Shure KSM9HS für anspruchsvollen Live-Gesang
Mit dem Shure KSM9HS bewegt man sich weit oberhalb dessen, was üblicherweise als klassisches Gesangsmikrofon auf einer Bühne eingesetzt wird. Statt einer dynamischen Kapsel arbeitet hier ein Elektret-Kondensatorsystem mit zwei Membranen. Außerdem lässt sich die Richtcharakteristik zwischen Hyperniere und breiter Niere umschalten. Damit richtet sich das Mikrofon vor allem an professionelle Sänger, Toningenieure, Touring-Produktionen und Anwender, die möglichst viel stimmliches Detail auf die PA bringen möchten. (Bild: Hersteller)
Für mich ist dabei nicht allein die Kondensatortechnik interessant. Der entscheidende Punkt im Shure KSM9HS Test ist die Kombination aus Doppelmembran, zwei ungewöhnlich unterschiedlichen Richtcharakteristiken, kontrolliertem Nahbesprechungseffekt und einer Konstruktion, die ausdrücklich für den Live-Einsatz entwickelt wurde. Shure hebt außerdem den zweistufigen Erschütterungsabsorber, den integrierten Popfilter und die hohe Rückkopplungssicherheit hervor. Die bereitgestellte Bedienungsanleitung beschreibt ebenfalls die Doppelmembran, die transformatorlose Class-A-Vorstufe und die auf professionelle Beschallung ausgelegte Konstruktion.
Kurzinfo auf einen Blick
Das Shure KSM9HS ist ein hochwertiges Kondensator-Handmikrofon für Live-Gesang. Seine umschaltbare Hypernieren- und breite Nierencharakteristik macht es sowohl für laute Bühnen als auch für offene, detailreiche Setups interessant. Doppelmembran, hoher Grenzschalldruck und kontrollierter Nahbesprechungseffekt zielen klar auf professionelle Anwendungen.
Shure KSM9HS Test: Was macht dieses Mikrofon besonders?
Das KSM9HS gehört zur KSM-Serie von Shure und basiert auf einem Doppelmembran-Konzept. Zwei vergoldete 3/4-Zoll-Mylar-Membranen mit geringer Masse sollen einen kontrollierten Frequenzgang und insbesondere einen gleichmäßigeren Nahbesprechungseffekt ermöglichen. Dazu kommt eine diskrete, transformatorlose Class-A-Vorverstärkerschaltung. Shure nennt als konstruktive Ziele ein schnelles Einschwingverhalten sowie geringe harmonische und Intermodulationsverzerrungen.
Das klingt zunächst nach klassischer Studio-Mikrofontechnik. Gleichzeitig wurde das KSM9HS jedoch eindeutig für die Bühne konstruiert. Genau diese Verbindung finde ich interessant: Es soll nicht einfach möglichst empfindlich sein, sondern ein hochwertiges Kondensatormikrofon mit den typischen Anforderungen professioneller Live-Beschallung kombinieren.
Technische Daten des Shure KSM9HS
Die wichtigsten Daten im Überblick:
- Mikrofontyp: Elektret-Kondensatormikrofon
- Membranen: zwei vergoldete 3/4-Zoll-Mylar-Membranen
- Richtcharakteristik: Hyperniere und breite Niere/Subcardioid, umschaltbar
- Frequenzbereich: 50 Hz bis 20 kHz
- Ausgangsimpedanz: 145 Ohm
- Empfindlichkeit Hyperniere: –50,5 dBV/Pa beziehungsweise 2,99 mV/Pa
- Empfindlichkeit breite Niere: –53,0 dBV/Pa beziehungsweise 2,24 mV/Pa
- Eigenrauschen: 20,7 dB SPL(A) beziehungsweise 22,7 dB SPL(A)
- Maximaler Schalldruck: bis etwa 151 beziehungsweise 153 dB SPL
- Dynamikbereich: rund 130 dB
- Phantomspeisung: 11 bis 52 Volt DC, optimale Spezifikationen bei 48 Volt
- Anschluss: XLR, symmetrisch
- Gewicht: 300 Gramm
- Länge: 191 mm
- Maximaler Durchmesser: 49 mm
- Zubehör: Mikrofonklammer und Transportbehälter
Die technischen Eckdaten der bereitgestellten Produktinformation bestätigen insbesondere den Frequenzbereich von 50 Hz bis 20 kHz, die Ausgangsimpedanz von 145 Ohm, den hohen Grenzschalldruck und das Gewicht von 300 Gramm. Die ausführliche Bedienungsanleitung nennt zusätzlich Empfindlichkeit, Rauschabstand und Dynamikbereich für die beiden Richtcharakteristiken.
