Behringer XENYX X1204USB im Test
Mit einem Preis von 159 Euro gehört der Behringer XENYX X1204USB zu den günstigeren Analogmischpulten für kleine Live-Setups, den Proberaum und einfache Recording-Aufgaben. Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Das Modell ist seit mehr als zehn Jahren nahezu unverändert erhältlich und gehört noch immer zu den meistverkauften Kompaktmixern seiner Klasse. Das spricht für ein durchdachtes Konzept, zeigt aber gleichzeitig, dass einige technische Lösungen inzwischen nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand sind. Entscheidend ist daher weniger das Datenblatt als die Frage, ob sich das Mischpult im heutigen Live- und Recording-Alltag noch behaupten kann.
Der XENYX X1204USB richtet sich an Anwender, die analoge Arbeitsweise bevorzugen, aber dennoch nicht auf eine unkomplizierte USB-Anbindung verzichten möchten. Vier Mikrofoneingänge, integrierte Dynamikbearbeitung, interne Effekte und flexible Routing-Möglichkeiten wirken auf den ersten Blick ungewöhnlich umfangreich. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass nicht jede Funktion denselben Stellenwert besitzt. Entscheidend ist vielmehr, wie sinnvoll das Gesamtkonzept umgesetzt wurde und ob sich damit typische Aufgaben auf kleinen Bühnen oder im Proberaum effizient lösen lassen.
Verarbeitung und Bedienkonzept
Bereits nach kurzer Zeit fällt auf, dass das Mischpult logisch aufgebaut wurde. Die Kanalzüge folgen einer klassischen analogen Struktur, wodurch sich auch unter Zeitdruck schnell orientieren lässt. Gain, Equalizer, Aux-Wege, Panorama und Fader liegen dort, wo man sie erwartet. Wer regelmäßig Live-Mischungen erstellt, findet sich praktisch ohne Eingewöhnung zurecht.
Die 60-Millimeter-Fader arbeiten ausreichend präzise, auch wenn sie naturgemäß nicht das Gewicht oder die Laufruhe deutlich teurer Konsolen erreichen. Sämtliche Potentiometer vermitteln einen ordentlichen Eindruck und erlauben ausreichend feine Einstellungen. Besonders im Proberaum, wo das Mischpult häufig transportiert oder spontan aufgebaut wird, macht sich die kompakte Bauform positiv bemerkbar. Trotz der geringen Abmessungen wirkt die Oberfläche nicht überladen.
Die Kontrolle des Mischpults gelingt insgesamt unkompliziert. Pegel lassen sich schnell einrichten, Monitormischungen entstehen ohne größere Umwege und auch das Umschalten verschiedener Signalwege funktioniert nachvollziehbar. Lediglich bei komplexeren Routings verlangt die Vielzahl an Möglichkeiten etwas Aufmerksamkeit. Nach kurzer Einarbeitung erschließt sich die Struktur jedoch logisch.
Signalweg und Technik in der Praxis
Technisch folgt der XENYX X1204USB einer klassischen analogen Architektur. Das Eingangssignal durchläuft zunächst die XENYX-Mikrofonvorverstärker, bevor es den Kanal-EQ, den integrierten Kompressor sowie die Aux-Sends erreicht. Anschließend gelangt das Signal über den Kanalfader in den Main-Mix oder alternativ in den ALT-3/4-Bus. Genau diese Routing-Möglichkeit erweitert den praktischen Einsatzbereich deutlich.
Die Vorverstärker liefern genügend Verstärkung für typische dynamische Gesangsmikrofone und arbeiten gleichzeitig ausreichend rauscharm, solange die Gain-Reserven nicht vollständig ausgeschöpft werden. Im normalen Live-Betrieb entsteht ein sauberer und transparenter Grundklang, der sich problemlos weiterverarbeiten lässt.
Der dreibandige Equalizer arbeitet musikalisch und greift angenehm weich ein. Gerade bei Gesang oder akustischen Instrumenten entstehen schnelle Korrekturen, ohne dass der Klang künstlich oder überzeichnet wirkt. Die Mitten lassen sich zwar nicht parametrisch bearbeiten, dennoch reicht der Regelbereich für viele typische Live-Anwendungen vollkommen aus.
Besonders interessant sind die integrierten Ein-Knopf-Kompressoren der Mikrofonkanäle. Sie ersetzen selbstverständlich keinen vollwertigen Studiokompressor, erleichtern aber den Alltag erheblich. Gesangssignale oder Sprachanwendungen profitieren von einer gleichmäßigeren Dynamik, ohne dass umfangreiche Einstellungen notwendig wären. Gerade bei wechselnden Sängern oder spontanen Auftritten entsteht dadurch ein spürbarer Vorteil.
Routing bietet mehr Möglichkeiten als erwartet
Ein oft unterschätzter Aspekt des X1204USB ist seine Routing-Flexibilität. Obwohl das Mischpult kompakt ausfällt, erlaubt es deutlich mehr Signalführung, als viele Anwender zunächst vermuten.
Die beiden Aux-Wege decken die wichtigsten Aufgaben im Live-Betrieb sinnvoll ab. Ein schaltbarer Monitorweg sowie ein separater Effektweg reichen für die meisten kleinen Bühnen problemlos aus. Gleichzeitig lassen sich externe Effektgeräte ebenso integrieren wie das interne Effektmodul.

