistens unerwünschte tiefe Signalanteile eines einzelnen Eingangssignals reduzieren. Eine Frequenzweiche teilt dagegen das Audiosignal eines gesamten Lautsprechersystems in verschiedene Frequenzbereiche auf. Beispielsweise erhält ein Subwoofer die tiefen Frequenzen, während Topteile erst oberhalb einer bestimmten Übergangsfrequenz arbeiten.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Behringer CX3400 V2, die verschiedene Filter zur Aufteilung eines PA-Systems bereitstellt. Mehr dazu findest du in unserem Behringer CX3400 V2 Test.
Hochpassfilter gegen Feedback – funktioniert das?
Ein Hochpassfilter ist kein klassischer Feedback-Killer.
Feedback entsteht, wenn ein über Lautsprecher wiedergegebenes Signal erneut vom Mikrofon aufgenommen, verstärkt und erneut ausgegeben wird. Entscheidend sind dabei unter anderem Mikrofonposition, Lautsprecherposition, Raumakustik, Verstärkung und Frequenzgang. Ein Low Cut kann jedoch helfen, wenn tieffrequentes Feedback oder starke Resonanzen im unteren Frequenzbereich auftreten. Außerdem wird unnötige tieffrequente Energie reduziert, die ansonsten den gesamten Signalweg belastet.
Bei Feedbackproblemen sollte der Hochpassfilter deshalb nur ein Teil der Lösung sein.
Weitere Maßnahmen erklären wir in unserem Beitrag Feedback im Proberaum: Ursachen verstehen und vermeiden.
Hochpassfilter und Gain-Staging
Ein Hochpassfilter ersetzt kein korrektes Gain-Staging. Beide Maßnahmen ergänzen sich jedoch.
Zuerst sollte das Eingangssignal sauber eingepegelt werden. Anschließend kannst du mit dem HPF unnötige Frequenzen entfernen und danach weitere EQ-Korrekturen oder Dynamikbearbeitungen durchführen. Ein sauberer Signalweg reduziert die Gefahr von Übersteuerungen und verbessert gleichzeitig den nutzbaren Headroom.
Wie du Pegel innerhalb einer Signalkette korrekt einstellst, erklären wir ausführlich in Was versteht man unter Gain-Staging?.
Entlastet ein Hochpassfilter die PA?
Ein sinnvoll gesetzter Hochpassfilter kann tatsächlich dazu beitragen, unnötige Tieftonenergie aus dem Signalweg zu entfernen.
Tiefe Frequenzen benötigen vergleichsweise viel Leistung und Membranhub. Enthält ein Mikrofon beispielsweise große Mengen an Trittschall oder Rumpeln unterhalb des musikalisch benötigten Bereichs, muss das Lautsprechersystem diese Signale trotzdem wiedergeben. Das kann insbesondere bei kleinen PA-Systemen unnötig Reserven kosten. Ein HPF ist allerdings kein Ersatz für Limiter, korrekt dimensionierte Endstufen oder ein professionelles Lautsprechermanagement. Wer seine gesamte PA schützen und optimal betreiben möchte, sollte auch die Grundlagen von Pegelstruktur und Systemabstimmung berücksichtigen.
Dazu passen unsere Tutorials Was bedeutet Clipping? Ursachen, Folgen und Schutz für PA-Anlagen sowie PA-Anlage einmessen: Schritt-für-Schritt-Tutorial.
Wo sollte der Hochpassfilter im Signalweg sitzen?
In vielen Mischpulten sitzt der Hochpassfilter früh im Kanalzug. Das ist sinnvoll, weil unerwünschte Tieffrequenzanteile dadurch bereits vor weiteren Bearbeitungsschritten reduziert werden. Bei digitalen Mischpulten kann die interne Signalreihenfolge teilweise verändert oder unterschiedlich umgesetzt sein. Grundsätzlich ist es sinnvoll, störende Signalanteile möglichst früh zu entfernen. Dann gelangen sie beispielsweise gar nicht erst unnötig in Kompressoren. Das ist besonders relevant, weil ein Kompressor auf starke tieffrequente Signalanteile reagieren kann, obwohl diese im eigentlichen Mix kaum benötigt werden. Ein Trittschallimpuls könnte dann beispielsweise die Kompression der gesamten Stimme auslösen.