Verarbeitung und Bühnentauglichkeit
Bei einem Mikrofon dieser Preisklasse erwarte ich eine Konstruktion, die nicht nur gut klingt, sondern auch Tour-Alltag verträgt. Shure setzt entsprechend auf eine Metallkonstruktion und einen gehärteten, dreistufig aufgebauten Mikrofonkorb. Auf der aktuellen Produktseite wird ausdrücklich auf den Schutz vor mechanischen Beschädigungen hingewiesen.
Mit 300 Gramm liegt das KSM9HS noch in einem Bereich, den ich für ein professionelles Handmikrofon als angenehm einschätzen würde. Es ist kein ultraleichtes Gesangsmikrofon, vermittelt dadurch aber auch nicht den Eindruck eines fragilen Studiomikrofons. Die Bedienungsanleitung nennt 191 mm Länge und das Nettogewicht von 300 Gramm; Mikrofonklammer und Transportbehälter gehören zum Lieferumfang.
Erschütterungsabsorber gegen Griffgeräusche
Interessant ist die interne Lagerung der Kapsel. Shure setzt auf ein zweistufiges Erschütterungsabsorbersystem, das horizontale und vertikale Bewegungen der Kapsel kontrollieren soll. Zusätzlich filtert ein Subsonic-Filter mechanische Vibrationen unterhalb von 17 Hz.
Gerade für ein Kondensator-Handmikrofon halte ich das für wichtig. Eine empfindliche Kapsel nützt auf der Bühne wenig, wenn jede Bewegung der Hand oder jeder Trittschall auf der Aufnahme landet. Die mechanische Entkopplung ist daher kein nebensächliches Komfortmerkmal, sondern Bestandteil des Live-Konzepts.
Hyperniere oder breite Niere: Zwei sehr unterschiedliche Werkzeuge
Für mich liegt hier der eigentliche USP des KSM9HS. Die beiden Richtcharakteristiken unterscheiden sich wesentlich stärker voneinander als beispielsweise Niere und Superniere bei vielen konventionellen Gesangsmikrofonen.

Der Schalter befindet sich unterhalb des abschraubbaren Korbs. Ein unbeabsichtigtes Umschalten während eines Auftritts ist dadurch praktisch ausgeschlossen. Shure beschreibt die beiden Modi aktuell als Hyperniere und breite Niere, wobei die breite Niere der englischen Bezeichnung „Subcardioid“ entspricht.
Hyperniere für laute Bühnen
Die Hyperniere ist für mich der naheliegende Ausgangspunkt bei Rockbands, lauten Drumsets, Gitarrenverstärkern und klassischen Monitor-Wedges. Sie bündelt stärker nach vorne und unterdrückt seitlich eintreffenden Schall deutlich.
Entscheidend ist allerdings die Monitorposition. Laut Bedienungsanleitung liegt die stärkste seitliche Unterdrückung ungefähr bei 110 Grad. Das bedeutet praktisch: Einen Bühnenmonitor sollte man bei Hyperniere nicht gedankenlos exakt hinter das Mikrofon stellen. Hypernieren besitzen einen rückwärtigen Empfindlichkeitsbereich. Die Wedges gehören deshalb möglichst in Richtung der seitlichen Auslöschungswinkel.
Ich halte diesen Punkt für ausgesprochen wichtig. Wer ein KSM9HS kauft und anschließend die Monitore wie bei einer gewöhnlichen Niere positioniert, verschenkt unter Umständen einen Teil des möglichen Gain-before-Feedback.
Breite Niere für offene und leisere Setups
Die breite Niere geht bewusst in die andere Richtung. Sie nimmt mehr Bühnen- beziehungsweise Raumanteil auf und wirkt weniger stark gebündelt. Die stärkste Unterdrückung befindet sich hier rückwärtig bei 180 Grad.
Ich würde diese Einstellung beispielsweise bei akustischen Konzerten, leiseren Jazz- oder Singer-Songwriter-Produktionen sowie bei konsequentem In-Ear-Monitoring ausprobieren. Dort besteht häufig weniger Feedbackdruck und man kann den offeneren Aufnahmebereich klanglich nutzen.
