Test: Fame MS EZIE Quartett – In-Ear-Monitoring

Das Fame MS E.ZIE Quartet liefert vier vollständige In-Ear-Funkstrecken inklusive Empfängern, Zubehör und Ohrhörern im Komplettpaket.

In-Ear-Monitoring gehört längst nicht mehr nur zu großen Touring-Produktionen. Auch auf kleinen Bühnen, in Proberäumen oder bei semiprofessionellen Live-Setups wird drahtloses Monitoring zunehmend zum Standard. Gerade Bands, die mit eigenem Monitoring arbeiten möchten, stehen allerdings schnell vor einem Kostenproblem. Vier unabhängige In-Ear-Strecken bedeuten normalerweise einen erheblichen finanziellen Aufwand. Genau an dieser Stelle positioniert sich das Fame MS EZIE Quartett. Für rund 399 Euro verspricht das System vier vollständige In-Ear-Funkstrecken inklusive Empfängern, Ohrhörern, Batterien und Anschlusskabeln. Rein rechnerisch ist das zunächst bemerkenswert günstig.

Die entscheidende Frage ist allerdings nicht, ob das System viele Komponenten mitliefert, sondern ob sich damit im Alltag wirklich sinnvoll arbeiten lässt. Gerade beim In-Ear-Monitoring entscheidet nicht die reine Feature-Liste über die Qualität, sondern die Praxistauglichkeit: Wie stabil läuft die Funkübertragung? Wie einfach ist das Routing? Wie gut lässt sich ein Mix beurteilen? Und wie zuverlässig funktioniert das System unter typischen Bedingungen auf kleinen Bühnen oder im Proberaum?

Das Fame MS EZIE Quartett ist dabei kein High-End-Monitoring-System für große Touring-Produktionen, sondern klar als Werkzeug für einfache Monitoring-Aufgaben positioniert. Genau unter diesem Blickwinkel muss man das System betrachten.

Das robuste Metallgehäuse und die externen Antennen unterstreichen den klaren Fokus auf den Live-Einsatz im Proberaum und auf kleinen Bühnen.
Das robuste Metallgehäuse und die externen Antennen unterstreichen den klaren Fokus auf den Live-Einsatz im Proberaum und auf kleinen Bühnen.

Aufbau und Konzept des Systems

Das Grundprinzip des Fame MS EZIE Quartett ist schnell verstanden. Im 19-Zoll-Rackgehäuse arbeiten vier unabhängige UHF-Senderstrecken im Frequenzbereich von 606 bis 630 MHz. Jede Strecke besitzt eigene Frequenzwahl und eigenen Empfänger. Das System lässt sich damit sowohl für vier einzelne Musiker als auch für unterschiedliche Monitoring-Zonen nutzen.

Interessant ist dabei vor allem das Routing-Konzept. Neben einem gemeinsamen Summeneingang stehen auch vier separate Eingänge zur Verfügung. Genau das macht das System im Alltag deutlich flexibler, als der Preis zunächst vermuten lässt. Im Proberaum kann beispielsweise ein gemeinsamer Monitormix genutzt werden, während auf kleineren Bühnen unterschiedliche Monitormischungen pro Musiker möglich bleiben. Gerade bei Bands mit Digitalmischpulten oder mehreren Aux-Wegen entsteht dadurch überhaupt erst ein sinnvoll nutzbares Setup.

Der eigentliche Sender arbeitet vollständig in Mono. Das ist ein wichtiger Punkt, weil sich dadurch der komplette Charakter des Monitorings verändert. Für einfache Sprachanwendungen oder grundlegendes Bandmonitoring funktioniert Mono durchaus brauchbar. Sobald allerdings räumliche Orientierung im Mix wichtig wird, stößt das Konzept hörbar an Grenzen. Besonders bei dichteren Produktionen oder komplexeren Live-Arrangements fehlt schlicht die Stereoabbildung, um Instrumente sauber im Panorama zu verteilen.