Low Cut und Kompressor richtig kombinieren
Stell dir vor, ein Sänger berührt während des Auftritts mehrfach den Mikrofonständer. Dadurch entstehen kräftige tieffrequente Impulse. Befindet sich kein Hochpassfilter vor dem Kompressor, können diese tiefen Signalspitzen dessen Detector ansprechen. Der Kompressor reduziert dann unter Umständen kurzfristig den gesamten Gesangskanal. Mit einem passend eingestellten HPF lassen sich solche unnötigen Bassanteile bereits vorher reduzieren. Deshalb solltest du EQ, Filter und Dynamikbearbeitung nicht als isolierte Werkzeuge betrachten.
Die häufigsten Fehler beim Einstellen eines Hochpassfilters
Die gleiche Frequenz für jeden Kanal verwenden
Eine pauschale Einstellung von beispielsweise 100 Hz auf allen Kanälen ist selten optimal. Eine Stimme, eine Kickdrum und eine Bassgitarre haben vollkommen unterschiedliche Anforderungen.
Den Filter ausschließlich nach Zahlen einstellen
Tabellen können hilfreich sein, ersetzen aber nicht das Gehör. Entscheidend ist immer, welche Frequenzanteile für das jeweilige Signal tatsächlich benötigt werden.
Den Low Cut zu hoch einstellen
Das Signal wirkt zunächst möglicherweise besonders sauber. Im kompletten Mix kann es anschließend jedoch an Fundament und Natürlichkeit fehlen.
Bass und Kick grundsätzlich ungefiltert lassen
Auch bei tiefen Instrumenten existieren Frequenzbereiche, die musikalisch kaum benötigt werden. Ein sehr tief eingestellter HPF kann deshalb durchaus sinnvoll sein.
Hochpassfilter mit einem Low-Shelf-EQ verwechseln
Ein Low-Shelf-EQ hebt oder senkt einen breiten Tieftonbereich ab einer bestimmten Frequenz. Ein Hochpassfilter reduziert Frequenzen dagegen zunehmend, je weiter sie unterhalb seiner Grenzfrequenz liegen. Beide Werkzeuge können daher völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Hochpassfilter richtig einstellen: praktische Vorgehensweise
Wenn du nicht weißt, welche Grenzfrequenz du wählen sollst, kannst du dich schrittweise herantasten. Aktiviere zunächst den Hochpassfilter und beginne mit einer niedrigen Grenzfrequenz. Erhöhe die Frequenz anschließend langsam, während das Signal im Mix läuft. Achte dabei darauf, wann das Instrument oder die Stimme hörbar an Körper verliert. Sobald dieser Punkt erreicht ist, reduzierst du die Grenzfrequenz wieder etwas. Anschließend solltest du die Einstellung im kompletten Bandmix überprüfen.
Diese Methode ist in der Praxis häufig sinnvoller als die Frage, welcher exakte Zahlenwert für ein bestimmtes Instrument „richtig“ ist.
Wann sollte man keinen Hochpassfilter einsetzen?
Ein Low Cut ist kein Pflichtprogramm für jeden Kanal.
Wenn das Signal bereits sauber ist und seine tiefen Frequenzen musikalisch benötigt werden, kann der Filter ausgeschaltet bleiben. Das kann beispielsweise bei elektronischen Basssounds, bestimmten Synthesizern, Orgeln, tief gestimmten Instrumenten oder speziellen Soundeffekten der Fall sein. Entscheidend ist daher nicht die Regel „Jeder Kanal bekommt einen HPF“, sondern die Frage:
Enthält dieser Kanal tiefe Frequenzen, die ich für den Mix tatsächlich brauche?
Wenn nicht, lohnt sich ein Hochpassfilter meistens.
