Ein Konzert lebt nicht ausschließlich von der Musik auf der Bühne. Applaus, Mitsingen, Zurufe und die Akustik des Veranstaltungsortes prägen das Erlebnis mindestens ebenso stark. Fehlen diese Elemente bei einem Live-Mitschnitt, klingt selbst eine technisch hervorragende Mehrspuraufnahme manchmal erstaunlich trocken. Die Band ist klar zu hören, sämtliche Instrumente sind sauber voneinander getrennt, aber die besondere Atmosphäre des Auftritts ist kaum noch vorhanden. Genau hier kommen Publikumsmikrofone ins Spiel.
Wer Publikumsmikrofone richtig aufstellen möchte, sollte allerdings nicht einfach zwei Mikrofone in Richtung Zuschauer richten und die Kanäle am Mischpult öffnen. Denn je nach Veranstaltungsort, PA-System und Mikrofonposition wird möglicherweise mehr Beschallungsschall als eigentliche Publikumsreaktion aufgezeichnet. Außerdem spielen Richtcharakteristik, Stereoanordnung, Laufzeit und Signalführung eine wichtige Rolle. Publikumsmikrofone sind darüber hinaus nicht nur für Konzertmitschnitte interessant. Auch beim In-Ear-Monitoring können sie dafür sorgen, dass sich Musiker stärker mit dem Publikum verbunden fühlen. In diesem Tutorial erklären wir, welche Mikrofone sich eignen, wo sie positioniert werden sollten und wie aus einem trockenen Live-Recording ein atmosphärischer Konzertmitschnitt wird.
Kurzinfo auf einen Blick
Publikumsmikrofone nehmen Applaus, Mitsingen, Raumklang und die Atmosphäre eines Konzerts auf. Für Live-Recording eignen sich häufig zwei Mikrofone als Stereopaar, etwa seitlich an der Bühnenfront oder am FOH-Platz. Entscheidend sind ihre Ausrichtung, der Abstand zur PA und ein separater Aufnahmeweg. Für In-Ear-Monitoring sollte die Ambience dezent zugemischt, aber normalerweise nicht auf die Saal-PA geschickt werden.
Was sind Publikumsmikrofone und wofür werden sie benötigt?
Publikumsmikrofone, häufig auch als Audience-Mics oder Crowd-Mics bezeichnet, sind Mikrofone, mit denen die Reaktionen des Publikums während einer Veranstaltung aufgenommen werden. Dabei geht es nicht darum, einzelne Zuschauer möglichst deutlich verständlich zu machen. Vielmehr soll die Gesamtheit des Publikums als atmosphärischer Bestandteil einer Konzertaufnahme erfasst werden.
Ein klassisches Einsatzgebiet ist das Live-Recording. Werden sämtliche Instrumente und Gesangsstimmen über die Mikrofone und DI-Boxen der Bühne als separate Spuren aufgezeichnet, enthält die Aufnahme häufig nur einen begrenzten Anteil des Publikums. Besonders bei weitgehend direkt abgenommenen Instrumenten entsteht dadurch ein sehr kontrolliertes, aber möglicherweise wenig räumliches Klangbild.
Publikumsmikrofone ergänzen diese Signale durch Applaus, Zurufe, Mitsingen und die natürliche Akustik des Veranstaltungsortes. So lässt sich später im Recording-Mix bestimmen, wie stark die Konzertatmosphäre wahrnehmbar sein soll.
Die technischen Grundlagen einer solchen Mehrspuraufnahme, einschließlich Direct-Outs, USB-Recording und Mikrofonsplitting, erklären wir bereits in unserem Beitrag Live-Recording vom Gig erzeugen: Split, Direct-Outs und Multitrack. Hier beschäftigen wir uns gezielt mit der zusätzlichen Mikrofonierung von Publikum und Raum.
Publikumsmikrofone und Raummikrofone: Wo liegt der Unterschied?
Die Begriffe Publikumsmikrofon, Raummikrofon und Ambient-Mikrofon werden in der Praxis teilweise synonym verwendet. Ihre Aufgaben unterscheiden sich jedoch.
Ein Publikumsmikrofon soll vor allem die akustischen Reaktionen der Zuschauer erfassen. Deshalb wird es häufig in Richtung Publikum ausgerichtet. Ein Raummikrofon dient dagegen stärker dazu, den Gesamtklang des Veranstaltungsortes einschließlich seiner Reflexionen und seines Nachhalls aufzunehmen. Ambient-Mikrofon ist ein allgemeinerer Begriff. Er beschreibt zunächst ein Mikrofon, das Umgebungsgeräusche beziehungsweise die Atmosphäre einer bestimmten Situation erfasst.
Je nach Position können dieselben Mikrofone mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Ein Stereopaar am FOH-Platz nimmt beispielsweise einen großen Teil des Saalklangs, die Beschallungsanlage und die Reaktionen des Publikums auf. Zwei nach außen gerichtete Mikrofone an der Bühnenfront konzentrieren sich dagegen häufig stärker auf die Zuschauer. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil unterschiedliche Aufgaben auch verschiedene Mikrofonpositionen erfordern.
Warum Live-Aufnahmen ohne Publikumsmikrofone oft trocken klingen
Bei einer modernen Konzertproduktion werden viele Instrumente direkt oder mit geringem Mikrofonabstand abgenommen. Gesangsmikrofone befinden sich nahe am Mund, Gitarrenverstärker werden häufig direkt vor dem Lautsprecher mikrofoniert und elektronische Instrumente gelangen über DI-Boxen oder Line-Eingänge ins Mischpult.