Gerade Sänger oder Musiker, die sich stark über Effekte, Hallräume oder Stereobilder orientieren, werden das unmittelbar merken. Ein Mono-In-Ear-Mix wirkt deutlich kompakter und teilweise anstrengender, weil sich sämtliche Signale in der Mitte stapeln. Für reine Cue-Mixes oder einfache Monitoring-Anwendungen kann das trotzdem völlig ausreichend sein. Im professionelleren Bandkontext bleibt Stereo allerdings langfristig angenehmer und präziser.

Vier Paar In-Ear-Kopfhörer gehören bereits zum Lieferumfang – inklusive verschiedener Ohrpassstücke für unterschiedliche Gehörgänge.
Vier Paar In-Ear-Kopfhörer gehören bereits zum Lieferumfang – inklusive verschiedener Ohrpassstücke für unterschiedliche Gehörgänge.

Verarbeitung und Bühnentauglichkeit

Das eigentliche Rackgerät hinterlässt zunächst einen überraschend robusten Eindruck. Das Metallgehäuse wirkt stabil genug für regelmäßigen Live-Einsatz und fühlt sich deutlich wertiger an, als man es in dieser Preisklasse erwarten würde. Gerade im mobilen Alltag mit häufigem Transport ist das wichtig, weil günstige In-Ear-Systeme oft bereits mechanisch problematisch werden.

Die Frontplatte ist übersichtlich aufgebaut. Die Regler laufen vergleichsweise schwergängig, was im Live-Betrieb eher positiv auffällt, weil sich Einstellungen nicht versehentlich verändern. Auch die Taster machen einen ordentlichen Eindruck. Das gesamte Rackgerät wirkt insgesamt deutlich professioneller als die eigentlichen Beltpack-Empfänger.

Die Empfänger selbst bestehen überwiegend aus Kunststoff und wirken spürbar einfacher konstruiert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie instabil wären. Für Proberaum und kleinere Bühnen reicht die Verarbeitung grundsätzlich aus. Im harten Touring-Alltag dürfte man an Grenzen stoßen als bei deutlich teureren Systemen. Die Gürtelclips erfüllen ihren Zweck, wirken aber nicht besonders massiv.

Positiv fällt auf, dass das System ausgesprochen komplett ausgeliefert wird. Neben den vier Empfängern liegen bereits Batterien, Patchkabel, Antennen und sogar vier Paar In-Ear-Kopfhörer bei. Gerade für Bands oder kleinere Produktionen bedeutet das einen sehr schnellen Einstieg ohne zusätzliche Investitionen. Das System lässt sich praktisch direkt aus dem Karton heraus einsetzen.

Die beiliegenden In-Ear-Hörer sitzen ergonomisch überraschend ordentlich, klanglich stoßen sie allerdings schnell an Grenzen.
Die beiliegenden In-Ear-Hörer sitzen ergonomisch überraschend ordentlich, stoßen allerdings an Grenzen.

Einrichtung und Workflow

Einer der größten Pluspunkte des Fame-Systems ist die unkomplizierte Einrichtung. Gerade Musiker oder kleinere Bands ohne erfahrenen Monitortechniker profitieren davon erheblich. Die Kanalwahl erfolgt direkt am Sender über einfache Up- und Down-Taster, anschließend wird der passende Kanal am Empfänger ausgewählt und per IR-Synchronisation übertragen.

Das funktioniert erfreulich unkompliziert und reduziert typische Fehlerquellen deutlich. Gerade bei günstigen Funkstrecken entstehen Probleme häufig schon beim Pairing oder bei unübersichtlichen Menüstrukturen. Hier bleibt das Fame-System angenehm direkt und praxisnah.

Im Proberaum oder bei kleinen Clubshows spart das tatsächlich Zeit. Das System ist nicht überladen, sondern konzentriert sich auf grundlegende Funktionen. Dadurch entsteht ein Workflow, der schnell verstanden wird und auch unter Stress funktioniert.

Hilfreich ist außerdem der zusätzliche Kopfhörerausgang direkt am Rackgerät. Dadurch lässt sich das System gleichzeitig auch als kabelgebundener Kopfhörerverstärker nutzen. Gerade bei Recording-Sessions oder im Proberaum kann das praktisch sein. Der Klang über diesen Ausgang wirkt deutlich sauberer und kontrollierter als über die beiliegenden Ohrhörer.


