Das Beyerdynamic M88 ist kein gewöhnliches dynamisches Mikrofon. In meinem Beyerdynamic M88 Test habe ich es vor allem aus Sicht der Veranstaltungstechnik betrachtet: Wie verhält es sich auf lauten Bühnen? Wie gut funktioniert die Hyperniere gegen Übersprechen? Und lohnt sich ein Mikrofonklassiker wie das M 88 heute noch für Live-Sound, Bands, Verleiher und Tonstudios?
Schon beim ersten Blick auf die technischen Daten wird klar, warum das Mikrofon seit Jahrzehnten einen festen Platz in professionellen Setups hat. Das M 88 ist ein dynamisches Tauchspulenmikrofon mit Hypernierencharakteristik, einem Frequenzbereich von 30 bis 20.000 Hz und einer vergleichsweise hohen Empfindlichkeit von 2,9 mV/Pa. Außerdem wird es laut Hersteller in Deutschland von Hand gefertigt.
Beyerdynamic M88 Test: Was ist das M 88 überhaupt?
Das Beyerdynamic M 88 ist ein dynamisches Mikrofon mit Druckgradientenempfänger. Offiziell positioniert Beyerdynamic es als vielseitiges Mikrofon für Kick-Drum, Gesang, Toms, Gitarrenverstärker, Bassverstärker und Blasinstrumente. Genau diese Vielseitigkeit macht es für mich im Bereich Veranstaltungstechnik spannend, weil ich bei Live-Produktionen selten Mikrofone suche, die nur eine einzige Aufgabe gut können.
Im Unterschied zu vielen klassischen Gesangsmikrofonen wirkt das M 88 klanglich nicht nur auf Präsenz und Durchsetzung getrimmt. Ich nehme es eher als voll, kontrolliert und erstaunlich breitbandig wahr. Vor allem die detaillierte Tiefenwiedergabe ist auffällig. Das ist für Kick-Drum und Bassinstrumente ein Vorteil, kann aber auch bei Stimmen spannend sein, wenn eine Stimme Körper bekommen soll, ohne direkt künstlich aufgeblasen zu klingen.
Warum das Beyerdynamic M88 für Veranstaltungstechnik interessant ist
In der Veranstaltungstechnik zählt nicht allein der Studioklang. Entscheidend ist, wie ein Mikrofon mit Rückkopplungen, Übersprechen, schnellen Umbauten, Bühnenlautstärke und wechselnden Quellen umgeht. Genau hier spielt das Beyerdynamic M88 seine Stärken aus.
Ich finde besonders die Hypernierencharakteristik relevant. Sie nimmt frontal eintreffenden Schall bevorzugt auf und reduziert seitlich einfallende Signale sehr effektiv. Laut Datenblatt liegt die Rückwärtsdämpfung bei 1 kHz bei mehr als 23 dB bei 120°. Für Live-Sound bedeutet das: Bei sinnvoller Monitorpositionierung kann ich mit dem M 88 sehr gezielt arbeiten und bekomme eine gute Trennung zwischen Signalquelle, Nachbarinstrumenten und Bühnenmonitoren.

Gleichzeitig sollte man die Hyperniere nicht falsch verstehen. Sie ist kein Freifahrtschein für beliebige Monitorpositionen. Da Hypernieren auch nach hinten eine kleine Empfindlichkeitskeule besitzen, achte ich bei der Praxis immer darauf, Monitore nicht exakt in die empfindlichen Winkel zu stellen. Richtig eingesetzt kann das M 88 jedoch ein sehr rückkopplungsarmes Bühnenmikrofon sein.
Technische Daten des Beyerdynamic M88
Hier sind die wichtigsten Specs des Beyerdynamic M88 im Überblick:
- Mikrofontyp: dynamisches Tauchspulenmikrofon
- Arbeitsprinzip: Druckgradientenempfänger
- Richtcharakteristik: Hyperniere
- Frequenzbereich: 30 – 20.000 Hz
- Empfindlichkeit: 2,9 mV/Pa / -51 dBV
- Rückwärtsdämpfung: > 23 dB bei 120° / 1 kHz
- Magnetfeldunterdrückung: > 20 dB bei 50 Hz
- Nennimpedanz: 200 Ohm
- Empfohlene Abschlussimpedanz: ≥ 1000 Ohm
- Membran: Hostaphan
- Gehäuse: Messing
- Anschluss: XLR, 3-polig, male
- Länge: 173 mm
- Schaftdurchmesser: 25,5 mm
- Kopfdurchmesser: 48,5 mm
- Gewicht: 331 g
- Lieferumfang: MA-CL 25 Mikrofonklammer
- Optionales Zubehör: WS 59 AZ Windschutz, besonders für Kick-Drum empfohlen
Diese Werte stammen aus dem offiziellen Datenblatt und der M-Series-Spezifikation.