Das besitzt zahlreiche Vorteile. Die einzelnen Signale lassen sich gut kontrollieren und beim späteren Mischen unabhängig bearbeiten. Allerdings enthalten sie nur einen begrenzten Anteil des eigentlichen Publikums. Hinzu kommt, dass der FOH-Mix nicht automatisch mit dem idealen Recording-Mix identisch ist. Im Konzertsaal hören die Zuschauer schließlich auch den Direktschall der Instrumente, die akustischen Eigenschaften des Raumes und die Reaktionen der Menschen um sich herum.
Eine reine Mischpultaufnahme kann deshalb eine andere Instrumentenbalance besitzen als das tatsächliche Klangerlebnis im Publikum. Besonders in kleinen Clubs spielt die akustische Bühnenlautstärke eine große Rolle. Welche Aufgaben der Live-Mischplatz erfüllt und warum der Saalsound nicht mit einer Studioaufnahme gleichgesetzt werden sollte, erklären wir in unserem Tutorial Was bedeutet FOH? Front of House erklärt.
Publikum als eigenständige Klangquelle behandeln
Für einen gelungenen Live-Mitschnitt sollte das Publikum nicht einfach als störender Hintergrund betrachtet werden. Applaus und Mitsingen besitzen eine eigene Dynamik, eine räumliche Verteilung und häufig einen hohen emotionalen Wert.
Besonders zwischen zwei Songs kann die Reaktion der Zuschauer die Atmosphäre eines Konzerts vermitteln. Während der Musik reichen dagegen häufig geringe Pegelanteile aus, damit sich die Aufnahme nicht vollständig vom Veranstaltungsraum löst. Das bedeutet allerdings nicht, dass Publikumsmikrofone grundsätzlich möglichst laut gemischt werden sollten. Ein zu hoher Raumanteil kann Instrumente undeutlich machen, die Stereoabbildung verschlechtern und den Gesamtklang verwaschen wirken lassen.
Entscheidend ist eine Mischung, die sowohl die musikalische Klarheit als auch die Atmosphäre des Konzerts erhält.
Welches Mikrofon eignet sich als Publikumsmikrofon?
Grundsätzlich können unterschiedliche Mikrofontypen eingesetzt werden. In professionellen Aufnahmesituationen kommen häufig Kleinmembran-Kondensatormikrofone zum Einsatz, weil sie eine detaillierte Wiedergabe und eine gute Eignung für Stereoanordnungen bieten. Allerdings sind sie nicht die einzige Möglichkeit. Auch dynamische Mikrofone können sinnvoll sein, insbesondere wenn das Setup robust und unkompliziert bleiben soll.
Wichtiger als der Preis eines Mikrofons sind die Positionierung, die Richtcharakteristik und die Frage, welche Klanganteile tatsächlich aufgenommen werden sollen.
Kondensatormikrofone für detaillierte Raumaufnahmen
Kleinmembran-Kondensatormikrofone sind eine verbreitete Wahl für Stereo- und Raummikrofonierung. Sie können ein breites Frequenzspektrum übertragen und besitzen je nach Modell ein kontrolliertes Richtverhalten. Besonders interessant sind zwei möglichst identische Mikrofone, die sich als Stereopaar betreiben lassen. Dadurch entstehen vergleichbare technische Bedingungen für den linken und rechten Kanal. Je nach Mikrofon werden dafür 48 Volt Phantomspeisung benötigt. Deshalb sollte bereits beim Line-Check geprüft werden, ob die entsprechende Stromversorgung aktiviert ist. Die Hintergründe behandeln wir in unserem Tutorial 48 Volt Phantomspeisung erklärt: Wann brauche ich Phantom Power?.
Bei sehr lauten Konzerten spielt zusätzlich der maximal zulässige Schalldruckpegel des Mikrofons eine Rolle. Besonders nahe an leistungsfähigen PA-Lautsprechern kann die Mikrofonkapsel beziehungsweise ihre Elektronik hohen Pegeln ausgesetzt sein.
Dynamische Mikrofone als einfache Alternative
Auch klassische dynamische Mikrofone lassen sich als Publikumsmikrofone verwenden. Sie sind häufig robust und benötigen bei konventioneller Tauchspulentechnik keine Phantomspeisung. Für eine dezente Publikumsatmosphäre im In-Ear-Mix kann ein solches Setup bereits gut funktionieren. Allerdings hängt die Qualität stark vom jeweiligen Mikrofon und seiner Ausrichtung ab. Ein dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik besitzt nicht automatisch eine geringere Empfindlichkeit gegenüber dem Schall einer PA-Anlage als ein Kondensatormikrofon mit vergleichbarer Richtwirkung. Die entscheidenden Faktoren bleiben Abstrahlcharakteristik, Position und Pegelverhältnisse.
Kugel, Niere oder Superniere: Welche Richtcharakteristik ist besser?
Die Richtcharakteristik bestimmt, aus welchen Richtungen ein Mikrofon Schall besonders stark beziehungsweise weniger stark aufnimmt.
Kugel: Mikrofone mit Kugelcharakteristik nehmen Schall aus unterschiedlichen Richtungen vergleichsweise gleichmäßig auf. Dadurch können sie sich für natürliche Raumatmosphäre eignen. Gleichzeitig lassen sich PA-Anteile oder Störgeräusche aus bestimmten Richtungen weniger gezielt unterdrücken. Niere: Mikrofone mit Nierencharakteristik besitzen ihre größte Empfindlichkeit nach vorne und eine deutliche Abschwächung nach hinten. Dadurch können sie auf bestimmte Publikumsbereiche ausgerichtet werden. Für viele Live-Setups sind sie eine flexible Ausgangslösung.