Shure sieht die breite Charakteristik außerdem für Situationen vor, in denen mehrere Schallquellen gleichzeitig aufgenommen werden sollen.
Ein Hinweis zur Bezeichnung der Richtcharakteristik
Bei den bereitgestellten Shure-Dokumenten gibt es eine kleine terminologische Unstimmigkeit: Die ältere deutschsprachige Anleitung bezeichnet die enge Charakteristik stellenweise als Superniere, während die aktuelle Shure-Produktseite sowie das englischsprachige Datenblatt eindeutig Hypercardioid/Hyperniere nennen. Die aktuelle Shure-Dokumentation bestätigt Hypercardioid und Subcardioid. Für diesen Test verwende ich daher die aktuelle Bezeichnung Hyperniere.
Klangkonzept: Klarheit statt künstlicher Färbung
Beim Blick auf Konstruktion und Frequenzdiagramme wird deutlich, dass Shure keine ausgeprägte „Effektstimme“ erzeugen möchte. Das Ziel ist vielmehr eine klare und kontrollierte Vocal-Wiedergabe. Die aktuelle Produktbeschreibung spricht entsprechend von einem natürlichen, detailreichen Klang mit reduziertem Nahbesprechungseffekt.
Auch die auf Seite 5 der Anleitung abgebildeten Frequenzgänge zeigen einen kontrollierten Tiefbassbereich und eine moderate Formung im Präsenz- und Höhenbereich. Für mich passt das zum Einsatzzweck: Sprache und Gesang sollen sich detailliert durchsetzen, ohne dass das Mikrofon allein durch einen massiven Bassboost Eindruck schinden muss.
Das bedeutet allerdings auch: Das KSM9HS ist kein Mikrofon, das problematische Stimmen automatisch kaschiert. Ein detailreiches Kondensatormikrofon zeigt S-Laute, Atemgeräusche und stimmliche Feinheiten deutlicher als viele klassische dynamische Bühnenmikrofone. In einer hochwertigen PA-Kette ist das ein Vorteil. Bei einer sehr aggressiven Stimme kann am Mischpult jedoch etwas mehr Arbeit mit EQ oder De-Esser erforderlich sein.
Der kontrollierte Nahbesprechungseffekt ist ein großer Vorteil
Einer der interessantesten Punkte im Shure KSM9HS Test ist für mich der Umgang mit dem Nahbesprechungseffekt. Bei herkömmlichen Richtmikrofonen steigt der Basspegel, sobald der Sänger sehr dicht an die Kapsel herangeht. Entfernt er sich wieder, wird die Stimme schlagartig dünner.
Shure nutzt die Doppelmembran gezielt, um diese Veränderung zu reduzieren. Laut Anleitung kann sich der Sänger dadurch innerhalb eines gewissen Bereichs näher zum Mikrofon hin beziehungsweise davon weg bewegen, ohne dass sich der Frequenzgang im Bassbereich so stark verändert.
Das halte ich live für mindestens ebenso relevant wie den reinen Klang. Kaum ein Sänger hält über ein komplettes Konzert exakt denselben Mikrofonabstand. Ein kontrollierter Nahbesprechungseffekt bedeutet daher einen gleichmäßigeren Mix und weniger permanente EQ-Korrekturen am FOH.
Hoher Schalldruck: Auch kräftige Stimmen sind kein Problem
Mit maximal rund 151 dB SPL in Hyperniere und rund 153 dB SPL in breiter Niere besitzt das KSM9HS enorme Reserven.
Für ein Vocal-Mikrofon liegt die praktische Grenze damit sehr hoch. Selbst extrem druckvolle Sänger sollten die Kapsel nicht annähernd in problematische Bereiche bringen. Gleichzeitig erreicht der dokumentierte Dynamikumfang ungefähr 130 dB.
Ich sehe deshalb keinen Grund, das KSM9HS wegen seiner Kondensatortechnik besonders vorsichtig vor kräftigen Stimmen einzusetzen. Ganz im Gegenteil: Die technischen Werte zeigen, dass es ausdrücklich für hohe Pegel entwickelt wurde.
Empfindlichkeit und Mikrofonvorverstärker
Interessanterweise ist das KSM9HS trotz Kondensatorkapsel kein extrem „heißes“ Mikrofon. Die Empfindlichkeit liegt bei etwa 2,99 mV/Pa in Hyperniere beziehungsweise 2,24 mV/Pa in breiter Niere.