Klang im Beyerdynamic M88 Test
Grundcharakter: voll, direkt und trotzdem offen
Im Beyerdynamic M88 Test fällt mir zuerst auf, dass das Mikrofon einen ungewöhnlich breiten Frequenzbereich für ein dynamisches Bühnenmikrofon bietet. Die 30 Hz im Bassbereich sind nicht nur ein Datenblattwert, sondern erklären auch, warum das M 88 an Kick-Drum, Bassbox und tiefen Stimmen so beliebt ist.
Ich würde den Klang als kräftig, direkt und relativ natürlich beschreiben. Das M 88 wirkt nicht so stark „vorgeformt“ wie manche Spezialmikrofone. Dadurch kann ich es in einem Live-Mix sehr gut bearbeiten. Wenn ich mehr Attack brauche, lässt sich dieser per EQ herausarbeiten. Wenn ich dagegen einen runden, warmen Sound möchte, liefert das Mikrofon bereits eine solide Basis.
Nahbesprechungseffekt: ein kreatives Werkzeug
Ein wichtiger Punkt ist der ausgeprägte Nahbesprechungseffekt. Beyerdynamic nennt ihn ausdrücklich als Vorteil an der Kick-Drum. In der Praxis bedeutet das: Je näher ich mit dem M 88 an die Schallquelle gehe, desto stärker wird der Bassbereich betont.
Bei Vocals kann das sehr attraktiv sein, weil Stimmen mehr Gewicht bekommen. Allerdings muss man damit bewusst umgehen. Ich würde das M 88 bei unerfahrenen Sängerinnen und Sängern nicht völlig unkommentiert einsetzen, da wechselnde Mikrofonabstände schnell zu hörbaren Klangunterschieden führen können. Bei disziplinierten Vocalists ist genau dieser Effekt aber ein Vorteil.
Beyerdynamic M88 an der Kick-Drum
Für viele ist das M 88 vor allem ein Kick-Drum-Mikrofon. Ich kann das gut nachvollziehen, denn die Kombination aus Tiefgang, Impulstreue und hohem Schalldruckverhalten passt hervorragend zur Bassdrum.
In der Kick liefert das Beyerdynamic M88 einen satten Grundton, ohne dass der Sound sofort künstlich wirkt. Ich empfinde es weniger als „fertig produziertes“ Kick-Mikrofon und mehr als hochwertiges Werkzeug, das sich im Mix formen lässt. Wer einen modernen Metal-Klick-Sound erwartet, wird wahrscheinlich stärker mit EQ arbeiten. Wer dagegen eine natürliche, druckvolle Bassdrum mit Substanz sucht, bekommt eine sehr gute Ausgangsbasis.
Wichtig ist der Windschutz: Beyerdynamic empfiehlt für die Kick-Drum den optionalen WS 59 AZ. Das halte ich in der Praxis für sinnvoll, weil Luftstöße in der Bassdrum extrem sein können.
Beyerdynamic M88 für Gesang auf der Bühne
Durchsetzungsfähig, aber nicht schrill
Als Gesangsmikrofon hat mich das M 88 besonders dann überzeugt, wenn eine Stimme Körper braucht. Ich würde es nicht als extrem helles Mikrofon beschreiben. Vielmehr liefert es eine kräftige Basis, eine gute Sprachverständlichkeit und eine angenehme Präsenz, ohne sofort aggressiv zu werden.
Gerade für männliche Stimmen, tiefe Stimmen, Rock-Vocals, Moderation oder Spoken-Word-Anwendungen kann das sehr gut passen. Bei sehr basslastigen Stimmen muss ich allerdings mit dem Nahbesprechungseffekt aufpassen. Ein Low-Cut am Mischpult kann hier schnell helfen, vor allem wenn die Bühne laut ist oder die PA ohnehin viel Energie im unteren Bereich produziert.
Griffgeräusche und Popplaute
Das aktuelle M 88 besitzt laut Hersteller wieder einen dreilagigen, feinmaschigen Mikrofonkorb, der Plosivlaute besser dämpfen soll als die Vorgängerversion. Klangrelevante Bauteile wie die Mikrofonkapsel wurden beim Facelift laut Beyerdynamic nicht grundsätzlich verändert.
Für Live-Vocals ist das wichtig, denn ein gutes Gesangsmikrofon muss nicht nur gut klingen, sondern auch mit P-Lauten, Handhabung und Bühnenbewegung zurechtkommen. Ich würde bei sehr poppempfindlichen Stimmen trotzdem mit sauberer Mikrofontechnik arbeiten, aber der Aufbau wirkt klar auf Live-Tauglichkeit ausgelegt.