Superniere: Eine Superniere bietet eine stärkere seitliche Bündelung, besitzt jedoch eine rückwärtige Empfindlichkeitskeule. Deshalb muss auch der Schall berücksichtigt werden, der von hinten auf das Mikrofon trifft. Richtrohrmikrofon: Solche Mikrofone ermöglichen eine stärkere Bündelung, die allerdings frequenzabhängig ist. Sie können sinnvoll sein, wenn bestimmte Publikumsbereiche gezielt aufgenommen werden sollen. In stark reflektierenden Innenräumen kann ihre seitliche Klangfärbung jedoch Nachteile mit sich bringen.
Eine grundsätzlich beste Richtcharakteristik gibt es deshalb nicht. Für ein natürliches Stereobild können beispielsweise Nieren oder Kugeln interessant sein, während eine gezielte Publikumsaufnahme an einer lauten Bühne stärker gerichtete Mikrofone erfordern kann.
Publikumsmikrofone richtig aufstellen: Die besten Positionen
Die Positionierung ist einer der wichtigsten Faktoren für die spätere Aufnahmequalität. Bereits kleine Änderungen von Ausrichtung und Höhe können entscheiden, ob ein Mikrofon hauptsächlich Applaus, den Raum oder den Schall der PA erfasst. Im Wesentlichen haben sich drei unterschiedliche Ansätze etabliert.
Position 1: Zwei Publikumsmikrofone links und rechts an der Bühnenfront
Eine verbreitete Lösung besteht darin, zwei Mikrofone an den äußeren Bereichen der Bühnenfront zu positionieren und auf das Publikum auszurichten.
Der Vorteil liegt darin, dass die Mikrofone nahe an den Zuschauern platziert werden können. Dadurch lassen sich Applaus, Mitsingen und Publikumsreaktionen häufig gut erfassen. Besonders sinnvoll kann es sein, die Mikrofone so auszurichten, dass sie möglichst wenig Direktschall aus den Hauptlautsprechern aufnehmen. Dabei hilft es, das Abstrahlverhalten der verwendeten PA zu berücksichtigen. Die Mikrofone sollten allerdings nicht direkt vor den Schallöffnungen der Lautsprecher stehen. Auch ungünstige Positionen unmittelbar neben Subwoofern können zu hohen tieffrequenten Pegeln führen. Bei getrennt positionierten Mikrofonen entsteht eine breite Publikumsabbildung. Gleichzeitig können einzelne Zurufe oder Applausgeräusche deutlich einseitig erscheinen. Deshalb sollte das spätere Stereopanorama nicht automatisch maximal breit eingestellt werden.
Diese Position eignet sich besonders für Konzerte, bei denen die Reaktion der Zuschauer im Mittelpunkt steht.
Position 2: Ein Stereopaar am FOH-Platz
Eine andere Möglichkeit besteht darin, ein Stereopaar in der Nähe des FOH-Mischplatzes zu positionieren. Von dort lässt sich häufig ein Gesamtbild aus PA-Schall, Publikum und Raumakustik erfassen. Der wichtigste Unterschied zur Bühnenfront ist die Perspektive. Während nach außen gerichtete Bühnenmikrofone häufig stärker auf die Zuschauer fokussieren, liefert ein Stereopaar im Saal eher das Klangbild eines bestimmten Hörplatzes.
Für Konzertaufnahmen kann das interessant sein, weil ein Teil der tatsächlichen Raumwirkung erhalten bleibt. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass der Schall von der Bühne und von den PA-Lautsprechern erst mit einer gewissen Laufzeit am Mikrofon ankommt. Dadurch entstehen bei der Kombination mit direkt aufgenommenen Bühnensignalen zeitliche Unterschiede.
Auch die konkrete FOH-Position spielt eine Rolle. Befindet sich der Mischplatz unter einem tiefen Balkon oder unmittelbar an einer reflektierenden Wand, kann die Aufnahme stark von diesen akustischen Bedingungen geprägt werden.
Position 3: Raummikrofone im hinteren Zuschauerbereich
Bei größeren Hallen können zusätzliche Mikrofone im hinteren Saalbereich interessante Ergebnisse liefern. Sie nehmen mehr vom gesamten Raum und von der Reaktion des entfernten Publikums auf. Solche Signale können insbesondere für umfangreiche Live-Produktionen mit mehreren Raummikrofonpaaren nützlich sein. Allerdings steigt mit größerer Entfernung häufig auch der Anteil des indirekten Schalls. Ein langer Nachhall kann die Verständlichkeit und Impulswiedergabe beeinträchtigen, wenn er später zu stark zugemischt wird. Außerdem können sich die Laufzeitunterschiede gegenüber den Bühnensignalen deutlich vergrößern. Deshalb empfiehlt es sich, solche Mikrofone als separate Spuren aufzunehmen und ihren Einsatz erst beim späteren Mixing zu beurteilen.
Wie hoch sollten Publikumsmikrofone stehen?
Eine universelle Montagehöhe gibt es nicht. Entscheidend sind die Sichtlinien zum Publikum, die Entfernung zu einzelnen Zuschauern und mögliche Abschattungen. Steht ein Mikrofon sehr niedrig, können einzelne Personen direkt davor die Aufnahme dominieren. Eine höhere Position kann helfen, einen größeren Publikumsbereich gleichmäßiger zu erfassen. Zu hoch sollte das Mikrofon jedoch ebenfalls nicht unüberlegt montiert werden, da es dann möglicherweise stärker Deckenreflexionen oder den diffusen Raumanteil aufnimmt.