In der Praxis bedeutet das: Ein brauchbarer Mikrofonvorverstärker bleibt wichtig. Moderne Digitalmischpulte und professionelle analoge Konsolen sollten damit problemlos zurechtkommen, dennoch sollte man nicht erwarten, den Gain-Regler praktisch geschlossen lassen zu können.
Shure empfiehlt außerdem eine Eingangsimpedanz von mindestens 1.000 Ohm. Höhere Eingangsimpedanzen können die angegebenen Leistungsdaten begünstigen.
Phantomspeisung ist Pflicht
Als Kondensatormikrofon benötigt das KSM9HS Phantomspeisung. Die Anleitung nennt einen zulässigen Bereich von 11 bis 52 Volt, empfiehlt jedoch 48 Volt für die optimale Leistung. Die angegebenen technischen Spezifikationen wurden ebenfalls bei 48 Volt ermittelt.
Ich würde das Mikrofon deshalb grundsätzlich mit sauberer 48-Volt-Phantomspeisung betreiben. Bei professionellen Digitalpulten ist das heute zwar selbstverständlich, bei sehr einfachen Kleinmixern oder ungewöhnlichen Funk-/Adapterlösungen sollte man es dennoch prüfen.
Pop-, Atem- und Windgeräusche
Der Korb besteht aus drei Geflechtschichten und übernimmt gleichzeitig die Funktion eines Popfilters. Das soll Plosiv-, Atem- und Windgeräusche reduzieren. Shure weist allerdings selbst darauf hin, dass bei sehr naher Mikrofonierung beziehungsweise abhängig vom Sänger zusätzlich ein externer Pop- oder Windschutz sinnvoll sein kann.
Für mich ist das eine realistische Einschätzung. Ein integrierter Schutz soll Bühnenbetrieb ermöglichen, ersetzt aber unter kontrollierten Studiobedingungen nicht zwingend einen großen externen Popfilter.
Shure KSM9HS auf einer lauten Bühne
Auf einer klassischen Rock- oder Metal-Bühne würde ich zuerst die Hyperniere wählen. Schlagzeug, Gitarrenboxen und Sidefills gelangen dadurch weniger stark in den Gesangskanal. Das verbessert nicht nur die mögliche Lautstärke vor dem Feedback, sondern kann auch den gesamten Mix sauberer machen.
Dieser zweite Aspekt wird gelegentlich unterschätzt. Selbst wenn In-Ear-Monitoring verwendet wird und Rückkopplungen kaum ein Problem sind, bleibt Übersprechen bestehen. Jedes zusätzliche Signal, das durch die Gesangsmikrofone auf den Bus gelangt, verändert den FOH-Mix. Eine starke seitliche Unterdrückung kann deshalb auch bei IEM-Produktionen sinnvoll sein.
Shure positioniert die Hypernieren-Einstellung explizit für laute Bühnen und starke Isolation.
KSM9HS bei Akustik, Jazz und Singer-Songwriter
Auf einer ruhigen Bühne würde ich dagegen unbedingt die breite Niere ausprobieren. Hier kann die größere Offenheit zum Vorteil werden. Die Stimme wird weniger von ihrer Umgebung isoliert und das Mikrofon kann mehr Raumcharakter erfassen.
Das macht diese Einstellung für mich besonders interessant, wenn nicht maximale Trennung, sondern Natürlichkeit im Vordergrund steht. Auch mit In-Ear-Monitoring ergeben sich interessante Möglichkeiten, weil das Feedbackrisiko meist kleiner ist als bei sehr lauten Wedges.
Das KSM9HS ist damit gewissermaßen zwei sehr unterschiedliche Vocal-Mikrofone in einem Gehäuse: stark isolierend auf der einen und bewusst offen auf der anderen Seite.
Studioeinsatz: Mehr als nur ein Bühnenmikrofon
Shure sieht das KSM9HS ausdrücklich auch für anspruchsvolle Aufnahmen vor. Das ergibt konstruktiv durchaus Sinn. Doppelmembran, geringer mechanischer Störanteil, Class-A-Elektronik und ein Frequenzbereich bis 20 kHz sind Eigenschaften, die nicht an der Studiotür plötzlich nutzlos werden.
Ich sehe den größten Vorteil im Studio allerdings bei Sängern, die lieber mit einem Handmikrofon performen. Nicht jeder Vocalist liefert vor einem großen Studiokondensator auf einem Stativ dieselbe Performance wie mit einem Mikrofon in der Hand.
