MADI in der Veranstaltungstechnik

MADI erklärt für Tontechnik

MADI in der Veranstaltungstechnik: Bedeutung, Nutzen und Technik verständlich erklärt

Wenn es in der Live- und Eventwelt um viele Audiokanäle geht, treffen zwei Anforderungen frontal aufeinander: maximale Betriebssicherheit und möglichst wenig Kabelchaos. Genau an dieser Stelle taucht ein Begriff auf, der seit Jahrzehnten zuverlässig seinen Job macht: MADI. Vielleicht hast du es schon auf Stageboxen, Digitalpulten oder in einem Ü-Wagen gesehen – und dich gefragt, warum manche Produktionen immer noch darauf schwören, obwohl Dante & Co. längst überall diskutiert werden. Deshalb schauen wir uns heute ausführlich an, was MADI bedeutet, wozu man es braucht und wie es technisch funktioniert – mit Fokus auf den Praxisalltag in der Veranstaltungstechnik.

Was bedeutet MADI?

MADI steht für Multichannel Audio Digital Interface. Es handelt sich um ein digitales Audio-Übertragungsformat, das speziell dafür entwickelt wurde, viele Kanäle gleichzeitig über eine einzige Leitung zu transportieren. Technisch ist MADI als AES10 standardisiert, was bereits verrät: Das ist kein “Hersteller-Feature”, sondern ein etabliertes, herstellerübergreifendes Protokoll.

Das Entscheidende ist: MADI ist nicht “Audio over IP” und auch kein Netzwerk im klassischen Sinn. Stattdessen ist es eine serielle Punkt-zu-Punkt-Verbindung, die vor allem dann glänzt, wenn du stabile, vorhersehbare Audioverbindungen mit vielen Kanälen brauchst – ohne Switches, VLANs oder IT-Feintuning.

Wozu braucht man MADI?

In der Praxis ist MADI oft das, was man gerne hat, wenn es “einfach laufen” muss. Denn anstatt 24, 48 oder 64 einzelne Leitungen (analog oder AES/EBU) zu ziehen, packt MADI Dutzende Kanäle in einen einzigen Datenstrom. Das spart nicht nur Kabel, sondern reduziert auch Fehlerquellen – und zwar spürbar.

Typische Einsatzszenarien in der Veranstaltungstechnik sind:

  • Digitalpult ↔ Stagebox (vor allem bei Systemen/Generationen, die auf MADI als Backbone setzen)
  • FOH ↔ Monitorplatz (Split/Sharing von Kanälen oder Pult-zu-Pult-Links)
  • Konsole ↔ Recorder / Broadcast / Ü-Wagen (Mehrspuraufzeichnung oder Live-Feed)
  • Router/Matrix-Systeme in Installationen, Theater- und Broadcast-Umgebungen

Außerdem ist MADI häufig eine Art “Universaladapter” zwischen Welten: Wenn ein Gerät MADI spricht, lässt sich Audio recht unkompliziert zu anderen Formaten wandeln – zum Beispiel über Konverter zu AES/EBU, analog, ADAT oder ins Audio-over-IP-Universum.

Was macht MADI so attraktiv – trotz moderner Netzwerkaudio-Systeme?

Netzwerkaudio (Dante, AVB, Ravenna) ist extrem flexibel. Gleichzeitig bringt es aber Netzwerklogik mit: Switches, QoS, Clocking-Strategien, Multicast, Fehlersuche mit Tools usw. Das ist kein Nachteil per se, jedoch steigt die Komplexität – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass in stressigen Livesituationen jemand an der falschen Stelle sucht.

MADI ist dagegen bewusst “oldschool” im besten Sinn: ein Link, ein Datenstrom, klare Richtung, klare Regeln. Dadurch ist es sehr deterministisch. Wenn die Strecke steht und die Clock stimmt, läuft es in der Regel ohne Überraschungen. Gerade bei kritischen Produktionen (Broadcast, große Touren, Festivals mit eng getakteten Changeovers) ist das ein echtes Argument.

MADI in der Veranstaltungstechnik – wie funktioniert MADI technisch?

Jetzt wird’s kurz nerdig – aber keine Sorge: Mit dem richtigen Bild im Kopf ist MADI ziemlich logisch.

1) Kanalanzahl und Sample Rates

Klassisch transportiert MADI bis zu 56 oder 64 Audiokanäle (je nach Implementierung/Modus) bei 44,1 kHz oder 48 kHz, typischerweise mit 24 Bit Auflösung. Die “56 vs. 64”-Frage ist historisch gewachsen: Manche Systeme nutzen 56 Kanäle im “alten” Frame-Layout, viele moderne Geräte unterstützen 64.

Bei höheren Sample Rates wird es – wie bei vielen Mehrkanalformaten – kanalhungrig. Denn um 96 kHz oder 192 kHz zu übertragen, wird häufig eine Art Kanalbündelung genutzt: Pro Audiokanal werden dann mehr “Plätze” im Datenstrom benötigt. Praktisch bedeutet das: Bei 96 kHz halbiert sich die Kanalzahl, und bei 192 kHz wird es entsprechend noch weniger. Das ist wichtig, weil man sonst am Gig plötzlich feststellt, dass “64 Kanäle” eben nur für 48 kHz gelten.

2) Übertragungsmedien: Koax oder Glasfaser

MADI läuft typischerweise über:

  • 75-Ohm-Koax (BNC) – robust, schnell gesteckt, in vielen Racks Standard.
  • Glasfaser (meist SC-Stecker) – ideal für lange Strecken und elektrische Entkopplung.