Praktisch empfiehlt sich, zunächst einen sicheren, leicht erhöhten Standort zu wählen und anschließend das Verhältnis zwischen Publikumsreaktion und PA-Schall zu überprüfen. Bei hoch montierten Mikrofonen müssen Stative, Klemmen und Kabel zusätzlich gegen Umfallen beziehungsweise Herabfallen gesichert werden. Fluchtwege, Publikumsbereiche und Sicherheitsvorgaben des Veranstaltungsortes haben dabei immer Vorrang.
Stereo-Aufnahme mit Publikumsmikrofonen: XY, ORTF oder AB?
Ein einzelnes Publikumsmikrofon kann bereits ausreichend sein, um Applaus und Raumanteile einzufangen. Zwei Mikrofone eröffnen jedoch die Möglichkeit einer räumlichen Stereodarstellung. Die wichtigsten Unterschiede ergeben sich aus der Anordnung der Mikrofone und der Art, wie die linke und rechte Aufnahme voneinander abweichen.
XY-Stereofonie: Kompakt und gut monokompatibel
Bei der XY-Technik werden zwei gerichtete Mikrofone mit möglichst dicht beieinanderliegenden Kapseln in einem definierten Winkel zueinander angeordnet. Das Stereobild entsteht überwiegend durch Pegelunterschiede zwischen den beiden Kanälen. Größere Laufzeitunterschiede zwischen den Mikrofonen werden durch die nahe Kapselposition vermieden. Dadurch besitzt XY in der Regel eine gute Monokompatibilität. Gerade für Videoaufnahmen oder Streamingproduktionen kann das ein Vorteil sein, weil die Aufnahme später möglicherweise auch über Smartphones oder einzelne Lautsprecher wiedergegeben wird.
Die empfundene Stereobreite hängt vom verwendeten Winkel, den Richtcharakteristiken und der Position des Mikrofonpaares ab.
ORTF: Räumliches Stereobild mit zwei Nieren
Die ORTF-Technik kombiniert Pegel- und Laufzeitunterschiede zwischen zwei Mikrofonen. Klassischerweise werden dafür zwei Nierenmikrofone in einem Winkel von 110 Grad mit einem Kapselabstand von 17 Zentimetern angeordnet. Diese Anordnung kann eine natürliche räumliche Abbildung ermöglichen und eignet sich unter anderem für Stereo-Raumaufnahmen. Allerdings ist ORTF nicht automatisch die beste Wahl für jedes Publikumsmikrofon-Setup. Wenn das Ziel beispielsweise darin besteht, zwei weit voneinander entfernte Zuschauerbereiche an der Bühnenfront zu erfassen, ist eine klassische ORTF-Anordnung möglicherweise nicht sinnvoll.
Für ein zusammenhängendes Stereobild an einem zentralen Aufnahmepunkt kann sie dagegen sehr interessant sein.
AB-Stereofonie: Breiter Raumklang durch Mikrofonabstand
Bei der AB-Technik werden zwei Mikrofone mit einem größeren räumlichen Abstand zueinander eingesetzt. Dadurch entstehen insbesondere Laufzeitunterschiede zwischen den beiden Kanälen. AB kann eine breite und atmosphärische Raumabbildung erzeugen. Allerdings kann die Monokompatibilität stärker eingeschränkt sein als bei einem XY-Paar. Werden die Signale später zusammengemischt, können abhängig von Mikrofonposition und Schallquelle frequenzabhängige Auslöschungen auftreten. Bei sehr weit auseinanderliegenden Publikumsmikrofonen sollte darüber hinaus geprüft werden, ob einzelne Publikumsgeräusche unnatürlich stark auf einer Seite erscheinen.
Welche Stereoanordnung eignet sich für welchen Zweck?
| Ziel der Aufnahme | Mögliche Anordnung | Wichtiger Vorteil |
|---|---|---|
| Kompakte Stereo-Raumaufnahme | XY | Gute Monokompatibilität |
| Natürlich wirkende Stereo-Atmosphäre | ORTF | Kombination aus Pegel- und Laufzeitunterschieden |
| Breite Raumabbildung | AB | Ausgeprägte räumliche Wirkung |
| Gezielte Publikumsreaktionen | Zwei getrennte Bühnenfront-Mikrofone | Hoher Publikumsanteil |
| Kompakter In-Ear-Ambience-Mix | Ein Mikrofon oder ein Stereopaar | Einfache Integration |
Die Tabelle ist als Orientierung gedacht. Entscheidend bleibt, was die Mikrofone am gewählten Standort tatsächlich aufnehmen.
Publikumsmikrofone anschließen: So gelingt das Routing am Digitalmischpult
Damit die zusätzlichen Mikrofone später sinnvoll verwendet werden können, muss ihr Signal gezielt verteilt werden. Ein Publikumsmikrofon sollte normalerweise nicht einfach wie ein zusätzliches Gesangsmikrofon auf den Main-L/R-Bus gelegt werden. Schließlich würde das Publikumssignal dann wieder über die Beschallungsanlage in denselben Raum abgestrahlt, aus dem es gerade aufgenommen wird. Dadurch kann eine akustische Rückkopplungsschleife entstehen. Außerdem würden unkontrollierte Raum- und Publikumsanteile den FOH-Mix verändern.
Stattdessen sollten die Signale ausschließlich dorthin geleitet werden, wo sie tatsächlich benötigt werden: in die Aufnahme, gegebenenfalls in den Streaming-Mix und auf ausgewählte In-Ear-Monitorwege.