Fazit: Der Low Cut ist eines der einfachsten Werkzeuge für einen sauberen Mix
Wer einen Hochpassfilter richtig einstellen kann, benötigt für einen aufgeräumteren Live-Mix häufig weniger drastische EQ-Eingriffe. Der Low Cut entfernt unnötige tiefe Frequenzen, reduziert Rumpeln und Trittschall und schafft gleichzeitig Raum für Bass und Kickdrum.
Besonders bei Vocals, Sprache, Gitarren und vielen Drum-Mikrofonen ist er deshalb eines der ersten Werkzeuge, das ich beim Aufbau eines Mixes prüfen würde.
Allerdings gibt es keine universell richtige Grenzfrequenz. Tabellenwerte sind lediglich Ausgangspunkte. Entscheidend bleibt das Gehör und die Frage, welche tiefen Frequenzanteile das jeweilige Signal im gesamten Mix tatsächlich benötigt.
FAQ: Häufige Fragen zum Hochpassfilter
Was ist ein Hochpassfilter?
Ein Hochpassfilter lässt hohe Frequenzen passieren und dämpft Frequenzen unterhalb einer eingestellten Grenzfrequenz. Er wird im Audiobereich häufig auch Low Cut oder HPF genannt.
Sind Low Cut und Hochpassfilter dasselbe?
Ja. Im Audiobereich bezeichnen Low Cut und High Pass Filter normalerweise dieselbe Filterfunktion. „Low Cut“ beschreibt, was entfernt wird, während „High Pass“ beschreibt, welche Frequenzen passieren dürfen.
Welche Low-Cut-Frequenz eignet sich für Gesang?
Als Ausgangspunkt können etwa 70 bis 120 Hz sinnvoll sein. Die optimale Einstellung hängt jedoch von Stimme, Mikrofon, Besprechungsabstand und musikalischem Kontext ab.
Sollte man bei jedem Mikrofon einen Hochpassfilter einschalten?
Nein. Ein Hochpassfilter sollte nur eingesetzt werden, wenn tiefe Frequenzen vorhanden sind, die für das Signal nicht benötigt werden oder störend wirken.
Braucht eine Kickdrum einen Hochpassfilter?
Ein sehr tief angesetzter Hochpassfilter kann sinnvoll sein, um nicht benötigte Subbassanteile beispielsweise unterhalb von etwa 25 bis 40 Hz zu reduzieren. Die optimale Einstellung hängt von Kick, Mikrofon und Musikstil ab.
Kann man einen Hochpassfilter beim Bass verwenden?
Ja. Ein sehr tief eingestellter HPF kann unnötige Subbassanteile entfernen. Bei tief gestimmten Instrumenten oder fünfsaitigen Bässen sollte die Grenzfrequenz allerdings besonders sorgfältig gewählt werden.
Hilft ein Low Cut gegen Feedback?
Ein Hochpassfilter kann tieffrequente Rückkopplungen und Resonanzen reduzieren, ist aber kein allgemeines Mittel gegen Feedback. Mikrofon- und Lautsprecherpositionierung sowie korrektes Gain-Staging bleiben entscheidend.
Was bedeutet 12 dB/Oktave beim Hochpassfilter?
Die Angabe beschreibt die Flankensteilheit des Filters. Bei 12 dB/Oktave wird das Signal mit jeder Oktave unterhalb der Grenzfrequenz theoretisch um weitere 12 dB abgeschwächt.
Was ist der Unterschied zwischen Hochpassfilter und Low-Shelf-EQ?
Ein Low Shelf hebt oder senkt einen Tieftonbereich relativ gleichmäßig. Ein Hochpassfilter dämpft Frequenzen dagegen zunehmend stärker, je weiter sie unterhalb der eingestellten Grenzfrequenz liegen.
Wo stelle ich den Hochpassfilter am Mischpult ein?
Bei analogen Mischpulten gibt es häufig einen festen HPF- beziehungsweise Low-Cut-Schalter. Digitale Mischpulte bieten meist eine variable Grenzfrequenz und teilweise zusätzlich eine wählbare Flankensteilheit.


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