PA dimensionieren für Raumgröße und Personenanzahl: Eine PA „nach Gefühl“ zu planen, endet oft in zwei Extremen: Entweder ist es zu leise und angestrengt – oder zu laut, matschig und trotzdem nicht verständlich. Damit du eine Veranstaltung technisch sauber abdeckst, brauchst du keine magische Watt-Zahl, sondern ein systematisches Vorgehen aus Zielpegel (SPL), Entfernung, Abstrahlwinkel, Headroom und Subwoofer-Anteil.
Dieser Beitrag zeigt dir Schritt für Schritt, wie du eine PA auswählen und skalieren kannst – sowohl nach Personenzahl als auch nach Raumgröße.
PA dimensionieren für Raumgröße und Personenanzahl – warum „Watt“ als Kennzahl fast immer in die Irre führt
Viele vergleichen PAs über Watt. Trotzdem sagt die Leistungsangabe alleine wenig aus, weil:
- Wirkungsgrad/Sensitivität (wie laut ein Lautsprecher aus 1 Watt wird) stark variiert.
- Hersteller teils Peak, teils Program, teils RMS/Continuous nennen.
- Entscheidend ist, was am Publikum ankommt: SPL (Schalldruckpegel) und Abdeckung.
Merke dir deshalb: Für die Dimensionierung sind vor allem relevant:
- Max SPL (Peak und möglichst auch Continuous)
- Abstrahlwinkel (z. B. 90° × 60°)
- Systemaufbau (Top/Sub, Anzahl, Aufstellung, ggf. Delay-Lines)
Schritt 1: Anwendung festlegen – denn X Personen sind nicht gleich X Personen
Bevor du über Tops und Subs sprichst, klärst du zuerst den Use-Case. Denn ein Jazz-Quartett und ein EDM-DJ „verbrauchen“ PA völlig unterschiedlich.
Typische Zielpegel am Publikum (Richtwerte):
| Anwendung | Zielpegel am Publikum (typisch) |
|---|---|
| Sprache/Moderation, Konferenz | ca. 70–80 dB(A), maximale Verständlichkeit |
| Hintergrundmusik (Bar, Empfang) | ca. 70–85 dB(A) |
| Akustik/Unplugged | ca. 85–95 dB(A) |
| Rock/Pop Liveband | ca. 95–105 dB(A) |
| DJ/Club/EDM | ca. 100–110 dB(A) (ggf. mehr, je nach Konzept & Limits) |
Wichtig: In vielen Locations gibt es Lärmschutzauflagen. Deshalb planst du nicht „maximal“, sondern zielgerichtet – und hältst trotzdem Reserve.
Schritt 2: Raumgröße ist hilfreich – entscheidend ist jedoch die Entfernung zur letzten Reihe
Für die PA-Auswahl zählt weniger „200 m²“ als vielmehr:
- Tiefe des Publikumsbereichs (Entfernung zur letzten Reihe)
- Breite (wie weit du horizontal abdecken musst)
- Deckenhöhe und Nachhall (wie schwierig es akustisch wird)
Denn Schall nimmt mit Entfernung ab. Faustregel: Bei Verdopplung der Entfernung verlierst du ca. 6 dB (Freifeld).
Schritt 3: Quick-Formel zur groben Dimensionierung (SPL über Distanz)
Wenn du am hintersten Punkt einen Zielpegel erreichen willst, kannst du grob rechnen:
Benötigter Pegel @1 m ≈ Zielpegel hinten + 20·log10(Entfernung in m) + Headroom
- 20·log10(d) beschreibt den Pegelverlust im Freifeld.
- Headroom: plane +3 bis +6 dB, bei dynamischer Musik oder Outdoor eher +6 bis +10 dB.
Beispiel (Liveband):
Ziel hinten: 100 dB, Entfernung: 15 m, Headroom: 6 dB
20·log10(15) ≈ 23,5 dB
→ Benötigt @1 m ≈ 100 + 23,5 + 6 = 129,5 dB
Das bedeutet nicht „ein Lautsprecher muss 129,5 dB dauerhaft können“, sondern: Du brauchst ein System, das diesen Bereich realistisch (mit Reserve) abdecken kann – und zwar über die gewünschte Bandbreite.
Schritt 4: Abstrahlwinkel und Aufstellung – damit es vorne nicht brüllt und hinten nicht verhungert
Selbst eine „laute“ PA klingt schlecht, wenn sie falsch zielt.
Achte darauf, dass:
- die Hochtonhörner über Kopfhöhe spielen (nicht in die erste Reihe)
- der Abstrahlwinkel zur Raumgeometrie passt (z. B. 90° in kleinen Räumen, enger in breiten Hallen)
- du bei größerer Tiefe lieber Delay-Lines nutzt, statt vorne lauter zu drehen
- du Subs sinnvoll platzierst (zentral oder als Array), um Auslöschungen zu reduzieren
Gerade in halligen Räumen gilt: Mehr Pegel ist nicht gleich mehr Verständlichkeit. Oft hilft eine bessere Ausrichtung mehr als zusätzliche dB.