Beispiel: Zwei Publikumsmikrofone am Digitalmischpult
Angenommen, eine Band verwendet ein Digitalmischpult mit frei konfigurierbarem Routing. Sämtliche Instrumente und Gesangssignale befinden sich bereits auf den regulären Eingangskanälen. Die beiden Publikumsmikrofone werden nun auf zwei freie Kanäle gelegt, beispielsweise Kanal 17 und 18.
Für diese Kanäle kann folgende Signalverteilung eingerichtet werden:
| Signalweg | Einstellung | Ziel |
|---|---|---|
| Eingang 17 | Audience Left | Linkes Publikumsmikrofon |
| Eingang 18 | Audience Right | Rechtes Publikumsmikrofon |
| Main L/R | Nicht zugewiesen | Kein Publikumssignal auf der Saal-PA |
| Recording | Beide Kanäle separat | Unabhängige Bearbeitung in der DAW |
| Streaming-Mix | Bei Bedarf zugemischt | Live-Atmosphäre für Zuschauer im Stream |
| In-Ear-Busse | Dezenter Pre-Fader-Anteil | Publikum und Raum für Musiker hörbar machen |
Diese Konfiguration setzt voraus, dass das jeweilige Mischpult unabhängige Kanalzuweisungen beziehungsweise passende Direct-Outs bietet. Bei der Aufnahme über USB muss außerdem geprüft werden, an welcher Stelle der Signalkette das Signal abgegriffen wird. Für die spätere Bearbeitung sind unbearbeitete beziehungsweise weitgehend unbearbeitete Spuren häufig besonders sinnvoll.
Ausführliche Informationen zur Signalverteilung bietet unser Tutorial Mischpult-Routing erklärt: AUX, Subgruppen, DCA und Matrix im Live-Einsatz.
Publikumsmikrofone über einen Mikrofonsplitter verteilen
Arbeiten FOH, Monitoring und Recording mit unterschiedlichen Mischpulten, können auch Publikumsmikrofone über einen geeigneten Splitter verteilt werden. Dadurch erhalten beispielsweise das Monitorpult und die Recording-Technik eigene Signale. Wie bei allen Mikrofonsignalen muss allerdings geklärt werden, welches Gerät die Vorverstärkung beziehungsweise Phantomspeisung übernimmt. Besonders bei digitalen Setups mit gemeinsam verwendeten Vorverstärkern können Gain-Änderungen Auswirkungen auf mehrere Systeme besitzen.
Warum diese Zuständigkeiten wichtig sind, erklären wir ausführlich in Mikrofonsplitter richtig einsetzen: FOH, Monitoring und Gain-Sharing erklärt.
Publikumsmikrofone richtig einpegeln: Gain, Hochpassfilter und Bearbeitung
Der Eingangspegel muss so eingestellt werden, dass auch besonders laute Publikumsreaktionen ohne Übersteuerung aufgezeichnet werden. Eine typische Situation ist der Unterschied zwischen einem ruhigen Song und dem anschließenden Applaus. Während der Musik liefert ein weiter entferntes Publikumsmikrofon möglicherweise einen vergleichsweise moderaten Pegel. Bei einem plötzlichen gemeinsamen Jubel kann der Pegel jedoch deutlich ansteigen. Deshalb sollte genügend Headroom vorhanden sein. Bei einer 24-Bit-Mehrspuraufnahme ist es normalerweise nicht erforderlich, den digitalen Aufnahmepegel möglichst dicht an 0 dBFS heranzuführen.
Hochpassfilter gegen tieffrequente Störungen
Ein Hochpassfilter kann sinnvoll sein, um unnötige tieffrequente Signalanteile zu entfernen. Besonders an Bühnenfronten gelangen häufig starke Bassanteile der PA und des Subwoofersystems in die Mikrofone. Wenn die Publikumsmikrofone hauptsächlich Applaus und Mitsingen aufnehmen sollen, kann eine deutliche Reduzierung der tiefen Frequenzen helfen, den Mix übersichtlicher zu halten. Ein Ausgangspunkt kann beispielsweise im Bereich von etwa 100 bis 200 Hz liegen. Der tatsächlich sinnvolle Wert hängt jedoch von Mikrofontyp, Position und dem gewünschten Klangbild ab. Soll ein Mikrofonpaar dagegen die vollständige Raumakustik eines Konzerts erfassen, könnte ein zu hoch angesetzter Hochpassfilter wichtige Informationen entfernen.
Kompressor, Gate oder Automationen?
Eine starke Kompression ist bei Publikumsmikrofonen nicht automatisch sinnvoll. Werden leise Raumanteile relativ stark angehoben, kann der Mix schnell unruhig wirken. Auch ein hart eingestelltes Noise-Gate kann problematisch sein. Öffnet es erst bei starkem Applaus, wirken die Übergänge zwischen Musik und Publikumsreaktion möglicherweise unnatürlich. Für eine spätere Konzertproduktion sind Pegelautomationen häufig die bessere Lösung. Damit lässt sich beispielsweise das Publikum während eines Songs dezent im Hintergrund halten und in den Pausen deutlich stärker hervorheben.
Welche Auswirkungen Threshold, Ratio, Attack und Release besitzen, erklären wir im Tutorial Kompressor richtig einstellen: Threshold, Ratio, Attack und Release.
Laufzeit und Phasenlage: Warum Publikumsmikrofone verzögert klingen können
Ein besonders wichtiger Aspekt bei Konzertaufnahmen ist die Laufzeit des Schalls. Während ein direkt angeschlossenes Keyboard oder ein nah mikrofonierter Gitarrenverstärker nahezu ohne zusätzliche akustische Entfernung im Recorder ankommt, muss der Schall der PA zunächst den Weg bis zum Publikumsmikrofon zurücklegen.