Für extrem leise akustische Instrumente würde ich hingegen berücksichtigen, dass das dokumentierte Eigenrauschen mit 20,7 beziehungsweise 22,7 dB(A) höher liegt als bei einigen spezialisierten Studiokondensatormikrofonen. Für normalen Gesang und insbesondere Live-Betrieb sollte dieser Wert deutlich weniger relevant sein.
Shure KSM9HS oder KSM9?
Die Modellbezeichnung kann zunächst verwirren, denn das KSM9HS ist nicht einfach eine höherwertige Version des KSM9. Der wesentliche Unterschied liegt in den Richtcharakteristiken.
Das klassische KSM9 bietet Niere und Superniere. Beim KSM9HS stehen dagegen breite Niere/Subcardioid und Hyperniere zur Verfügung. Auch Shure beschreibt dies als wesentliches Unterscheidungsmerkmal der beiden Modelle.
Für mich lautet die Entscheidung deshalb weniger „Welches Mikrofon ist besser?“ als vielmehr „Welche Charakteristiken brauche ich?“. Wer möglichst klassische Bühnencharakteristiken möchte, findet sie beim KSM9. Wer zwischen besonders offen und besonders stark gerichtet wechseln möchte, bekommt mit dem KSM9HS das ungewöhnlichere Werkzeug.
Preis: Das KSM9HS ist eindeutig ein Premium-Mikrofon
Shure nennt aktuell eine unverbindliche Preisempfehlung von 839 Euro. Damit konkurriert das KSM9HS nicht mit typischen 100- bis 300-Euro-Gesangsmikrofonen.
Entsprechend kritisch würde ich den Einsatzzweck betrachten. Für den gelegentlichen Proberaum oder drei Club-Gigs pro Jahr wäre mir das Konzept wahrscheinlich überdimensioniert. Bei professionellem Live-Gesang, Touring, hochwertigen Corporate-Produktionen, Theater, anspruchsvollen Coverbands oder Künstlern mit einer sehr guten PA-Kette kann die Rechnung anders aussehen.
Der Mehrwert liegt schließlich nicht in irgendeinem spektakulären Zusatzfeature, sondern in Dingen, die am FOH tatsächlich Arbeit sparen können: kontrollierter Nahbesprechungseffekt, unterschiedliche Richtwirkung, gute Isolation, hohe Pegelfestigkeit und detaillierte Wiedergabe.
Was mir am Shure KSM9HS besonders gefällt
Am stärksten überzeugt mich konzeptionell die enorme Spannweite zwischen den beiden Richtcharakteristiken. Hyperniere und breite Niere sind keine zwei beinahe identischen Varianten, sondern beantworten unterschiedliche Bühnenprobleme. Dazu kommen die auf Live-Betrieb abgestimmte Doppelmembran, der hohe Grenzschalldruck und der mechanische Aufbau.
Ebenso sinnvoll finde ich, dass die Richtcharakteristik nicht über einen offen zugänglichen Schalter am Griff verändert wird. Da der Schalter unter dem abgeschraubten Korb sitzt, bleibt die Einstellung während der Show geschützt.
Was man vor dem Kauf bedenken sollte
Das größte Hindernis ist eindeutig der Preis. Außerdem verlangt ein Mikrofon mit Hypernierencharakteristik nach einem durchdachten Monitor-Setup. Einfach ein teureres Mikrofon hinzustellen und alle Bühnenkomponenten unverändert zu lassen, nutzt das Potenzial nicht vollständig aus.
Auch der offene Modus ist kein Allheilmittel. Eine breite Niere fängt zwangsläufig mehr Umgebung ein. Auf einer lauten Bühne mit Wedges, Schlagzeug und Gitarrenboxen würde ich deshalb fast immer zunächst mit Hyperniere arbeiten.
Und schließlich braucht das KSM9HS Phantomspeisung. Wer häufig an kleinen, alten oder ungewöhnlichen Beschallungsanlagen arbeitet, sollte diesen Punkt im Vorfeld berücksichtigen.
Fazit zum Shure KSM9HS Test
Das Shure KSM9HS ist ein ungewöhnlich konsequent für professionelle Live-Vocals entwickeltes Kondensatormikrofon. Besonders die Kombination aus Hyperniere und breiter Niere macht es interessant: Auf einer lauten Bühne kann die Hyperniere Übersprechen reduzieren und mehr Reserven vor Rückkopplungen schaffen, während die breite Niere bei leiseren Produktionen eine offenere und natürlichere Aufnahme ermöglicht.