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Fame MS-EZIE Quartet D 606-630 MHz – 4-Kanal In-Ear Funksystem

Klangqualität und Signalverhalten

Die eigentliche Funkübertragung macht zunächst einen überraschend ordentlichen Eindruck. Das Signal bleibt grundsätzlich stabil und liefert eine brauchbare Sprachverständlichkeit sowie ausreichend saubere Mittenabbildung für Monitoring-Anwendungen. Auch die Reichweite bewegt sich im typischen Rahmen kleiner Bühnenproduktionen.

Problematisch wird allerdings schnell die Kombination aus Funkstrecke und den mitgelieferten Ohrhörern. Die beiliegenden In-Ears gehören klar zu den Schwachpunkten des gesamten Systems. Der Frequenzgang wirkt stark eingeschränkt, insbesondere im Bassbereich fehlt praktisch jede Substanz. Gleichzeitig fehlen Auflösung und Feinzeichnung in den Höhen. Der gesamte Klang wirkt dadurch flach, blechern und wenig definiert.

Gerade für Musiker entsteht dadurch ein echtes Praxisproblem: Ein Monitormix lässt sich kaum sinnvoll beurteilen. Dynamik, Tiefenstaffelung oder tonale Balance verschwimmen stark. Besonders Sänger dürften Schwierigkeiten bekommen, ihre Stimme sauber im Mix einzuordnen.

Wichtig ist allerdings die Erkenntnis, dass die Schwäche nicht primär am eigentlichen Sender liegt. Mit hochwertigen Studiokopfhörern oder besseren In-Ears angeschlossen liefert das System hörbar bessere Ergebnisse. Der Klang gewinnt sofort an Definition und Kontrolle. Das zeigt relativ deutlich, dass die Funkstrecke selbst grundsätzlich brauchbar arbeitet.

Trotzdem bleibt ein leichtes Grundrauschen vorhanden. Das fällt insbesondere bei leiseren Passagen oder Sprachsignalen auf. Für laute Live-Situationen ist das meist akzeptabel, in ruhigeren Umgebungen oder bei empfindlichen Nutzern kann es allerdings störend wirken.

Teilweise treten zusätzlich leichte Störgeräusche oder ein Surren auf, die offenbar mit dem Kopfhörerausgang des Senders zusammenhängen. Hier zeigt sich deutlich die Budgetklasse des Systems. Das Gerät erreicht keine absolut saubere Signalruhe, sondern bewegt sich eher im semiprofessionellen Bereich.

Die Beltpack-Empfänger arbeiten mit zwei flexiblen Antennen und bieten einen direkten Lautstärkeregler auf der Oberseite.
Die Beltpack-Empfänger arbeiten mit zwei flexiblen Antennen und bieten einen direkten Lautstärkeregler auf der Oberseite.

Erdung und praktische Besonderheiten

Interessant ist ein Punkt, der im Alltag durchaus relevant werden kann: Das System reagiert empfindlich auf fehlende Erdung. Ohne korrekt geerdetes Rack beziehungsweise ohne entsprechenden Anschluss können Störgeräusche auftreten. Sobald das Gerät sauber geerdet oder im Rack eingebaut ist, arbeitet das System deutlich ruhiger.

Das ist im Live-Alltag zwar grundsätzlich lösbar, sollte aber berücksichtigt werden. Gerade in improvisierten Proberaum-Setups oder bei problematischen Stromsituationen kann das zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern.

Die beiliegenden Ohrhörer sitzen ergonomisch dagegen überraschend ordentlich. Trotz universeller Bauform gelingt die Passform besser als erwartet. Natürlich bleibt die Abdichtung stark abhängig von Ohrform und gewählten Aufsätzen, aber für ein beiliegendes Komplettset ist das zunächst akzeptabel.

