Electro-Voice PL33 Test-Check: Spezialist für Bassdrum und tiefe Instrumente
Eine Bassdrum soll im Live-Mix Druck entwickeln, ohne den Bass zu verdecken. Gleichzeitig muss ihr Anschlag erkennbar bleiben, damit sich das Schlagzeug auch zwischen Gitarren und Keyboards durchsetzt. Genau für diese Aufgabe ist das Electro-Voice PL33 konzipiert: ein dynamisches Mikrofon mit Supernierencharakteristik und einer auf tiefe Schlaginstrumente zugeschnittenen Frequenzabstimmung. In diesem Electro-Voice PL33 Test-Check schaue ich mir an, welche Eigenschaften dafür sprechen, wo die Grenzen der Herstellerangaben liegen und worauf ich beim Einsatz an der PA achten würde.
Kurzinfo auf einen Blick
Das Electro-Voice PL33 ist ein dynamisches Supernierenmikrofon für Bassdrum, tiefe Toms und Bassboxen. Seine abgestimmte Frequenzkurve verbindet einen betonten Anschlagbereich mit einem stark abstandsabhängigen Bassanteil. Für die Live-Abnahme ist das Konzept interessant; Positionierung und Gain bleiben entscheidend. Die Bewertung basiert auf Herstellerdaten, nicht auf einem Hörtest.
Konzept: Ein Mikrofon mit klarer Aufgabe
Electro-Voice ordnet das PL33 der PL-Serie für professionelle Live-Anwendungen zu. Darüber hinaus nennt der Hersteller den Einsatz im Studio. Die dynamische Kapsel arbeitet mit einer Neodym-Magnetstruktur; ihr Frequenzgang ist gezielt auf die Abnahme einer Kickdrum abgestimmt. Auch tiefe Toms und Basslautsprecher gehören ausdrücklich zu den vorgesehenen Schallquellen.
Ich halte diese Spezialisierung für den entscheidenden Punkt bei der Einordnung. Ein Bassdrum-Mikrofon muss kein möglichst neutrales Abbild beliebiger Instrumente liefern. Stattdessen kann eine passende Abstimmung helfen, Körper und Anschlag der Trommel im Mix herauszuarbeiten. Allerdings ersetzt sie weder die Stimmung der Bassdrum noch eine sorgfältige Mikrofonposition. Wie gut der vorgeformte Klang tatsächlich zur eigenen Musik passt, lässt sich erst mit dem jeweiligen Instrument beurteilen.
Bauform und Ausstattung des Electro-Voice PL33
Das PL33 misst laut Datenblatt 141,5 Millimeter in der Länge und 59,2 Millimeter in der Breite. Sein Nettogewicht beträgt 364 Gramm. Hinzu kommen ein schwarz satiniertes, strukturiertes Gehäusefinish und ein feinmaschiger Memraflex-Korb. Zum angegebenen Lieferumfang gehören ein Stativadapter mit europäischem Gewindeeinsatz sowie eine weiche Reißverschlusstasche.
Für die Aufstellung würde ich ein standfestes, niedriges Mikrofonstativ einplanen. Gerade wenn der Ausleger in die Bassdrum hineinragt, zählen ein sicherer Stand und genügend Platz für den XLR-Stecker. Bei kleinen Öffnungen im Resonanzfell sollte außerdem geprüft werden, ob sich das Mikrofon samt Halterung und Kabel in den gewünschten Winkel bringen lässt. Die Abmessungen allein beantworten diese praktische Frage noch nicht.