Für mich ist allerdings die Doppelmembran mindestens ebenso relevant. Der kontrollierte Nahbesprechungseffekt kann bei wechselndem Mikrofonabstand einen stabileren Vocal-Sound liefern und damit die Arbeit am FOH erleichtern. Hinzu kommen der enorme Grenzschalldruck, die mechanische Kapselentkopplung, der dreistufige Popfilter und eine roadtaugliche Konstruktion.
Das KSM9HS ist damit kein günstiges Universal-Handmikrofon, sondern ein spezialisiertes Premium-Werkzeug. Besonders interessant ist es für professionelle Sänger und Tontechniker, die nicht nur einen hochwertigen Klang, sondern gezielt unterschiedliche Richtwirkungen für unterschiedliche Bühnenbedingungen benötigen.
Herstellerlink: KSM9HS – Premium Kondensator-Gesangsmikrofon – Shure Germany

FAQ zum Shure KSM9HS
Ist das Shure KSM9HS ein dynamisches Mikrofon?
Nein. Das Shure KSM9HS arbeitet mit einer Elektret-Kondensatorkapsel und zwei Membranen. Deshalb benötigt es im kabelgebundenen Betrieb Phantomspeisung.
Welche Richtcharakteristiken bietet das Shure KSM9HS?
Das KSM9HS lässt sich zwischen Hyperniere und breiter Niere beziehungsweise Subcardioid umschalten. Hyperniere bietet stärkere Isolation, während die breite Niere mehr Umgebung aufnimmt.
Welche Richtcharakteristik eignet sich für eine laute Bühne?
Bei hohen Bühnenlautstärken würde ich die Hyperniere verwenden. Sie unterdrückt seitlich eintreffenden Schall stärker und kann dadurch das Übersprechen von Schlagzeug, Gitarrenamps und Monitoren reduzieren.
Wo sollte der Monitor bei Hyperniere stehen?
Bei der Hypernierencharakteristik liegen die stärksten Auslöschungsbereiche laut Shure ungefähr bei 110 Grad seitlich zur Mikrofonachse. Genau diese Bereiche eignen sich für die Ausrichtung von Wedges besser als eine Position exakt hinter dem Mikrofon.
Benötigt das Shure KSM9HS 48 Volt Phantomspeisung?
Das Mikrofon arbeitet laut Shure mit 11 bis 52 Volt DC. Für optimale Leistung werden jedoch 48 Volt empfohlen; auch die technischen Spezifikationen wurden unter 48-Volt-Versorgung ermittelt.
Kann ich das Shure KSM9HS auch im Studio verwenden?
Ja. Konstruktion und Klangkonzept eignen sich ebenfalls für Vocal-Aufnahmen. Besonders interessant kann das für Sänger sein, die ihre Performance lieber mit einem Handmikrofon als vor einem klassischen Studiomikrofon auf einem Stativ aufnehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Shure KSM9 und KSM9HS?
Das KSM9 bietet Niere und Superniere, während das KSM9HS zwischen breiter Niere/Subcardioid und Hyperniere umschalten kann. Das KSM9HS deckt dadurch bewusst zwei stärker voneinander abweichende Aufnahmebereiche ab.
Ist der Nahbesprechungseffekt beim KSM9HS stark?
Die Doppelmembran wurde gerade dafür entwickelt, den Nahbesprechungseffekt besser zu kontrollieren. Änderungen des Abstands sollen dadurch geringere Klangveränderungen im Bass verursachen als bei vielen konventionellen Richtmikrofonen.



Unsere neuesten Beiträge
Shure KSM9HS Test: Premium-Kondensatormikrofon
Shure KSM9HS für anspruchsvollen Live-Gesang Mit dem Shure KSM9HS bewegt man sich weit oberhalb dessen, [...]
> WEITERLESENBühnenmonitor richtig einstellen: So gelingt der Monitormix
Ein guter Monitormix entscheidet oft darüber, ob sich Musiker auf der Bühne sicher fühlen oder [...]
> WEITERLESENWas ist StageConnect? Digitales Audio über ein XLR-Kabel erklärt
Ein einziges XLR-Kabel, aber bis zu 32 digitale Audiokanäle, Steuerdaten, Clock und sogar Stromversorgung: Genau [...]
> WEITERLESEN