Bei einer angenommenen Schallgeschwindigkeit von ungefähr 343 Metern pro Sekunde ergibt sich eine Laufzeit von rund 2,9 Millisekunden pro Meter. Befindet sich ein Mikrofon beispielsweise ungefähr 15 Meter von der relevanten Schallquelle entfernt, entspricht das einer akustischen Laufzeit von etwa 44 Millisekunden. Dieses Beispiel berücksichtigt noch keine zusätzlichen Verzögerungen durch digitale Signalverarbeitung oder unterschiedliche Schallwege. Wird das verzögerte Signal anschließend mit den direkten Bühnensignalen kombiniert, können Impulse doppelt wahrnehmbar werden. In anderen Fällen entstehen frequenzabhängige Veränderungen durch die Überlagerung ähnlicher Signale.
Sollte man Publikumsmikrofone zeitlich korrigieren?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ein gewisser Abstand zwischen direktem Signal und Raumanteil gehört schließlich zum natürlichen Klangerlebnis eines Konzerts. Bei stark hörbarem Übersprechen von Snare oder Kickdrum kann eine zeitliche Korrektur jedoch sinnvoll sein. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass das Signal eines entfernten Publikumsmikrofons gegenüber den direkten Spuren häufig später ankommt.
In der Postproduktion lässt sich deshalb beispielsweise die Ambience-Spur zeitlich nach vorne verschieben, um bestimmte Signalanteile besser auszurichten. Alternativ können die direkten Spuren entsprechend verzögert werden. Allerdings kann eine zu starke Korrektur auch die natürliche Raumwirkung verändern. Deshalb sollte nicht ausschließlich nach einer Wellenformanzeige gearbeitet werden. Entscheidend ist, wie sich die Kombination tatsächlich anhört.
Besonders bei Live-Streaming und In-Ear-Monitoring sind zeitliche Veränderungen vorsichtiger zu beurteilen, weil keine beliebigen Verzögerungen eingeführt werden sollten.
Publikumsmikrofone für In-Ear-Monitoring verwenden
Neben der Aufnahme können Publikumsmikrofone einen wichtigen Beitrag zum In-Ear-Monitoring leisten. Gut isolierende In-Ear-Hörer reduzieren den direkten Schalleinfall aus der Umgebung. Das kann den Musikern eine sehr kontrollierte Monitormischung ermöglichen. Gleichzeitig entsteht manchmal das Gefühl, vom Publikum und von den anderen Musikern räumlich getrennt zu sein. Ein dezenter Anteil aus Publikumsmikrofonen kann hier helfen. Musiker hören beispielsweise Applaus, Mitsingen und die Atmosphäre des Raums, ohne ihre Ohrhörer herausnehmen zu müssen.
Wichtig ist, die Ambience-Mikrofone nicht zu laut einzustellen. Wenn der Monitormix durch den zusätzlichen Raumanteil unübersichtlich wird, geht der eigentliche Vorteil des In-Ear-Monitorings verloren.
Stereo-Ambience im In-Ear-Mix
Verwendet die Band ein Stereo-In-Ear-System, können zwei Publikumsmikrofone auch eine räumliche Orientierung unterstützen. Dazu werden die Signale sinnvoll auf links und rechts verteilt. Allerdings sollten die Zuordnung und die wahrgenommene Richtung mit der tatsächlichen Position des Musikers abgestimmt werden. Ein Musiker auf der linken Bühnenseite besitzt schließlich eine andere räumliche Perspektive als ein Musiker auf der rechten Seite. Auch ein einzelnes Publikumsmikrofon kann bereits helfen, wenn der Monitormix nur einen begrenzten Anteil der Raumakustik benötigt.
Wie Stereo-Panorama, Hall, Ambience und Talkback zu einem natürlichen Gesamtbild kombiniert werden, erläutern wir ausführlich im vorhandenen Backstage-Beitrag Natürlicher IEM-Mix mit Ambient-Mikrofonen.
Hörschutz und IEM-Pegel nicht vergessen
Gerade bei sehr lauten Publikumsreaktionen können Ambient-Mikrofone plötzliche Pegelspitzen erzeugen. Deshalb ist es wichtig, den maximalen Pegel innerhalb der In-Ear-Signalkette zu kontrollieren. Ein geeigneter Limiter kann dabei eine zusätzliche Schutzfunktion übernehmen. Er ersetzt allerdings keine verantwortungsvolle Einstellung des Monitorpegels und kein geeignetes Hörschutzkonzept. Die Raumaufnahme sollte deshalb immer als Ergänzung verstanden werden und nicht dazu führen, dass Musiker ihren gesamten In-Ear-Mix unnötig laut einstellen.
Publikumsmikrofone bei Open-Air-Konzerten einsetzen
Open-Air-Veranstaltungen stellen andere Anforderungen als Konzerte in geschlossenen Räumen. Weil Wände und Decken fehlen, ist der natürliche Nachhall normalerweise deutlich geringer. Dadurch lässt sich das Publikum teilweise direkter und trockener aufnehmen. Allerdings können andere Probleme entstehen. Besonders Windgeräusche sind bei im Freien aufgestellten Mikrofonen ein wichtiger Faktor. Bereits mäßiger Wind kann tieffrequente Störungen verursachen, die eine Aufnahme deutlich beeinträchtigen. Deshalb sollten geeignete Windschutze und gegebenenfalls elastische Halterungen verwendet werden. Außerdem muss die Mikrofonposition ausreichend gegen Windbelastung gesichert sein.