Technische Daten im Überblick
- Bauart: dynamisches Instrumentenmikrofon mit Neodym-Magnetstruktur
- Richtcharakteristik: Superniere
- Frequenzbereich laut Hersteller: 20 Hz bis 10 kHz
- Leerlaufempfindlichkeit bei 1 kHz: 0,5 mV/Pa beziehungsweise −66 dBV/Pa
- Nennimpedanz: 150 Ohm
- Anschluss: dreipoliger XLR-Anschluss
- Polarität: positiver Schalldruck erzeugt eine positive Spannung an Pin 2 gegenüber Pin 3
- Abmessungen: 141,5 mm Länge, 59,2 mm Breite; Schaftdurchmesser 25,6 mm
- Nettogewicht: 364 g
- Lieferumfang laut Datenblatt: Stativadapter mit Euro-Gewindeeinsatz und Reißverschlusstasche
- Vorgesehene Anwendungen: Bassdrum, tiefe Toms und Bassboxen
Klangabstimmung: Was die Herstellerkurve erkennen lässt
Anschlagbetonung statt neutraler Übertragung
Der angegebene Frequenzbereich von 20 Hz bis 10 kHz beschreibt zunächst die vom Hersteller genannte Bandbreite. Da dafür keine Toleranz angegeben wird, darf daraus keine lineare Übertragung bis 20 Hz abgeleitet werden. Aussagekräftiger für die klangliche Einordnung ist die Frequenzkurve im Engineering Data Sheet.
Sie zeigt zurückgenommene untere Mitten und eine deutliche Anhebung im Bereich um etwa 4 kHz. Daraus lässt sich eine Abstimmung ableiten, die den Anschlag einer Bassdrum hervorheben kann. Gerade in dichten Arrangements ist dieser Bereich hilfreich, weil sich der Rhythmus nicht allein über den Tiefbass vermittelt. Ob daraus im konkreten Setup ein angenehmer, harter oder zu dominanter Attack entsteht, hängt allerdings auch von Schlägel, Fell und Ausrichtung ab.
Ich würde das PL33 deshalb als bewusst klangformendes Mikrofon einordnen. Die Kurve spricht für eine Anwendung, bei der die Kickdrum Kontur erhalten soll. Eine pauschale Aussage wie „klingt sofort ohne EQ perfekt“ wäre mir dagegen zu weitgehend: Dieselbe Präsenzanhebung kann je nach Trommel genau passen oder eine Korrektur erfordern.
Der Nahbesprechungseffekt als Werkzeug
Besonders aufschlussreich ist die zusätzliche Kurve für einen Abstand von einem Zentimeter. Sie zeigt eine ausgeprägte Bassanhebung gegenüber der anderen dargestellten Kurve. Electro-Voice beschreibt den Nahbesprechungseffekt bei Abständen unter ungefähr 15 Zentimetern als hörbar; bei größeren Entfernungen soll sein Einfluss gering ausfallen. Dieser Wert ist eine Orientierung, keine scharfe Grenze.
Für mich ergibt sich daraus eine klare Arbeitsweise: Zuerst würde ich Abstand und Ausrichtung verändern, bevor ich den Bassbereich am Mischpult stark anhebe. Allerdings entsteht der Klang innerhalb einer Bassdrum nicht allein durch den Nahbesprechungseffekt. Fellschwingungen, Luftbewegung und Resonanzen beeinflussen das Ergebnis ebenfalls. „Näher“ bedeutet deshalb nicht automatisch „besser“.
Superniere auf der Bühne: Ausrichtung zählt
Die Supernierencharakteristik soll seitlich einfallenden Schall reduzieren und damit die Trennung von anderen Instrumenten unterstützen. Bei einer Bassdrum ist das interessant, weil insbesondere Snare und Becken in das Mikrofon übersprechen können. Electro-Voice stellt außerdem eine erhöhte Verstärkung vor dem Einsetzen von Rückkopplungen in Aussicht.
Ich würde daraus jedoch keine Garantie für einen übersprechungsfreien Kanal ableiten. Auch das Polardiagramm des Herstellers zeigt, dass die Richtwirkung von der Frequenz abhängt. Zudem besitzt eine Superniere eine rückwärtige Aufnahmekeule. Ein Monitor direkt hinter dem Mikrofon steht daher nicht automatisch an der günstigsten Position.
Für den Aufbau bedeutet das: Die Vorderseite des PL33 gezielt auf die gewünschte Schallquelle ausrichten und zugleich berücksichtigen, wo Monitore, Sidefills und andere laute Quellen stehen. Wie viel Rückkopplungsreserve am Ende vorhanden ist, entscheidet das gesamte Setup aus Mikrofonposition, Lautsprecheraufstellung, Raum und Pegel.