Schritt 5: Headroom – der Unterschied zwischen „geht“ und „klingt“
Headroom ist deine Sicherheitsmarge für:
- Dynamikspitzen (Snare, Vocals, Kick)
- überraschend lautes Publikum
- EQ-Korrekturen (die Pegel kosten)
- Limitierungen im Amp/DSP
Empfehlung:
- Sprache/Hintergrund: +3 dB Headroom
- Liveband/DJ: +6 dB Headroom
- Outdoor (kein Raumgewinn, mehr Wind/Umgebungsgeräusch): eher +6 bis +10 dB
Schritt 6: Subwoofer richtig planen – „Bass für alle“ braucht Fläche und Luftverschiebung
Viele Systeme scheitern nicht an den Tops, sondern am Bass. Denn tiefe Frequenzen brauchen:
- Membranfläche (z. B. 18″)
- Hub
- Gehäusevolumen
- sinnvolle Anzahl und Aufstellung
Pragmatische Faustregeln (als Startpunkt):
- Für Speech-only: meist keine Subs nötig
- Für Liveband (Rock/Pop): häufig 1–2× 18″ pro Seite (je nach Größe)
- Für DJ/EDM: Subs sind oft der limitierende Faktor – eher 2× 18″ pro Seite aufwärts, bei größeren Flächen deutlich mehr
Außerdem: Wenn der Bass im Raum „verschwindet“, ist nicht automatisch zu wenig Leistung da. Häufig sind es Auslöschungen durch Aufstellung. Zentral gestellte Subs oder ein kleines Sub-Array helfen oft deutlich.
Praxis: PA-Konfiguration nach Personenzahl (Richtwerte)
Die folgende Tabelle ist bewusst als robuster Einstieg gedacht. Je nach Musikstil, Raumakustik, Outdoor/Indoor und Anspruch kann das nach oben oder unten abweichen.
| Publikum | Typische Anwendung | Sinnvolle PA-Basis (Richtwert) |
|---|---|---|
| bis 50 | Sprache, Akustik | 2× 10″/12″ Tops, ggf. kleiner Sub bei Musik |
| 50–120 | Akustik, kleine Band, DJ moderat | 2× 12″ Tops + 1–2× 15″/18″ Subs |
| 120–250 | Liveband, DJ | 2× starke 12″/15″ Tops + 2–4× 18″ Subs |
| 250–500 | laute Band/DJ, größere Tiefe | stärkere Tops/kleines Line-Array + 4–8× 18″ Subs, ggf. Delay-Lines |
| 500–1000+ | Open Air / große Hallen | Line-Array + Sub-Array + Delay-/Outfill je nach Geometrie |
Wenn du nur eine Zahl mitnehmen willst: Ab etwa 250 Personen wird die Systemgeometrie (Coverage/Delay/Array) oft wichtiger als „noch ein bisschen mehr Watt“.
Praxis: PA-Konfiguration nach Raumgröße (Richtwerte)
Raumgröße hilft als Orientierung, dennoch musst du die Tiefe und den Nachhall berücksichtigen.
| Raumgröße | Typische Situation | Empfehlung |
|---|---|---|
| 30–80 m² | Proberaum, kleiner Clubraum | 2× 10″/12″, Subs nach Musikstil |
| 80–200 m² | Bar/Club klein, Vereinsheim | 2× 12″/15″ + 2× 18″ (DJ/Livemusik) |
| 200–500 m² | Saal, mittlere Halle | Tops mit gutem Throw/Array-Option + 4× 18″ aufwärts, Delay möglich |
| 500–1500 m² | große Halle | Line-Array, Sub-Array, Delay-Lines fast immer sinnvoll |
PA dimensionieren für Raumgröße und Personenanzahl: Häufige Planungsfehler – und wie du sie vermeidest
- Zu kleine Tops, zu viele Subs
Ergebnis: Bass laut, aber Stimmen dünn. Besser: Tops auf den Zielpegel dimensionieren und Subs passend ergänzen. - Falscher Abstrahlwinkel
Ergebnis: vorne zu laut, seitlich tot, hinten unklar. Besser: Winkel zur Publikumsfläche passend wählen und sauber zielen. - Keine Delay-Lines bei großer Tiefe
Ergebnis: Du drehst vorne zu laut, damit hinten etwas ankommt. Besser: hinten unterstützen statt vorne quälen. - Hallige Räume mit „mehr Pegel“ bekämpfen
Ergebnis: es wird nur lauter und weniger verständlich. Besser: Ausrichtung, EQ, ggf. geringere Lautstärke und bessere Sprachführung.
PA dimensionieren für Raumgröße und Personenanzahl: Kurz-Checkliste – in 5 Minuten zur brauchbaren PA-Schätzung
- Was ist das Programm? (Sprache / Band / DJ)
- Wie weit ist die letzte Reihe? (Tiefe in Metern)
- Welchen Zielpegel brauchst du hinten? (Tabelle oben)
- +6 dB Headroom (Band/DJ; sonst +3 dB)
- Coverage planen: Abstrahlwinkel, Höhe, ggf. Delay-Lines
- Subs nach Stil: Rock moderat, EDM deutlich mehr – Aufstellung beachten
PA dimensionieren für Raumgröße und Personenanzahl – Fazit:
Eine PA „für X Menschen“ ist in Wahrheit eine PA „für X Meter bis zur letzten Reihe, Y dB Zielpegel und Z Grad Abdeckung“. Wenn du diese drei Faktoren sauber bestimmst und anschließend Headroom einplanst, bekommst du ein System, das nicht nur laut kann, sondern auch entspannt, klar und kontrolliert klingt.

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