Auch bei Open-Air-Veranstaltungen lohnt sich eine gezielte Ausrichtung weg von besonders stark abstrahlenden PA-Bereichen. Allerdings sollte die Ausrichtung nicht ausschließlich nach den Hauptlautsprechern erfolgen, denn tieffrequente Schallanteile können sich über einen großen Winkel ausbreiten. Bei größeren Veranstaltungen kann es sinnvoll sein, mehrere Publikumsbereiche mit getrennten Mikrofonen zu erfassen. So lässt sich später im Mix entscheiden, welche Position die beste Atmosphäre liefert.
Die häufigsten Fehler beim Einsatz von Publikumsmikrofonen
Zu viel PA-Schall statt Publikumsreaktionen
Befinden sich die Mikrofone direkt im Hauptabstrahlbereich der Lautsprecher, kann die Beschallungsanlage das eigentliche Publikum überdecken. Die Lösung besteht darin, die Ausrichtung und Position zu überprüfen und gegebenenfalls eine stärker gerichtete Mikrofoncharakteristik zu verwenden.
Publikumsmikrofone auf die Haupt-PA routen
Das Publikumssignal sollte normalerweise nicht wieder in den Saal abgestrahlt werden. Andernfalls können unnötige Raumanteile und akustische Rückkopplungsprobleme entstehen. Besser ist eine klare Trennung zwischen FOH, Recording und In-Ear-Monitoring.
Zu wenig Headroom
Besonders Applaus und gemeinsamer Jubel können wesentlich lauter ausfallen als die normale Atmosphäre während eines Songs. Deshalb sollten die Eingangskanäle nicht zu knapp an der Übersteuerungsgrenze betrieben werden.
Laufzeitunterschiede ignorieren
Ein entferntes Raummikrofon nimmt den Schall später auf als ein direktes Bühnensignal. Wird beides unkontrolliert kombiniert, können Impulse und Klangbild beeinträchtigt werden. Eine sorgfältige Kontrolle des Zusammenspiels und gegebenenfalls eine Anpassung während des Mixings können helfen.
Publikumsmikrofone zu stark komprimieren
Zu starke Kompression kann Raumrauschen, PA-Übersprechen und einzelne Zuschauer unnötig hervorheben. Häufig funktionieren moderate Bearbeitung und gezielte Lautstärkeautomation besser.
Kein separater Aufnahmeweg
Werden Publikumsmikrofone ausschließlich als Bestandteil einer fertigen Stereosumme aufgezeichnet, lassen sie sich später kaum unabhängig bearbeiten. Bei einer ernsthaften Konzertproduktion sollten ihre Signale möglichst separat aufgenommen werden.
Praxis-Check: Zwei Publikumsmikrofone für eine Live-Band einrichten
Für eine kleine bis mittelgroße Konzertproduktion kann bereits ein einfaches Setup aus zwei geeigneten Mikrofonen ausreichen.
Zunächst werden die Mikrofone links und rechts an der Bühnenfront oder als Stereopaar an einer geeigneten Position im Zuschauerraum aufgestellt. Anschließend werden die Kabel sicher verlegt und die Mikrofone mit freien Eingängen des Mischpults verbunden. Nach dem Aktivieren einer gegebenenfalls erforderlichen Phantomspeisung wird der Eingangspegel eingestellt. Dabei sollte ein ausreichend hoher Headroom für den späteren Applaus vorhanden sein.
Anschließend wird geprüft, welche Signalanteile tatsächlich aufgenommen werden. Ist der PA-Schall zu dominant, sollte zunächst die Mikrofonposition korrigiert werden, bevor mit umfangreichen Equalizer-Einstellungen gearbeitet wird. Die beiden Kanäle werden separat dem Recording zugewiesen. Eine direkte Zuordnung auf Main L/R bleibt normalerweise deaktiviert.
Bei Bedarf kann zusätzlich ein geringer Anteil auf die gewünschten In-Ear-Busse geschickt werden. Während des Soundchecks sollte überprüft werden, ob die Musiker dadurch tatsächlich eine bessere Raumorientierung erhalten. Nach der Veranstaltung werden die Publikumsspuren mit den direkt aufgenommenen Bühnensignalen kombiniert. Besonders an Songenden, bei Ansagen und während des Applauses kann die Atmosphäre gezielt hervorgehoben werden.
Mit diesem vergleichsweise einfachen Vorgehen lässt sich bereits ein deutlicher Unterschied gegenüber einer ausschließlich trocken aufgenommenen Mehrspurproduktion erzielen.
Fazit: Publikumsmikrofone machen aus einer Aufnahme ein Konzerterlebnis
Wer Publikumsmikrofone richtig aufstellen möchte, sollte vor allem das gewünschte Aufnahmeziel kennen. Soll die Reaktion der Zuschauer möglichst deutlich erfasst werden, sind nach außen gerichtete Mikrofone an der Bühnenfront häufig sinnvoll. Geht es dagegen um einen umfassenderen Eindruck des Veranstaltungsraums, kann ein Stereopaar am FOH-Platz oder eine zusätzliche Raummikrofonierung die bessere Lösung sein.
Auch die Auswahl der Mikrofone spielt eine Rolle. Kleinmembran-Kondensatormikrofone bieten sich für detaillierte Stereoaufnahmen an, während dynamische Mikrofone eine robuste Alternative darstellen können. Entscheidend sind jedoch die Richtcharakteristik und die gewählte Position. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Signalwege. Publikumsmikrofone sollten für Recording und In-Ear-Monitoring verfügbar sein, aber normalerweise nicht auf die Haupt-PA gelangen. Gleichzeitig müssen Headroom, Laufzeitunterschiede und mögliche Übersprechungen berücksichtigt werden.