Electro-Voice PL33 an der Bassdrum einsetzen
Mit der Position den Grundklang formen
Bei einer Bassdrum mit Öffnung im Resonanzfell würde ich zunächst eine Position im Bereich der Öffnung wählen und das Mikrofon auf das Schlagfell richten. Anschließend würde ich in kleinen Schritten vergleichen, wie sich Klangkörper, Attack und störende Luftgeräusche verändern. Eine stärkere Ausrichtung auf den Auftreffpunkt des Schlägels kann dessen Anschlag hervorheben; eine veränderte Ausrichtung kann die Balance verschieben.
Das Datenblatt nennt unter anderem eine Position wenige Zentimeter vor dem Schlägel bei entferntem Resonanzfell und gedämpfter Trommel. Diesen Vorschlag verstehe ich als möglichen Ausgangspunkt, nicht als Pflichtaufbau. Das Entfernen des Resonanzfells verändert bereits den Klang des Instruments erheblich. Deshalb würde ich zuerst klären, welche Abstimmung der Drummer erreichen möchte, bevor ich die Trommel für die Mikrofonierung umbaue.
Auch die Dämpfung sollte bewusst dosiert werden. Eine stark gedämpfte Kickdrum erleichtert unter Umständen eine kurze, kontrollierte Wiedergabe. Ein längerer Ausklang kann dagegen musikalisch gewünscht sein. Das Mikrofon sollte diese Entscheidung unterstützen.
Gain: Niedrige Empfindlichkeit richtig einordnen
Mit 0,5 mV/Pa besitzt das PL33 eine niedrige Empfindlichkeit. Das beschreibt seine elektrische Ausgangsspannung bei einem definierten Schalldruck, nicht seine Klangqualität. An einer laut gespielten Bassdrum ist diese geringe Ausgangsspannung nicht automatisch problematisch; an einer leisen Quelle kann dagegen mehr Vorverstärkung erforderlich werden.
Ich würde den Eingangspegel mit kräftigen, realistischen Schlägen einstellen und ausreichend Reserve für Spitzen lassen. Ein Inline-Vorverstärker ist dafür nicht grundsätzlich nötig. Entscheidend sind die Lautstärke am Mikrofon und die Eigenschaften des Mischpult-Preamps. Phantomspeisung benötigt das passive dynamische PL33 nicht.
Einen konkreten maximalen Schalldruckpegel nennt das vorliegende Engineering Data Sheet nicht. Deshalb lässt sich daraus keine belastbare dB-SPL-Grenze für verzerrungsfreien Betrieb angeben. Die ausdrückliche Auslegung als Bassdrum-Mikrofon ersetzt eine solche Messangabe nicht.
EQ und Dynamik erst nach der Aufstellung
Weil das PL33 bereits eine ausgeprägte Frequenzabstimmung besitzt, würde ich am Pult zunächst ohne zusätzliche starke Klangkorrekturen beginnen. Fehlt Definition, sollte vor einer weiteren Höhenanhebung die Ausrichtung überprüft werden. Wirkt der Klang überladen, können Abstand und Position ebenso wichtig sein wie ein Eingriff in den unteren Mitten.
Einen Hochpass würde ich an der Kickdrum bewusst wählen: Zu hoch angesetzt, entfernt er den gewünschten Grundtonanteil. Ein Gate wiederum sollte den Ausklang nicht unbeabsichtigt abschneiden. Kompression ist sinnvoll, wenn sie eine konkrete Aufgabe erfüllt, etwa Pegelspitzen zu kontrollieren. Die entscheidende Beurteilung erfolgt dabei im Bandmix und über die tatsächlich eingesetzte PA.
Tiefe Toms und Bassboxen als weitere Einsatzfelder
Neben der Bassdrum nennt Electro-Voice tiefe Toms und Basslautsprecher als Anwendungen. Bei einem Floor-Tom ist die Kombination aus Tieftonübertragung und Anschlagbetonung grundsätzlich plausibel. Allerdings würde ich prüfen, ob die vorgeformten Mitten zum gewünschten natürlichen Trommelklang passen und ob die Bauform eine günstige Aufstellung zulässt.