Beyerdynamic M88 an Instrumenten
Toms und Percussion
An Toms profitiert das M 88 von seiner tiefen Wiedergabe und der guten Richtwirkung. Ich sehe es besonders bei Floor-Toms stark, weil dort Druck und Definition gefragt sind. Außerdem hilft die Hyperniere dabei, Beckenübersprechen zu reduzieren. Dennoch sollte man auf die Position achten, denn bei engem Drum-Aufbau kann die Hyperniere je nach Winkel auch unerwünschte Signale einfangen.
Gitarren- und Bassverstärker
Vor Gitarrenamps liefert das Beyerdynamic M88 einen kräftigen, eher runden Sound. Ich würde es nicht als erste Wahl für extrem bissige Gitarrensounds bezeichnen, aber genau deshalb kann es eine interessante Alternative zu sehr präsenten Klassikern sein. Bei Bassverstärkern wirkt es besonders passend, weil die Tiefenwiedergabe und die hohe Belastbarkeit zusammenkommen.
Blasinstrumente
Für Blasinstrumente ist das M 88 ebenfalls geeignet. Ich finde hier die Kombination aus robustem Dynamikprinzip und breitem Frequenzgang reizvoll. Bei lauten Quellen wie Saxofon, Posaune oder Trompete ist es angenehm, wenn ein Mikrofon hohen Pegel sauber verarbeitet und gleichzeitig nicht zu dünn klingt.
Richtwirkung und Feedback-Verhalten
Die Hyperniere ist eines der stärksten Argumente im Beyerdynamic M88 Test. Laut Hersteller liegen die Richteigenschaften nah an den theoretisch möglichen Werten, wodurch akustische Rückkopplungen reduziert werden können.
Ich merke diesen Vorteil besonders in lauten Setups: Schlagzeug in der Nähe, Gitarrenamps auf der Bühne, Monitore vor den Musikern und wenig Zeit für perfekte Akustik. In solchen Situationen brauche ich Mikrofone, die nicht beliebig alles aufnehmen. Das M 88 fokussiert die Quelle sehr gut, wodurch ich am Pult schneller zu einem kontrollierten Ergebnis komme.
Trotzdem bleibt es ein Mikrofon für Anwender, die wissen, was sie tun. Eine Hyperniere verlangt bewusstes Arbeiten mit Winkeln. Wer das beachtet, bekommt jedoch ein leistungsfähiges Werkzeug für anspruchsvolle Live-Situationen.
Verarbeitung und Handling
Das M 88 wirkt wie ein professionelles Arbeitsgerät. Das Gehäuse besteht aus Messing, der Mikrofonkorb aus dreilagigem Edelstahlgewebe, und das Gewicht von 331 g vermittelt Stabilität, ohne das Mikrofon unhandlich zu machen.
Ich mag an solchen Mikrofonen, dass sie nicht nach kurzlebigem Trendprodukt aussehen. Das M 88 ist ein Klassiker, aber kein Museumsstück. Beyerdynamic betont, dass es in Heilbronn von Hand gefertigt wird und dass klanglich relevante Bauteile im eigenen Haus entstehen. Außerdem wird jedes Mikrofon individuell vermessen.
Für Verleiher, Techniker und professionelle Anwender ist auch die Servicefähigkeit interessant. Laut Hersteller sind die Mikrofone für den täglichen professionellen Einsatz konzipiert, und dank Servicepolitik können viele Teile ersetzt werden.
Beyerdynamic M88 im Live-Alltag
Im Live-Alltag zählt für mich vor allem, ob ein Mikrofon schnell verlässlich funktioniert. Beim M 88 sehe ich drei klare Stärken: Es klingt hochwertig, es ist vielseitig, und es hilft durch seine Richtwirkung bei der Kontrolle lauter Bühnen.
Allerdings ist es kein Mikrofon, das ich wahllos überall hinstellen würde. Gerade wegen des ausgeprägten Nahbesprechungseffekts lohnt sich eine saubere Positionierung. Bei Kick-Drum, Bassamp und Vocals kann ein Zentimeter mehr oder weniger bereits hörbar sein. Das ist kein Nachteil, sondern eher ein Hinweis darauf, dass das M 88 ein präzises Werkzeug ist.
Für wen eignet sich das Beyerdynamic M88?
Das Beyerdynamic M88 eignet sich meiner Einschätzung nach besonders für professionelle FOH-Live-Techniker, Bands mit eigenem hochwertigen Mikrofonbestand, Studios, Drum-Recording, Verleiher und Veranstaltungsdienstleister. Wer nur ein günstiges Allround-Mikrofon für gelegentliche Proben sucht, wird den Preis vermutlich hoch finden. Wer dagegen ein langlebiges Mikrofon für Kick, Vocals und Instrumente sucht, bekommt hier ein sehr vielseitiges Profiwerkzeug.