Meine Empfehlung lautet, bereits bei kleineren Konzertmitschnitten zwei zusätzliche Publikumsspuren einzuplanen. Sie verursachen im Verhältnis zum gesamten Recording-Setup nur einen überschaubaren Mehraufwand, können für die Atmosphäre einer Veröffentlichung aber entscheidend sein. Denn ein gelungenes Live-Recording soll nicht nur zeigen, wie die Band gespielt hat. Es soll auch vermitteln, wie sich der Abend für Musiker und Publikum angefühlt hat.
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FAQ: Häufige Fragen zu Publikumsmikrofonen
Was ist ein Publikumsmikrofon?
Ein Publikumsmikrofon nimmt Applaus, Mitsingen, Zurufe und andere Reaktionen der Zuschauer während einer Veranstaltung auf. Es wird häufig für Live-Recording, Broadcast und In-Ear-Monitoring verwendet.
Wo sollte man Publikumsmikrofone aufstellen?
Häufig eignen sich Positionen an den seitlichen Bereichen der Bühnenfront oder am FOH-Platz. Welche Position besser ist, hängt davon ab, ob vor allem Publikumsreaktionen oder der gesamte Raumklang aufgenommen werden sollen.
Welche Mikrofone eignen sich für Publikumsaufnahmen?
Häufig werden Kleinmembran-Kondensatormikrofone verwendet. Auch dynamische Mikrofone können funktionieren. Wichtig sind eine passende Richtcharakteristik, ausreichende Pegelfestigkeit und die richtige Positionierung.
Braucht man zwei Publikumsmikrofone?
Nicht zwingend. Ein einzelnes Mikrofon kann bereits die Konzertatmosphäre erfassen. Zwei Mikrofone ermöglichen zusätzlich eine Stereoaufnahme und eine breitere räumliche Darstellung.
Sind Nierenmikrofone oder Kugelmikrofone besser?
Nierenmikrofone ermöglichen eine gezieltere Ausrichtung auf bestimmte Publikumsbereiche. Kugelmikrofone eignen sich häufig für eine natürliche Raumatmosphäre. Welche Lösung sinnvoller ist, hängt von den akustischen Bedingungen ab.
Kann ich ein Shure SM58 als Publikumsmikrofon verwenden?
Grundsätzlich ja. Ein dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik kann Publikum und Raumanteile aufnehmen. Für besonders detaillierte Stereo-Raumaufnahmen können spezialisierte Kondensatormikrofone allerdings Vorteile bieten.
Was ist besser: XY oder ORTF?
XY bietet meist eine gute Monokompatibilität und eignet sich für kompakte Stereo-Setups. ORTF kann eine ausgeprägtere räumliche Darstellung ermöglichen. Die Wahl hängt von Aufnahmeziel und Mikrofonposition ab.
Wie laut sollten Publikumsmikrofone im Recording-Mix sein?
Während der Musik genügt häufig ein dezenter Anteil. Bei Applaus, Moderationen oder Mitsingpassagen kann der Pegel angehoben werden. Entscheidend ist, dass die Instrumente nicht durch zu viel Raumanteil verdeckt werden.
Warum klingen Publikumsmikrofone manchmal verzögert?
Schall benötigt Zeit, um von der Bühne beziehungsweise PA bis zum Mikrofon zu gelangen. Je größer die Entfernung, desto größer die akustische Laufzeit. Bei der Kombination mit direkten Bühnensignalen kann das hörbar werden.
Muss ich Publikumsmikrofone im Recording zeitlich korrigieren?
Nicht grundsätzlich. Ein natürlicher Laufzeitunterschied gehört zur Raumatmosphäre. Wenn jedoch störende Doppelimpulse oder Kammfiltereffekte auftreten, kann eine gezielte zeitliche Anpassung sinnvoll sein.
Sollten Publikumsmikrofone auf Main L/R geroutet werden?
Normalerweise nicht. Die Signale sind in erster Linie für Recording, Broadcast und ausgewählte In-Ear-Monitormischungen vorgesehen. Eine unnötige Rückführung auf die Saal-PA kann Probleme verursachen.
Warum benötigt man Publikumsmikrofone beim In-Ear-Monitoring?
Gut isolierende In-Ear-Hörer reduzieren die Wahrnehmung der Umgebung. Publikumsmikrofone können einen Teil dieser Atmosphäre in den Monitormix zurückbringen und den Musikern mehr räumliche Orientierung ermöglichen.
Kann ich Publikumsmikrofone mit einem Noise-Gate bearbeiten?
Ja, technisch ist das möglich. Ein hart eingestelltes Gate kann den natürlichen Raumklang jedoch abrupt unterbrechen. Für Konzertaufnahmen sind sanfte Bearbeitung oder Pegelautomationen häufig geeigneter.
Wie verhindere ich Windgeräusche bei Open-Air-Konzerten?
Ein geeigneter Windschutz, eine sichere Mikrofonmontage und eine überlegte Positionierung helfen, Windgeräusche zu reduzieren. Besonders bei empfindlichen Kondensatormikrofonen ist ein passender Windschutz wichtig.
Können Publikumsmikrofone Feedback verursachen?
Ja, insbesondere wenn ihre Signale wieder über Lautsprecher in denselben Raum abgestrahlt werden. Deshalb sollten die Kanäle normalerweise nicht auf die Saal-PA geroutet werden.
Wie nehme ich Publikumsmikrofone am besten auf?
Für eine flexible Nachbearbeitung sollten beide Mikrofone möglichst auf separaten Spuren gespeichert werden. So lassen sich Pegel, Stereoabbildung und Raumanteil unabhängig vom Bühnensignal bearbeiten.


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