An einer Bassbox kann das PL33 eine Alternative oder Ergänzung zum DI-Signal sein. Während die DI den Lautsprecher nicht erfasst, nimmt das Mikrofon dessen klanglichen Beitrag und die Wirkung seiner Position auf. Ich würde beide Signale zunächst einzeln beurteilen und anschließend gemeinsam hören. Wird der Bass beim Zumischen dünner, sollten Polarität und Laufzeit untersucht werden; ein Polaritätsschalter allein löst nicht jede frequenzabhängige Auslöschung.
Für ein möglichst neutrales Abbild mit weit ausgedehntem Hochtonbereich wäre das PL33 aufgrund seiner Abstimmung nicht meine erste Wahl. Wer dagegen gezielt einen auf tiefe Instrumente zugeschnittenen Mikrofonklang sucht, findet hier ein nachvollziehbares Konzept.
Fazit zum Electro-Voice PL33 Test-Check
Das Electro-Voice PL33 ist auf dem Papier ein konsequent spezialisiertes Mikrofon für Bassdrum, tiefe Toms und Bassboxen. Ich sehe seine Stärke im Zusammenspiel aus anschlagbetonter Abstimmung, ausgeprägtem Nahbesprechungseffekt und Supernierencharakteristik. Damit bietet es sinnvolle Ansatzpunkte, um tiefe Instrumente für den Live-Mix zu formen.
Die Grenzen gehören jedoch zur Bewertung: Die geringe Empfindlichkeit verlangt einen passenden Umgang mit dem Preamp, die Superniere eine durchdachte Ausrichtung und die Frequenzkurve eine bewusste Entscheidung für diesen Klangcharakter. Eine abschließende Bewertung von Sound, Rückkopplungsreserve und Verarbeitung ist ohne Hör- und Praxistest nicht möglich. Als Kandidat für eine gezielte Bassdrum-Abnahme ist das PL33 aus technischer Sicht interessant; ob es zur eigenen Trommel passt, sollte ein Vergleich am Instrument entscheiden.
Herstellerlink: PL33 | Electro-voice

FAQ zum Electro-Voice PL33
Wofür ist das Electro-Voice PL33 geeignet?
Der Hersteller nennt Bassdrums, tiefe Toms und Basslautsprecherboxen. Das PL33 ist für Live-Beschallung vorgesehen und kann auch im Studio eingesetzt werden.
Braucht das Electro-Voice PL33 Phantomspeisung?
Nein. Das PL33 ist ein passives dynamisches Mikrofon und benötigt keine Phantomspeisung.
Welche Richtcharakteristik besitzt das PL33?
Es arbeitet mit einer Supernierencharakteristik. Diese reduziert seitlichen Schalleinfall, besitzt jedoch auch eine rückwärtige Aufnahmekeule. Die Ausrichtung zu Monitoren und anderen Schallquellen bleibt deshalb wichtig.
Überträgt das PL33 linear bis 20 Hz?
Das lässt sich aus der Herstellerangabe nicht ableiten. Electro-Voice nennt einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 10 kHz ohne zugehörige Toleranz. Die dokumentierte Frequenzkurve ist bewusst geformt.
Warum verändert der Mikrofonabstand den Bassanteil?
Durch den Nahbesprechungseffekt nimmt der Bassanteil bei geringem Abstand zu. Electro-Voice beschreibt diesen Einfluss unter ungefähr 15 Zentimetern als hörbar. In einer Bassdrum wirken zusätzlich deren Resonanzen und die genaue Mikrofonposition.
Eignet sich das PL33 auch für Gesang oder als Overhead?
Seine Abstimmung ist auf tiefe Instrumente zugeschnitten. Für Gesang oder ein breitbandiges Bild von Becken und Schlagzeug sind entsprechend ausgelegte Mikrofone in der Regel die passendere Wahl.



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