Koax ist praktisch, solange du im vernünftigen Längenbereich bleibst. Glasfaser ist hingegen oft die erste Wahl, wenn es um lange Distanzen, Brummschleifen-Vermeidung oder EMV-sichere Strecken geht. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, wenn FOH weit weg steht und du trotzdem nur “eine Leitung” hast.

3) Punkt-zu-Punkt und (meist) unidirektional

Ein ganz wichtiger Punkt: MADI ist normalerweise unidirektional. Das heißt: Ein MADI-Link sendet in eine Richtung. Wenn du also hin und zurück willst (z. B. Stagebox ↔ FOH bidirektional), brauchst du zwei Leitungen bzw. zwei Fasern: eine für “Hin”, eine für “Zurück”. Viele Systeme lösen das elegant mit einem Duplex-Fiber oder zwei BNCs – trotzdem lohnt es sich, das bei der Planung im Kopf zu behalten.

4) Clocking und Synchronisation

MADI kann den Takt (Clock) im Datenstrom mitführen. In der Praxis heißt das: Ein Gerät kann als Clock-Master laufen, und das andere Gerät lockt sich darauf. Trotzdem ist Clocking in komplexeren Setups häufig der Knackpunkt – vor allem, wenn mehrere digitale Formate gleichzeitig im Spiel sind (MADI, AES, Wordclock, Video-Sync).

Daher gilt: Je klarer du definierst, wer Master ist und wer Slave, desto stressfreier läuft der Tag. In Broadcast- oder Theaterumgebungen hängt die Audio-Sync außerdem oft an einer zentralen Referenz (z. B. Wordclock oder Video-Blackburst/Trilevel mit entsprechender Audio-Synchronisation). MADI fügt sich dort ein, aber es ersetzt nicht automatisch ein sauberes Gesamtkonzept.

5) Frames, Datenrate und “warum das so stabil ist”

MADI überträgt Audio als kontinuierlichen seriellen Datenstrom mit einer festen Struktur (Frames/Subframes). Vereinfacht gesagt: Es gibt definierte “Zeitscheiben”, in denen die Samples der Kanäle nacheinander übertragen werden. Dadurch ist klar, was wann kommt – und genau diese feste Struktur macht das Verhalten so berechenbar.

Wichtig ist dabei auch: MADI ist nicht darauf ausgelegt, “Pakete” über ein geteiltes Netzwerk zu schicken, sondern es ist eine dedizierte Leitung. Deshalb hast du im Normalfall auch keine Themen wie Switch-Overhead oder Paketlaufzeiten. Die Latenz ist entsprechend sehr gering und vor allem konstant, was im Livesound-Kontext Gold wert ist.

MADI im Live-Alltag: Worauf du achten solltest

MADI ist zuverlässig, aber nicht magisch. Wenn etwas nicht funktioniert, sind es in der Praxis meist diese Klassiker:

Erstens: Kanalmodus (56/64) passt nicht.
Wenn Sender und Empfänger nicht im gleichen Modus laufen, bekommst du Chaos: fehlende Kanäle, falsches Routing oder gar kein Lock.

Zweitens: Sample Rate / Clocking ist uneinheitlich.
Gerade wenn ein Recorder oder ein zweites Pult dazukommt, rutscht man schnell in “zwei Master”-Situationen. Dann knackt es, oder der Lock fällt sporadisch weg. Deshalb: einmal sauber festlegen, dann konsequent durchziehen.

Drittens: Medien-/Steckerthemen.
Bei BNC geht es oft um saubere 75-Ohm-Strecken und vernünftige Kabelqualität. Bei Glasfaser sind es gerne verschmutzte Steckerflächen oder falsch verstandene TX/RX-Richtungen. Außerdem lohnt sich bei langen Strecken ein kurzer Reality-Check, ob die verwendeten SFPs/Transceiver und Fasertypen wirklich zusammenpassen.

Abgrenzung: MADI vs. Dante (und warum beides seine Berechtigung hat)

Wenn du maximale Flexibilität brauchst – also viele Geräte, viele Abzweige, mehrere Räume, “one-to-many”-Verteilungen –, dann spielt Audio-over-IP seine Stärken aus. Allerdings musst du dafür Netzwerkkompetenz mitbringen oder im Team haben.

MADI ist dagegen stark, wenn du eine sehr stabile Mehrkanal-Strecke brauchst, die schnell aufzubauen ist, leicht zu verstehen bleibt und im Fehlerfall relativ eindeutig zu diagnostizieren ist. Deshalb siehst du MADI bis heute häufig als Backbone in Setups, in denen Sicherheit und Einfachheit höher bewertet werden als Netzwerk-Routing-Flexibilität.

MADI in der Veranstaltungstechnik – Fazit: Was du dir zu MADI merken solltest

MADI bedeutet Multichannel Audio Digital Interface und ist in der Veranstaltungstechnik vor allem eine Antwort auf die Frage: Wie bekomme ich viele Audiokanäle zuverlässig von A nach B, ohne 100 Einzelkabel zu ziehen? Technisch arbeitet MADI als strukturierter serieller Datenstrom, meist über BNC-Koax oder Glasfaser, häufig mit bis zu 64 Kanälen bei 48 kHz. Außerdem ist es bewusst “direkt” gedacht: Punkt-zu-Punkt, klar definierte Richtung, klare Clocking-Regeln. Genau deshalb ist es in vielen Live- und Broadcast-Workflows nach wie vor ein Arbeitstier.

Wenn du also in der Eventtechnik unterwegs bist und dich fragst, ob MADI “noch relevant” ist: Ja – besonders dann, wenn du robuste, planbare Mehrkanalverbindungen willst und dein Setup eher aus wenigen, klaren Links besteht als aus komplexen Netzwerken.

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