Typisch für kabelgebundene In-Ears übertragen allerdings auch diese Hörer deutliche Körperschallgeräusche über das Kabel. Bewegungen oder Reibungen werden hörbar weitergegeben. Das lässt sich konstruktionsbedingt kaum vollständig vermeiden, fällt hier aber relativ deutlich auf.

Die Rückseite bietet neben den vier separaten Eingängen auch einen Summeneingang – praktisch für flexible Monitor-Setups im Proberaum oder auf kleinen Bühnen.
Die Rückseite bietet neben den vier separaten Eingängen auch einen Summeneingang – praktisch für flexible Monitor-Setups im Proberaum oder auf kleinen Bühnen.

Praxis im Bandkontext

Genau im Bandkontext zeigt sich letztlich die eigentliche Zielgruppe des Systems. Das Fame MS EZIE Quartett ist kein feinzeichnendes Referenz-Monitoring für professionelle Touring-Produktionen oder kritische Klangbeurteilungen. Dafür fehlen schlicht Stereoabbildung, absolute Signalruhe und hochwertige Ohrhörer.

Als pragmatisches Monitoring-Werkzeug für kleine Bands funktioniert das Konzept allerdings durchaus sinnvoll. Gerade für Proberäume, kleine Clubs oder einfache Monitoring-Situationen bietet das System erstaunlich viel Ausstattung für vergleichsweise wenig Geld.

Die größte Stärke liegt klar im Gesamtpaket. Vier Funkstrecken inklusive Zubehör zu diesem Preis sind ungewöhnlich. Dadurch entsteht ein niedriger Einstieg in drahtloses Monitoring, ohne sofort mehrere tausend Euro investieren zu müssen.

Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wo gespart wurde. Wer ernsthaft mit In-Ear-Monitoring arbeiten möchte, sollte die beiliegenden Ohrhörer möglichst schnell ersetzen. Erst dadurch wird das System wirklich sinnvoll nutzbar. Die eigentliche Funkstrecke besitzt mehr Potenzial, als die mitgelieferten Hörer zunächst vermuten lassen.

Der zusätzliche Line-Out am Empfänger erlaubt auch den Einsatz mit kabelgebundenen Kopfhörern oder weiteren Monitoring-Lösungen.
Der zusätzliche Line-Out am Empfänger erlaubt auch den Einsatz mit kabelgebundenen Kopfhörern oder weiteren Monitoring-Lösungen.

Fazit – Fame MS EZIE Quartett – In-Ear-Monitoring

Das Fame MS EZIE Quartett ist ein typisches Werkzeugprodukt. Kein luxuriöses High-End-System, sondern eine pragmatische Lösung für Bands, Proberäume und kleinere Bühnenproduktionen mit begrenztem Budget. Für rund 399 Euro liefert das Set ungewöhnlich viel Ausstattung: vier Funkstrecken, vollständiges Zubehör, robuste Rackeinheit und unkomplizierten Workflow.

Die eigentliche Schwäche liegt weniger in der Funktechnik als in den mitgelieferten In-Ears. Sie begrenzen die Klangqualität und erschweren eine Beurteilung des Monitor-Mixes. Mit besseren Ohrhörern arbeitet das System hörbar überzeugender und deutlich kontrollierter.

Das Mono-Konzept bleibt allerdings ein grundlegender Kompromiss. Für einfache Monitoring-Aufgaben funktioniert das, bei komplexeren Bandproduktionen fehlt langfristig jedoch räumliche Orientierung und Transparenz.

Unterm Strich ist das Fame MS EZIE Quartett deshalb vor allem eines: ein günstiger Einstieg in drahtloses In-Ear-Monitoring mit überraschend solidem Grundkonzept, aber klaren Grenzen bei Klangqualität und professionellem Monitoring-Komfort.

Pro

  • Vier vollständige Funkstrecken zu sehr attraktivem Preis
  • Robustes Rackgehäuse mit guter Live-Tauglichkeit
  • Einfache und schnelle Einrichtung per IR-Synchronisation

Contra

  • Mitgelieferte In-Ears klanglich eingeschränkt
  • Nur Mono-Betrieb möglich

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