Besonders interessant finde ich das M 88 für Anwender, die ein dynamisches Mikrofon mit großem Frequenzbereich und starker Richtwirkung suchen. Es ist weder ein reines Gesangsmikrofon noch ein reines Bassdrum-Mikrofon. Genau diese Zwischenposition macht es so wertvoll.
Kritikpunkte im Beyerdynamic M88 Test
Ganz ohne Einschränkungen ist das M 88 nicht. Erstens verlangt die Hyperniere eine bewusste Monitor- und Mikrofonpositionierung. Zweitens kann der Nahbesprechungseffekt bei unerfahrenen Sängern zu wechselhaftem Klang führen. Drittens ist das Mikrofon preislich klar im professionellen Bereich angesiedelt.
Außerdem würde ich es nicht als „Plug-and-play-Lösung“ für jeden modernen Kick-Sound bezeichnen. Wer sofort einen stark vorgeformten, aggressiven Bassdrum-Sound sucht, wird eventuell mit spezialisierten Kick-Mikrofonen schneller ans Ziel kommen. Wer jedoch Kontrolle, Natürlichkeit und Flexibilität bevorzugt, bekommt mit dem M 88 eine sehr hochwertige Grundlage.
Fazit: Lohnt sich das Beyerdynamic M88?
Ja, das Beyerdynamic M88 lohnt sich, wenn man ein professionelles dynamisches Mikrofon für Veranstaltungstechnik, Studio und Bühne sucht. In meinem Beyerdynamic M88 Test überzeugt es durch einen breiten Frequenzgang, kräftige Tiefenwiedergabe, hohe Ausgangsleistung, sehr gute Richtwirkung und robuste Verarbeitung.
Ich sehe das M 88 vor allem als Mikrofon für Profis und ambitionierte Anwender, die bewusst mit Klang und Positionierung arbeiten. Es ist kein billiges Standardmikrofon, sondern ein langlebiges Spezialwerkzeug mit erstaunlich breitem Einsatzbereich. Für Kick-Drum, Gesang, Toms, Bassamp, Gitarrenamp und Bläser kann es eine sehr starke Wahl sein.
Wer in der Veranstaltungstechnik ein Mikrofon sucht, das auf lauten Bühnen kontrollierbar bleibt und gleichzeitig klanglich mehr Tiefe bietet als viele typische Bühnenmikrofone, sollte das Beyerdynamic M88 definitiv testen.
Herstellerlink: Kopfhörer & Mikrofone direkt vom Hersteller | beyerdynamic

FAQ zum Beyerdynamic M88
Ist das Beyerdynamic M88 ein Gesangsmikrofon?
Ja, das Beyerdynamic M88 eignet sich sehr gut für Gesang. Es liefert einen vollen, direkten Klang und profitiert von seiner Hypernierencharakteristik. Besonders bei Stimmen, die Körper und Wärme vertragen, kann es sehr überzeugend sein.
Ist das Beyerdynamic M88 gut für Kick-Drum?
Ja, die Kick-Drum ist eine der klassischen Anwendungen des M 88. Der weite Frequenzbereich bis 30 Hz und der ausgeprägte Nahbesprechungseffekt machen es besonders interessant für druckvolle Bassdrum-Sounds. Beyerdynamic empfiehlt für diese Anwendung den optionalen Windschutz WS 59 AZ.
Braucht das Beyerdynamic M88 Phantomspeisung?
Nein. Das M 88 ist ein dynamisches Tauchspulenmikrofon und benötigt keine Phantomspeisung.
Welche Richtcharakteristik hat das Beyerdynamic M88?
Das Beyerdynamic M88 besitzt eine Hypernierencharakteristik. Dadurch nimmt es Schall von vorne besonders stark auf und reduziert seitliche Einstreuungen effektiv. Das ist vor allem auf lauten Bühnen ein großer Vorteil.
Für welche Instrumente eignet sich das Beyerdynamic M88?
Das M 88 eignet sich für Kick-Drum, Toms, Gitarrenverstärker, Bassverstärker und Blasinstrumente. Außerdem kann es als Gesangsmikrofon auf der Bühne und im Studio eingesetzt werden.
Ist das Beyerdynamic M88 für Veranstaltungstechnik geeignet?
Ja. Gerade wegen seiner robusten Bauweise, der starken Richtwirkung und der guten Rückkopplungsfestigkeit ist das M 88 sehr interessant für Veranstaltungstechnik, Live-Sound und professionelle Bühnenanwendungen.
Wo wird das Beyerdynamic M88 hergestellt?
Das Beyerdynamic M88 wird laut Hersteller in Deutschland am Standort Heilbronn von Hand gefertigt.
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