Sehr praktisch zeigt sich der ALT-3/4-Bus. Kanäle können per Mute-Schalter aus dem Main-Mix entfernt werden, ohne dass sie vollständig verschwinden. Dadurch entstehen zusätzliche Möglichkeiten beim Recording oder für alternative Signalführungen. Wer beispielsweise einzelne Quellen getrennt abhören oder aufnehmen möchte, profitiert von diesem Konzept deutlich stärker als zunächst erwartet.
Auch die Control-Room-Sektion trägt zu einem angenehmen Workflow bei. Verschiedene Signalquellen lassen sich unabhängig vom Hauptmix kontrollieren. Gerade im Proberaum oder bei kleinen Recording-Sessions erhöht das die Übersicht erheblich.
USB-Interface und Recording
Das integrierte USB-Interface verfolgt bewusst einen einfachen Ansatz. Die Verbindung zum Computer gelingt unkompliziert, zusätzliche Treiber sind in den meisten Fällen nicht erforderlich. Für Mitschnitte von Proben, Podcasts oder kleinen Live-Aufnahmen funktioniert dieses Konzept zuverlässig.
Allerdings sollte die Erwartungshaltung realistisch bleiben. Es handelt sich nicht um ein Mehrkanal-Interface, sondern um eine Stereo-Anbindung des Mischpults. Einzelne Kanäle lassen sich daher nicht getrennt aufnehmen und später separat mischen. Für einfache Dokumentationen oder schnelle Produktionen genügt das vollkommen. Anspruchsvollere Recording-Projekte stoßen dagegen an diese technische Grenze.
Gerade im Live-Alltag besitzt diese Lösung dennoch ihren Reiz. Innerhalb weniger Minuten entsteht ein sauberer Mitschnitt des gesamten Konzerts, ohne zusätzliche Hardware oder komplizierte Konfiguration.
Klangcharakter und interne Effekte
Klanglich präsentiert sich das Mischpult angenehm neutral. Die Vorverstärker färben das Signal nur moderat und liefern eine solide Basis für Sprache, Gesang oder Instrumente. Gleichzeitig bleibt genügend Headroom vorhanden, sodass auch dynamisch gespielte Bands sauber verarbeitet werden können.

Die interne Effektsektion überrascht positiv. Zwar ersetzt sie kein hochwertiges externes Effektgerät, doch insbesondere die Hallprogramme lassen sich für kleine Live-Produktionen sinnvoll einsetzen. Gesang erhält eine angenehme Räumlichkeit, ohne dass der Effekt künstlich wirkt. Über den Tap-Taster lassen sich Delay-Zeiten zudem schnell an das Songtempo anpassen, was den praktischen Nutzen deutlich erhöht.
Die übrigen Modulationseffekte besitzen eher ergänzenden Charakter. Sie erweitern die Möglichkeiten, stehen im Live-Alltag jedoch deutlich seltener im Mittelpunkt.
Workflow auf kleiner Bühne und im Proberaum
Gerade auf kleinen Bühnen entscheidet Geschwindigkeit über einen entspannten Ablauf. Hier spielt der XENYX X1204USB seine größten Stärken aus. Die wichtigsten Funktionen sind jederzeit direkt erreichbar, Menüs oder Displays existieren nicht. Änderungen erfolgen unmittelbar und bleiben jederzeit nachvollziehbar.
Auch im Proberaum überzeugt dieses Konzept. Mehrere Mikrofone, Keyboards oder Zuspieler lassen sich problemlos gleichzeitig verwalten. Gleichzeitig entsteht durch das USB-Interface ohne zusätzlichen Aufwand eine schnelle Aufnahmemöglichkeit für Songideen oder Probenmitschnitte.
Die Kontrolle des Mischpults gelingt insgesamt sehr intuitiv. Selbst weniger erfahrene Anwender finden sich nach kurzer Zeit zurecht, während erfahrene Tontechniker die direkte analoge Arbeitsweise zu schätzen wissen.
Fazit
Pro
Contra



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